6 einfache Lieder

Song Cycle by Erich Wolfgang Korngold (1897 - 1957)

Word count: 480

1. Schneeglöckchen [sung text checked 1 time]

's war doch wie ein leises Singen
in dem Garten heute Nacht,
wie wenn laue Lüfte gingen:
"Süße Glöcklein, nun erwacht;
denn die warme Zeit wir bringen,
eh's noch jemand hat gedacht."

's war kein Singen, s'war ein Küßen,
rührt die stillen Glöcklein sacht,
daß sie alle tönen müssen
von der künft'gen bunten Pracht!

Ach, sie konnten's nicht erwarten,
aber weiß vom letzten Schnee
war noch immer Feld und Garten,
und sie sanken um vor Weh.

So schon manche Dichter streckten
sangesmüde sich hinab,
und der Frühling, den sie weckten,
rauschet über ihrem Grab.

Authorship

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  • SPA Spanish (Español) (Elisa Rapado) , "Campanitas de nieve", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Nachtwanderer [sung text checked 1 time]

Er reitet [nachts auf einem braunen]1 Roß,
Er reitet vorüber an manchem Schloß:
Schlaf droben, mein Kind, bis der Tag erscheint,
Die finstre Nacht ist des Menschen Feind!

Er reitet vorüber an einem Teich,
Da stehet ein schönes Mädchen bleich
Und singt, ihr Hemdlein flattert im Wind:
Vorüber, vorüber, mir graut vor dem Kind!

Er reitet vorüber an einem Fluß,
Da ruft ihm der Wassermann seinen Gruß,
Taucht wieder unter dann mit Gesaus,
Und stille wird's über dem kühlen Haus.

Wann Tag und Nacht im verworrnen Streit,
Schon Hähne krähen im Dorfe weit,
Da schauert sein Roß und wühlet hinab,
Scharret ihm schnaubend sein eigenes Grab.

Authorship

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  • ENG English (Laura Prichard) , "Rider in the night", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le voyageur de la nuit", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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1 Banck: "zur Nacht auf schwarzem"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Jakob Kellner

3. Das Ständchen [sung text checked 1 time]

Auf die Dächer zwischen blassen
Wolken [schaut]1 der Mond herfür,
Ein Student dort auf den Gassen
Singt vor seiner Liebsten Tür.

Und die Brunnen rauschen wieder
Durch die stille Einsamkeit,
Und der Wald vom Berge nieder,
Wie in alter, schöner Zeit.

So in meinen jungen Tagen
Hab ich manche Sommernacht
Auch die Laute hier geschlagen
Und manch lust'ges Lied erdacht.

Aber von der stillen Schwelle
Trugen sie mein Lieb zur Ruh,
Und du, fröhlicher Geselle,
Singe, sing nur immer zu!

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "La serenata", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The serenade", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La sérénade", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "La sérénade", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "La serenata", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Korngold: "scheint"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Liebesbriefchen [sung text checked 1 time]

Fern von dir denk' ich dein, Kindelein,
Einsam bin ich, doch mir blieb treue Lieb'.
Was ich denk', bist nur, nur du, Herzensruh.
Sehe stets hold und licht dein Gesicht.
Und in mir immer zu tönest du.
Bist's allein, die die Welt mir erhellt.
Uch bin dein, Liebchen fein, denke mein, denk' mein!

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5. Das Heldengrab am Pruth [sung text checked 1 time]

Ich hab ein kleines Gärtchen im Buchenland am Pruth,
betaut von Perlentropfen, umstrahlt von Sonnenglut.
Und bin in meinem Gärtchen im Traume wie bei Tag
und trink den Duft der Blumen und lausch dem Vogelschlag.

Wenn auch der Tau erstarret, der Herbst die Blümlein bricht,
die Nachtigall enteilet, der Lenz entflieht mir nicht.
Es schmückt mein kleines Gärtchen im Buchenland am Pruth,
mit welkem Laub die Liebe dem Helden, dem Helden der drinn ruht.

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6. Sommer [sung text checked 1 time]

Unter spärlich grünen Blättern,
unter Blumen, unter Blüten
hör' ich fern die Amsel schmettern
und die kleien Drossel wüten.

Auch ein Klingen fein und leise,
schneller Tage schneller Grüße,
eine wehe Sommerweise,
schwer von einer letzten Süße.

Und ein glühendes Verbrennen
schwebt auf heißen Windeswellen,
taumelnd glaub' ich zu erkennen
ungeschriener Schreie Gellen.

Und ich sitze still und bebe,
fühle meine Stunden rinnen,
und ich halte still und lebe,
während Träume mich umspinnen.

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