Auf einmal musste ich singen - und ich wusste nicht warum? Vertonungen für Stimme, Violine, Cello, Klavier, Gläser, Shruti-Box und Spieluhren

by Christina Cordelia Messner (b. 1969)

1. Prinz Jussuf schwebt auf einer Lenzwolke 

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2. Im Anfang [sung text not yet checked]

Hing an einer goldnen Lenzwolke,
Als die Welt noch Kind war
Und Gott noch junger Vater war.
Schaukelte hei
Auf dem Ätherei
Und meine Wollhärchen flitterten ringelrei.
Neckte den wackelnden Mondgroßpapa,
Naschte Goldstaub der Sonnenmama,
In den Himmel sperrte ich Satan ein,
Und Gott in die rauchende Hölle.
Die drohten mit ihrem größten Finger
Und haben „klumbumm, klumbumm“ gemacht,
Und es sausten die Peitschenwinde;
Doch Gott hat nachher zwei Donner gelacht
Mit dem Teufel über meine Todsünde.
Würde 10 000 Erdglück geben.
Noch einmal so gottgeboren zu leben,
So gottgeborgen, so offenbar.
     Ja, ja,
Als ich noch Gottes Schlingel war!

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Confirmed with Else Lasker-Schüler, Gesammelte Gedichte, Leipzig, Verlag der Weißen Bücher, 1917, page 22.


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3. Mein Tanzlied [sung text not yet checked]

Aus mir braust finst're Tanzmusik
Meine Seele kracht in tausend Stücken!
Der Teufel holt sich mein Missgeschick
Um es ans brandige Herz zu drücken.

Die Rosen fliegen mir aus dem Haar
Und mein Leben saust nach allen Seiten,
So tanz' ich schon seit tausend Jahr,
Seit meiner ersten Ewigkeiten

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  • ENG English (Michael P Rosewall) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Ma chanson de danse", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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4. Abends [sung text not yet checked]

Auf einmal mußte ich singen
Und ich wußte nicht warum.
Doch abends weinte ich bitterlich. 

Es stieg aus allen Dingen
Ein Schmerz und der ging um
Und legte sich auf mich.

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  • ENG English (Michael P Rosewall) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission

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5. Letzter Stern, 2. Fassung [sung text not yet checked]

Mein silbernes Blicken rieselt durch die Leere,
Nie ahnte ich, daß das Leben hohl sei.
Auf meinem leichtesten Strahl
Gleite ich wie über Gewebe von Luft
Die Zeit rundauf, kugelab,
Unermüdlicher tanzte nie der Tanz.
Schlangenkühl schnellt der Atem der Winde,
Wie Säulen aus blassen Ringen sich auf
Und zerfallen wieder.
Was soll das klanglose Luftgelüste,
Dieses Schwanken unter mir,
Wenn ich über die Lende der Zeit mich drehe.
Eine sanfte Farbe ist mein Bewegen
Und doch küßte nie das frische Auftagen,
Nicht das jubelnde Blühen eines Morgen mich.
Es naht der siebente Tag –
Und noch ist das Ende nicht erschaffen.
Tropfen an Tropfen erlöschen
Und reiben sich wieder,
In den Tiefen taumeln die Wasser
Und drängen hin und stürzen erdenab.
Wilde, schimmernde Rauscharme
Schäumen auf und verlieren sich,
Und wie alles drängt und sich engt
Ins letzte Bewegen.
Kürzer atmet die Zeit
Im Schoß der Zeitlosen.
Hohle Lüfte schleichen
Und erreichen das Ende nicht
Und ein Punkt wird mein Tanz
In der Blindnis.

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Confirmed with Else Lasker-Schüler, Gesammelte Gedichte, Leipzig, Verlag der Weißen Bücher, 1917, pages 62-63.


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6. Ein Liebeslied [sung text not yet checked]

Komm zu mir in der Nacht  --  wir schlafen engverschlungen. 
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.  
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen, 
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen. 

Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen 
Und färben sich mit deiner Augen Immortellen . . . 

Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen 
Und Liebe eingehüllt spät in mein Zelt. 
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen. 

Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebesruhen 
Im hohen Rohre hinter dieser Welt. 

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Confirmed with My Blue Piano: Bilingual edition, translations by Brooks Haxton, Syracuse, New York: Syracuse University Press, 2015, page 112.


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7. Mein Drama [sung text not yet checked]

Mit allen duftsüssen Scharlachblumen
Hat er mich gelockt,
Keine Nacht mehr hielt ich es im engen Zimmer aus,
Liebeskrumen stahl ich mir vor seinem Haus
Und sog mein Leben, ihn ersehnend, aus.
Es weint ein blasser Engel leis’ in mir
Versteckt – ich glaube tief in meiner Seele,
  Er fürchtet sich vor mir.
Im wilden Wetter sah ich mein Gesicht!
Ich weiss nicht wo, vielleicht im dunklen Blitz,
Mein Auge stand wie Winternacht im Antlitz,
Nie sah ich grimmigeres Leid.
... Mit allen duftsüssen Scharlachblumen
  Hat er mich gelockt,
Es regt sich wieder weh in meiner Seele
Und leitet mich durch all’ Erinnern weit.
Sei still, mein wilder Engel mein,
    Gott weine nicht
  Und schweige von dem Leid,
Mein Schmerzen soll sich nicht entladen,
Keinen Glauben hab’ ich mehr an Weib und Mann,
Den Faden, der mich hielt mit allem Leben,
Hab’ ich der Welt zurückgegeben
  Freiwillig!
Aus allen Sphinxgesteinen wird mein Leiden brennen,
Um alles Blühen lohen, wie ein dunkler Bann.
Ich sehne mich nach meiner blind verstoss’nen Einsamkeit,
Trostsuchend, wie mein Kind, sie zu umfassen,
Lernte meinen Leib, mein Herzblut und ihn hassen,
  Nie so das Evablut kennen
  Wie in Dir, Mann!

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8. Die schwarze Bhowanéh [sung text not yet checked]

Meine Lippen glühn
Und meine Arme breiten sich aus wie Flammen!
Du mußt mit mir nach Granada ziehn
In die Sonne, aus der meine Gluten stammen...
Meine Ader schmerzt
Von der Wildheit meiner Säfte,
Von dem Toben meiner Kräfte.

Granatäpfel prangen
Heiss, wie die Lippen der Nacht!
Rot, wie die Liebe der Nacht!
Wie der Brand meiner Wangen.

Auf dem dunklen Schein
Meiner Haut schillern Muscheln auf Schnüre gezogen,
Und Perlen von sonnenfarb'gem Bernstein
Durchglühn meine Zöpfe wie Feuerwogen.
Meine Seele bebt,
Wie eine Erde bebt und sich aufthut
Dürstend nach Luft! Nach säuselnder Flut!

Heisse Winde stöhnen,
Wie der Odem der Sehnsucht,
Verheerend wie die Qual der Sehnsucht...
Und über die Felsen Granadas dröhnen
Die Lockrufe der schwarzen Bhowanéh!

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9. Ballade [sung text not yet checked]

Sascha kommt aus Sibirien heim
Wie er aussehn mag?

Trotzendes Gold seine Stirn war,
Süßer Todstrahl sein Haar,
Seine Lippen brannten am Altar.

Sascha trank meinen Herzseim
Jede Nacht, die am Traumhang lag.

Was er sagen mag –
Wie er klagen mag –

Wo steck ich meine Liebsten hin?
Da ich ihm untreu war
Und doch nur seine Blume bin.

Dem Dichter färbt er die Schläfe rot,
Den Dieb sticht seine Ehre tot.

Aber den König trifft er nicht,
Der hat meines Bruders steinern Gesicht.
Sascha!

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Confirmed with Else Lasker-Schüler, Gesammelte Gedichte, Leipzig, Verlag der Weißen Bücher, 1917, page 134.


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10. Weltflucht [sung text not yet checked]

Ich will in das Grenzenlose
  Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
  Meiner Seele,
Vielleicht -- ists schon zu spät zurück.
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehen --
Wirrwarr endend!
  Beirrend,
Euch verwirrend,
  Um zu entfliehn
    Meinwärts!

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  • ENG English (Gary Bachlund) , "Withdrawal from the world", written 2010, copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Fuite du monde", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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11. Chaos [sung text not yet checked]

Die Sterne fliehen schreckensbleich
Vom Himmel meiner Einsamkeit,
Und das schwarze Auge der Mitternacht
Starrt näher und näher.

Ich finde mich nicht wieder
In dieser Todverlassenheit!
Mir ist: ich lieg’ von mir weltenweit
Zwischen grauer Nacht der Urangst ...

Ich wollte, ein Schmerzen rege sich
Und stürze mich grausam nieder
Und riss mich jäh an mich!
Und es lege eine Schöpferlust
Mich wieder in meine Heimat
   Unter der Mutterbrust.

Meine Mutterheimat ist seeleleer,
Es blühen dort keine Rosen
Im warmen Odem mehr. –
.... Möcht’ einen Herzallerliebsten haben!
Und mich in seinem Fleisch vergraben.

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12. Ticktackliedchen für Päulchen [sung text not yet checked]

Mein Hämmerchen, mein Kämmerchen
        Pamm pamm, pumm pumm
        pamm pamm, pumm pumm

Mein Schläferchen, mein Käferchen
        Pamm pamm, pumm pumm
        pamm pamm, pumm pumm

Mein Uhrchen tick, mein Türchen tack
        tick tack, tick tack
        knackknack, ticktack.

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13. Klein Sterbelied [sung text not yet checked]

So still ich bin,
All Blut rinnt hin.

Wie weich umher.
Nichts weiß ich mehr.

Mein Herz noch klein,
Starb leis an Pein.

War blau und fromm!
O Himmel, komm.

Ein tiefer Schall --
Nacht überall.

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  • ENG English (Michael P Rosewall) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Petite chanson de mort", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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14. Gebet [sung text not yet checked]

Ich suche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage seinen großen Flügel
Gebrochen schwer am Schulterblatt
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel.

Und wandle immer in die Nacht . . .
Ich habe Liebe in die Welt gebracht --
Daß blau zu blühen jedes Herz vermag,
Und hab ein Leben müde mich gewacht,
In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag.

O Gott, schließ um mich deinen Mantel fest;
Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest,
Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt,
Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßt
Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Else Lasker-Schüler, Werke und Briefe. Kritische Ausgabe, herausgegeben von Norbert Oellers, Heinz Rölleke und Itta Shedletzky, Band I.I, Gedichte, bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki unter Mitarbeit von Norbert Oellers, Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 1996, page 190.


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15. Trieb [sung text not yet checked]

Es treiben mich brennende Lebensgewalten,
Gefühle, die ich nicht zügeln kann.
Und Gedanken, die sich zur Form gestalten,
Sie greifen mich wie Wölfe an.

Ich irre durch duftende Sonnentage . . .
Und die Nacht erschüttert von meinem Schrei.
Meine Lust stöhnt wie eine Marterklage
Und reißt sich von ihrer Fessel frei.

Und schwebt auf zitternden, schimmernden Schwingen
Dem sonn'gen Thal in den jungen Schoß,
Und läßt sich von jedem Mai'nhauch bezwingen
Und giebt der Natur sich willenlos.

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Confirmed with Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe, Band 1: Gedichte, Kritische Ausgabe, Erste Auflage, 1996, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1996, page 11.


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