by Joseph Viktor von Scheffel (1826 - 1886)

Mailied
Language: German (Deutsch) 
Es kommt ein wundersamer Knab'
jetzt durch die Welt gegangen,
Und wieder er geht, bergauf, bergab,
Hebt sich ein Glast und Prangen.
In frischem Grün steht Feld und Tal,
Die Vöglein singen allzumal,
Ein Blütenschnee und Regen
Fällt nieder allerwegen.
 
    Drum singen wir im Wald dies Lied
    Mit Hei- und Tralaleyen,
    Wir singen's, weil es sprießt und blüht,
    Als Gruß dem jungen Maien.
 
Den Mai ergötzt Gebrumm und Summ,
Ist immer guter Laune,
Drum schwirren durch den Tann herum
Die Maienkäfer braune.
Und aus dem Moos wächst schnell herfür
Der Frühlingsblumen schönste Zier,
Die weißen Glocken läuten
Den Maien ein mit Freuden.
 
    Drum singen wir im Wald dies Lied
    Mit Hei- und Tralaleyen,
    Wir singen's, weil es sprießt und blüht,
    Als Gruß dem jungen Maien.»
 
Jetzunder denkt, wer immer kann,
Auf Kurzweil, Scherz und Minne;
Manch einem grauen Biedermann
Wird's wieder jung zu Sinne.
 
Er ruft hinüber übern Rhein:
>Herzliebster Schatz, o laß mich ein!<
Und hüben tönt's und drüben:
>Im Mai da ist gut lieben!<
 
    Drum singen wir im Wald dies Lied
    Mit Hei- und Tralaleyen,
    Wir singen's, weil es sprießt und blüht,
    Als Gruß dem jungen Maien.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

Text added to the website: 2008-07-04 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:02:33
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Word count: 189