Hebräische Gesänge von Lord Byron

Song Cycle by Carl Georg Peter Grädener (1812 - 1883)

Word count: 520

1. Mein Geist ist trüb [sung text not yet checked]

  Mein Geist ist trüb' -- o nimm geschwind 
Die Harfe, die mich stärkt, empor; 
Von deinem Finger gleitet lind 
Ihr schmelzend Murmeln an mein Ohr; 
Wenn Hoffnung nicht dies Herz verlor, 
Wird [dieser]1 Klang hervor sie locken, 
Die Thräne, meines Auges Flor, 
Wird fließen, statt im Hirn zu stocken.

  Fang' nicht mit Jubelliedern an, 
Gib Eins, das wild und traurig klingt: 
Mach', Harfner, daß ich weinen kann, 
Da sonst mein armes Herz zerspringt, 
Das immer sich zum Schweigen zwingt, 
Das sich vom Kummer nährt so lange; -- 
Nun da der Fluch das Schlimmste bringt, 
Jetzt bricht es -- oder schmilzt im Klange.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Adolf Böttger, Schönheiten aus Byron's Werken, Leipzig: Otto Wigand, 1841, pages 27-28.

1 Sometimes incorrectly given as "diesen."

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Jephtha's Tochter [sung text not yet checked]

Da Gott und mein Volk es verhängt,
  O Vater! daß Tod mich umfängt,
Da dich dein Gelübde befreit,
  Triff die Brust mir, -- ich bin ja bereit.

Nicht klag' ich, nicht traur' ich ja schwer,
  Und die Berge, sie sehn mich nicht mehr: --
Führt die Hand, die geliebte, den Stahl,
  So fühl' ich im Tod keine Qual.

Deß Vater, magst sicher du sein --
  Daß das Blut deines Kindes so rein,
Wie der Segen, von dir noch erfleht,
  Wie der Trost, der mich sterbend umweht.

Nicht erweiche der Jungfrauen Schmerz
  Dem Richter, dem Helden das Herz,
Die Schlacht, die für dich ich bestand,
  Befreite ja Vater und Land!

Ist dies Blut, das du gabest, verraucht, 
Ist der Ton, den du liebtest, verhaucht,
Denk' meiner, die Ruhm dir erwarb,
Und vergiß nicht, daß lächelnd ich starb.

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3. O weint um sie [sung text not yet checked]

O weint um sie, die einst an Babels Strand 
Geweint, -- ihr Tempel wüst, ein Traum ihr Land ! 
Weint um die Harfe Juda's, die zersprang, --
Abgötter sind, wo einst ihr Gott sich schwang.

Wo badet Israel den wunden Fuß ?
Wann hallt von Zion süßer Liedergruß?
Wann wieder wird von Julia's Gang berauscht
Das Herz, das sonst dem Himmelston gelauscht?

Du Stamm mit irrem Fuß und müder Brust,
Wann wirft du eingehn in der Ruhe Lust?
Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Schluft,
Der Mensch die Heimat -- Juda nur die Gruft!

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4. Dein Leben schied [sung text not yet checked]

Dein Leben schied, dein Ruhm begann;
Es kündet Volksgesang, 
Wie dir, o Held, kein Sieg entrann, 
Wie gut dein Schwert sich schwang! 
Wie uns dein Muth Triumph gewann, 
Und Freiheit uns errang!

Du fielst; doch weil wir frei sind, soll
Dem Ruhm den Tod bestehn,
Das edle Blut, das dir entquoll,
Das darf nicht untergehn,
Die Adern mach's uns feuervoll!
Mag uns dein Geist durchwehn!

Dein Name sei das Heer entlang
Der Schlachtruf unsrer Reih'n.
Jungfrauen werden Chorgesang
Nun deinem Falle weihn!
Nicht Thränen braucht, wer Ruhm errang,
Du darfst beweint nicht sein.

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5. Wir sassen am Wasser in Thränen [sung text checked 1 time]

Wir saßen am Wasser in Tränen
bei Babel und dachten den Tag,
wo den Schlächtern, den Feindes-Hyänen
die Feste von Salem erlag,
und die Töchter, gleich trauernden Schwänen,
zerstreute der grässliche Schlag.

Da traurig wir sah'n in den Schimmer
des Stromes, den Freiheit verklärt;
verlangt' man ein Lied, doch o nimmer
wird Feinden die Ehre gewährt!
Eh' welke die Rechte für immer,
eh' über die Harfe sie fährt!

Die Harfe wollen wir hängen
hier unter den Weiden am Strand.
Frei bleib' sie mit ihren Gesängen,
o Salem, dein einziges Pfand;
nie soll sie ertönen in Klängen
den Räubern vom heiligen Land!

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Researcher for this text: Johann Winkler