Sappho's Gesänge aus Carmen Sylva's Dichtung

Song Cycle by Hans August Friedrich Zincke genannt Sommer (1837 - 1922)

Word count: 617

1. Die Blume verblühet auf fliessender Fluth [sung text checked 1 time]

Die Blume verblühet auf fließender Fluth,
Der Ranke entrissen,
Sie fehlet dem Felsen, der Sonnengluth --
Wer wird sie vermissen?

Die Jugend enteilet auf ziehender Zeit,
Das Glück mit dem Winde,
Sie wehen und wandern und fliehen so weit --
Wer lebt, der sie binde?

Die Lieder verhallen, die Liebe vergeht,
Vom Schicksal getragen,
Die Welle wird Erz, eh' die Liebe besteht,
Drum klinget mein Klagen.

Doch endlich da ist auch die Klage verraucht,
In ewige Leere;
Die Blume, die Seele zerbricht, verhaucht,
Vergessen im Meere.

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Confirmed with: Carmen Sylva, Sappho, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1880, page 7.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Wozu soll ich reden? Mein Wort ist so alt! [sung text checked 1 time]

Wozu soll ich reden? 
Mein Wort ist so alt! 
Wozu soll ich singen?
Die Welt ist so kalt! 

Dem stürmenden Herzen
Tönt hohl es zurück,
Versunken im Meergrund 
Ist Liebe und Glück.

Wie soll ich erzählen,
Als wär' ich schon todt? --
Fast sind mir vom Weinen
Die Augen noch roth.

O! hätt' ich vergessen 
Mich selber, die Welt,
Es wäre viel besser 
[Nun]1 um mich bestellt.

Auch mich hat einst zärtlich 
Die Mutter geküßt,
Mich haben die Blumen
Als Schwester gegrüßt.

Doch nun steh' ich einsam,
Und fremd und verbannt,
Und sehne mich todt nach 
Dem sonnigen Land,

Nach einstiger Liebe
Vergessener Pein -- 
O könnt' ich noch einmal 
So unglücklich sein! 

Ich weinte noch stürmisch 
Die Augen mir roth --
Nun bin ich ein Schatten,
So kalt und so todt!

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Confirmed with: Carmen Sylva, Sappho, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1880, pages 19-20.

1 omited by Sommer.

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3. Hört mich, Ihr grausamen Götter [sung text checked 1 time]

Hört mich, Ihr grausamen Götter!
Hab' ich mein Dasein erfleht?
War es mein Wille, zu leben?
Schuf ich mich so, wie ich wurde?--
Was straft Ihr mich dennoch?--

Konntet Ihr nicht einen Felsen
Schaffen an meiner Statt? So
Hart und so kalt, der der Meerfluth
Stand hält? Mich fassen die Fluthen --
Ich trotze und sinke!

O Ihr erhabenen [Götter]1
Kennet nicht menschliches Fühlen,
Fern ist Euch Bangen und Seufzen,--
Darum erschuft Ihr den Menschen
Als fühlendes Spielzeug.

Nimmermehr will ich erflehen
Gaben von Euch; ja, ich flehe
Jetzo schon nicht mehr -- Ihr lächelt
Kalt doch und fern wie der Himmel,
Ihr grausamen Götter!

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Confirmed with: Carmen Sylva, Sappho, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1880, pages 31-32.

1 Sommer: "Götter Ihr"

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4. Nicht lange ist's her, da lachte die Welt mir und das Meer [sung text checked 1 time]

Nicht lange ist's her, da lachte
Die Welt mir und das Meer,
Da kam der Sturm, und machte
Das Herz mir todt und schwer.

Und doch muß ich es tragen
Hier in der Brust wie Stein,
Bei jeder meiner Klagen,
Da sinkt es tiefer ein.

Ich fühl' nicht mehr sein Klopfen,
Dem kalten Erz ist's gleich --
Die heißen Thränentropfen,
Die machten es nicht weich.

Denn meine Thränen sprühten
Als Feuerfunken drauf,
Und härteten und glühten
Zu Stahl es. -- Hebt es auf,

Ihr Seufzer, reißt das Herz mir
Doch aus der Brust!  Befreit
Mich, nehmt den Schmerz mir,
Die große Müdigkeit.

Versenkt es in die Wellen,
In's große weite Meer,
Den Felsen zugesellen
Das Herz, so todt und schwer.

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Confirmed with: Carmen Sylva, Sappho, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1880, pages 42-43.


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5. Ich singe der Kraft, die die Erde erhält [sung text checked 1 time]

Ich singe der Kraft, die die Erde erhält,
Die Schönes mit Schönem geeinet,
Ihr dienen die Götter, ihr beugt sich die Welt,
Ihr Eigenthum ist, was erscheinet.

Ich singe der Macht, die in Blumen erblüht,
Die Samen zu Samen beweget,
Die zart auf den duftigen Wangen erglüht,
Die Herzen im Sturme erreget.

Ich singe dem Gott, der mit schwirrendem Pfeil
Nur endlos Verwirrungen stiftet,
Der Alles bezwinget, zum Fluch und zum Heil
Erwecket, verwundet, vergiftet.

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Confirmed with: Carmen Sylva, Sappho, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1880, page 55.


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6. Weine nicht, weil dich die Götter gesendet [sung text checked 1 time]

Weine nicht, weil Dich die Götter gesendet,
Weil sich mein Schicksal, mein Leben vollendet. --
Was man besingen kann, durfte ich sagen.
Was man ertragen kann, hab' ich getragen,
Danke den Göttern: ich habe geendet!

Weine nicht! Staub ist das Leben und Kleinheit,
Laß mich vergeh'n in der ewigen Einheit,
Alles, was mein war, das hat mich verlassen,
Laß mich das Ganze im Fluge erfassen,
Daß ich es schaue in leuchtender Reinheit!

Weine nicht! Singst Du dereinst meine Lieder,
Weht Dir mein Geist durch die Ewigkeit wieder.
Dein will ich bleiben, in schwingenden Tönen,
Nun bin ich müde -- will ruh'n, in der schönen
Lockenden Meerfluth leg' ich mich nieder!

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Confirmed with: Carmen Sylva, Sappho, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1880, page 72.


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