Sechs Lieder mit Begleitung des Piano Forte, 8. Sammlung

Song Cycle by Johann Xaver Sterkel (1750 - 1817)

Word count: 791

1. O Blümchen, eurer jedes ruft [sung text not yet checked]

[ ... ]

O Blümchen, eurer jedes ruft
  Erinnerungen mir ins Herz.
Zwar farbelos und arm an Duft,
  Tränkt ihr mich doch mit Wonn' und Schmerz.

[ ... ]

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Liebe [sung text not yet checked]

Wo weht der Geist der Liebe? 
  Er wacht in Hain und Flur;
Sieh, wie sich Knospen spalten, 
Und Blätter sich entfalten,
  Das thut sein Odem nur! 

Wo weht der Geist der Liebe? 
  Den Lenz erweckt sein Hauch; 
Er lehrt die Vögel bauen, 
Streut Veilchen auf die Auen,
  Und Rosen auf den Strauch.

Wo weht der Geist der Liebe? 
  Er weht im Morgenlicht,
Er säuseit in dem Thale,
Und wo die dunkle Schale 
  Der Schmetterling durchbricht.

Wo weht der Geist der Liebe? 
  Er schwellt des Mädchens Brust 
Und röthet ihre Wange,
Weckt Dichter zum Gesange, 
  Giebt Armen Lebenslust.

Wo weht der Geist der Liebe? 
  Der so viel Wunder thut? 
Wo Würmchen sich vermehren,
Und Mückchen sich verzehren
  Stumm in der Feuerglut.

Wo weht der Geist der Liebe? 
  Wo an der Mutter Brust 
Der zarte Säugling trinket, 
In Tod die Treue sinket,
  Den Dolch in ihrer Brust.

Wo weht der Geist der Liebe? 
  In Wasser, Feuer und Luft,
Wo sich ein Leben reget 
Wo sich ein Hauch beweget 
  Und in der Todtengruft.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Lied [sung text not yet checked]

Wär' ich ein muntres Vögelein, 
Ich säng im goldnen Morgenschein
Den Vögelchen, im Walde wach,
Rief ich: ihr Brüderchen, mir nach!
Weit, weit, 
Weit flieg ich noch heut.

Sie jauchzten aus dem Laub empor,
Ein federleichtes Vögelchor.
Wie trillerten dann mitunter auch,
Husch, husch,
Den Blütenbusch.

Und ständ' ein Vogler flink und fein,
Und lockt' dem muntern Vögelein
Mit süßem wunderbaren Ton';
Ich sänge: nein! dich kenn' ich schon
Nein! nein!
Mich täuscht kein Schein.

Dann schlüg' die kleine frohe Brust
Hell, hell der Freiheit Himmelslust.
Mein Lied erschöll empor ins Land,
Wo man kein Vogelnetz erfand,
Fern, fern
Zum Morgenstern.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Zwey Wünsche [sung text not yet checked]

Das Leben der Menschen ist nichtiger Traum,
Es schwindet dahin und wir ahnen es kaum,
viel Bilder des Kummers umdüstern den Blick,
sie gehen vorüber und kommen zurück, 
und wenn wir hienieden noch glücklich werden,
so ist es schon aus mit dem Leben auf Erden.

Im Tahle des Frühlings, am goldenen Quell
verwelken die Blüthen der Freuden so schnell,
drum hat uns nur wenige köstliche Zeit, 
das Schicksal zu Freuden des Lebens geweiht,
und wer nicht das Wenige weiss zu geniessen,
wird nimmer sein trauriges Dasein versüssen.

Die Hoffnung des Herzens wird selten erreicht, 
die täuschende Zukunft vernichtet sie leicht, 
und haben wir Wünsche zu Wünschen gereiht, 
so fiehen sie all' in dem Laufe der Zeit.
Nur zwei sind dem besserer Herzen beschieden
die Ruhe des Grabes und innere Frieden.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Andrew Schneider [Guest Editor]

5. Reise nach der Geliebten [sung text checked 1 time]

Auf der Liebe dunklem Meere 
Wogte hin und her mein Kahn, 
Und wo Land zu finden wäre, 
Zeigte kein Magnet mir an. 

Einen Stern nur konnt ich sehen, 
O wie lieblich war sein Licht. 
Meinen Lauf nach ihm zu drehen, 
Wich von ihm mein Auge nicht.  

[Eine Wolke dicht und feuchte 
deckt nun seiner Strahlen Gluth.  
Himmel, du bist ohne Leuchte, 
Und mein Herz ist ohne Muth.]1

[Schön Gestirn, o glänze wieder.  
Geh' mit klarem Lichte auf!  
Blicke tröstend auf mich nieder, 
Lenke glücklich meinen Lauf.]2

Authorship

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)

Confirmed with Zeitung für die elegante Welt, no. 57; Dienstag, 12 Mai 1801, in Berlin, as an insert printed between pages 464 and 465 of music - the Theme from the "Theme and Variations" composed as the second movement of Joseph Wölfl's Piano Sonata, Op. 6 no. 2. The piano music had been published in 1799 in Augsburg by Gombert &. Co., and can be viewed (piano solo only) at Petrucci Music Library. It is titled here "Romanze nach dem Don Quixote".

The poem also appears in Deutsches Liederlexicon, ed. by August Härtel, Philipp Reclam Jr., 1865, Song no. 83, page 57, under the title "Meerfahrt", with changes described in the footnotes below.

1 In "Meerfahrt" from Deutsches Liederlexicon:
Eine Wolke, dicht und trübe, 
Deckt der Sterne Strahlengluth; 
Ich bin ohne Trost und Liebe, 
Und mein Herz ist ohne Muth.
2 In "Meerfahrt" from Deutsches Liederlexicon and Sterkel's setting:
Schöner Stern, erscheine wieder, 
Einz'ger Stern in seiner Art!   
Blicke tröstend auf mich nieder,  
Leite glücklich meine Fahrt.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

6. Wiedersehn [sung text not yet checked]

CHORUS
Wort des Trostes, Wiedersehn, 
Lebenswort, von Lieb' erfunden, 
Balsam in der Trennung Wunden, 
Licht am Grabe, Auferstehn!  

Wenn wir bang durch's Leben gehn, 
Wenn uns Weh und Gram umnachten, 
Wenn in Sehnsucht wir verschmachten, 
Leuchtest, labst du, Wiedersehn! 
(CHORUS) 

Wenn wir trauernd einsam stehn, 
Wenn bei still verweinten Zähren
Jedes Trostes wir entbehren, 
Bleibst du, Engel, Wiedersehn! 
(CHORUS)

Wenn sie dann vorübergehn 
All' die lang verweinten Stunden, 
Stehn wir, wie dem Grab' entwunden, 
Selig durch dich, Wiedersehn! 
(CHORUS)

Authorship

Confirmed with Mildheimisches Lieder-Buch, neue vermehrte und verbesserte Ausgabe, ed. by Rudolph Zacharias Becker, Gotha: Becker'sche Buchhandlung, 1815, song no.88, pages 527 - 528.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull