Lieder nach Gedichten von Lenau, Hebbel, Dehmel und Spitteler

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Word count: 937

1. Lenz [sung text checked 1 time]

Die Bäume blühn
Die Vöglein singen,
Die Wiesen bringen
Ihr erstes Grün. 

Schier tuts mir leid,
Zu treten die Erden
Und ihr zu gefährden
Ihr neues Kleid. 

Sie hat nicht acht, 
Ob Knospenspringen
Und Frühlgngssingen
Mich traurig macht.

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Researcher for this text: John Versmoren

2. Stumme Liebe [sung text not yet checked]

Ließe doch ein hold Geschick
Mich in deinen Zaubernähen,
Mich in deinem Wonneblick
Still verglühen und vergehen;

Wie das fromme Lampenlicht
Sterbend glüht in stummer Wonne
Vor dem schönen Angesicht
Dieser himmlischen Madonne! -

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Mute love", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Amour muet", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Neuere Gedichte von Nicolaus Lenau, Stuttgart, Hallberger'sche Verlagshandlung, 1838, page 36.

Confirmed with: Gedichte von Nicolaus Lenau, Suttgart: Verlag der J.G. Cotta’schen Buchhandlung, 1869, page 25.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. An die Entfernte [sung text checked 1 time]

Diese Rose pflück' ich hier
In der [weiten]1 Ferne,
Liebes [Mädchen]2, dir, ach dir,
Brächt' ich sie so gerne!

Doch bis ich zu dir mag ziehn
Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin;
Denn die Rosen eilen.

Nie soll weiter sich in's Land
Lieb' von Liebe wagen,
Als sich blühend in der Hand
Läßt die Rose tragen;

Oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste,
Oder als ihr süßer Schall
Wandert mit dem Weste.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "A la que és lluny", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "To the Distant One", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Lang: "fremden"
2 Lang: "Herze"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Die drei Zigeuner [sung text checked 1 time]

Drei Zigeuner fand ich einmal
Liegen an einer Weide,
Als mein Fuhrwerk mit müder Qual
Schlich durch sandige Heide.

Hielt der eine für sich allein
In den Händen die Fiedel,
Spielt', umglüht vom Abendschein,
Sich ein [feuriges]1 Liedel.

Hielt der zweite die Pfeif' im Mund,
Blickte nach seinem Rauche,
Froh, als ob er vom Erdenrund
Nichts zum Glücke mehr brauche.

Und der dritte behaglich schlief,
Und sein Zymbal am Baum hing;
Über die Saiten der Windhauch lief,
Über sein Herz ein Traum ging.

An [den]2 Kleidern trugen die drei
Löcher und bunte Flicken;
Aber sie boten trotzig frei
Spott den Erdengeschicken.

Dreifach haben sie mir gezeigt,
Wenn das Leben uns nachtet,
Wie man's [verraucht, verschläft]3, vergeigt,
Und es dreifach verachtet.

Nach den Zigeunern [lang']4 [noch schaun
Mußt ich]5 im Weiterfahren,
Nach den Gesichtern dunkelbraun,
[Den]6 schwarzlockigen Haaren.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "The three Gypsies", copyright ©
  • ENG English (Walter A. Aue) , "The Three Gypsies", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Arthur Westbrook) , "The three gypsies"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les trois tsiganes", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Margarida Moreno) , "Os três ciganos", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Gund, Liszt, Shoeck: "lustiges" (from another version of Lenau)
2 Gund, Schoeck: "die" (from another version of Lenau)
3 Gund, Liszt, Schoeck: "verschläft, verraucht"
4 Edelmann, Gund, Schoeck,: "lange"
5 Gund, Liszt, Schoeck: "noch/ Mußt ich schaun"
6 Gund, Liszt, Schoeck: "Nach den"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Das Heiligste [sung text not yet checked]

Wenn zwei sich ineinander still versenken,
Nicht durch ein schnödes Feuer aufgewiegelt,
Nein, keusch in Liebe, die die Unschuld spiegelt,
Und schamhaft zitternd, während sie sich tränken;

Dann müssen beide Welten sich verschränken,
Dann wird die Tiefe der Natur entriegelt,
Und aus dem Schöpfungsborn, im Ich entsiegelt,
Springt eine Welle, die die Sterne lenken.

Was in dem Geist des Mannes, ungestaltet,
Und in der Brust des Weibes, kaum empfunden,
Als Schönstes dämmerte, das muß sich mischen;

Gott aber tut, die eben sich entfaltet,
Die lichten Bilder seiner jüngsten Stunden
Hinzu, die unverkörperten und frischen.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Manche Nacht [sung text checked 1 time]

Wenn die Felder sich verdunkeln,
fühl' ich wird mein Auge heller;
schon versucht ein Stern zu funkeln,
und die Grillen [wispern]1 schneller.

Jeder Laut wird bilderreicher,
das Gewohnte sonderbarer,
hinterm Wald der Himmel bleicher,
jeder Wipfel hebt sich klarer;

Und du merkst es nicht im Schreiten
wie das Licht verhundertfältigt
sich entringt den Dunkelheiten.
Plötzlich stehst du überwältigt.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Some nights", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Certaine nuit", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Schnabel : "klingen"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Das bescheidene Wünschlein [sung text checked 1 time]

Damals, ganz zuerst am Anfang,
wenn ich hätte sagen sollen,
was, im Fall ich wünschen dürfte,
ich mir würde wünschen wollen,
wär ich vor zu großem Reichtum
in Verlegenheit geraten,
schwankend zwischen Bilderbüchern,
Farbenschachtel, Bleisoldaten.

Später wurde mein Gelüste
kühner, deutlicher und kürzer:
Einen stolzen Namen wollt ich,
sei's als Held und Weltumstürzer,
sei's als ruhmbekränzter Feldherr
in dem Paradies der Künste,
wo die Wunderbäume blühen
und der schönen Frauen Günste.

Heute, wenn die müde Hoffnung
wieder sich zum Wunsch bequemte,
wünscht ich nur ein kindisch Wünschlein,
dessen der Verstand sich schämte:
möchte wissen, wie die Glocke,
die mich in den Schlaf gewöhnte,
damals, ganz zuerst am Anfang,
möchte wissen, wie sie tönte.

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Researcher for this text: Caroline Diehl

8. Glöckleins Klage [sung text checked 1 time]

Ein junges Glöcklein klagte der Orgel einst ihr Leid:
"Wie oft mit deinem Reichtum erweckst du meinen Neid.
Kannst hundertfältig sagen, was deine Seele spürt;
und was du spürst, das fühlt man, und was du fühlst, das rührt.
Ich, wenn vor Weh und Mitleid mir schier das Herz zerspringt,
ist's stets der gleiche Wohllaut, den meine Zunge singt.
Nach einem echten Mißklang ring' ich aus tiefster Brust.
Wer leiht mir Kraft zum Schreien? es wär' mir bitt're Lust!"

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Researcher for this text: Harry Joelson

9. Der Hufschmied [sung text checked 1 time]

Schwarzbrauner Hufschmied, ich will dir sagen:
Du sollst meinem Rößlein ein Eisen anschlagen.
Das Rößlein ist lahm. 
Gertrud ist mein Nam'.

Das Eisen will ich ihm wohl anschlagen.
Was aber soll denn mein Lohn betragen?
Ich heiße Willfrid. 
Umsonst tu ich's nit.

"Einen blanken Gulden sollst du bekommen."
Ein blanker Gulden mag mir nicht frommen.
Ein Küßchen ich will. 
Das ist nicht zuviel.

"Eh' daß du Frecher ein Küßlein wirst haben,
will ich zu Fuß mit dem Schimmelein traben.
Solch dreister Kumpan! 
Wohlan denn! fang an.

Schwarzbrauner Hufschmied, was machst du für Sachen?
Du tust ja die ändern drei Eisen abmachen.
Was hat das für Sinn? 
Erkläre, beginn."

"Ein Eisen ein Küßlein war ausbedungen.
Vier Eisen dem Schimmelein angezwungen,
gibt der Küßlein vier, 
wofern ich nicht irr'."

"Schwarzbrauner Hufschmied, mach doch die Eisen,
so daß ich's nicht merke, heimlich im leisen,
mach doch die Eisen, sag', 
die Eisen, noch einmal ab."

Authorship

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Researcher for this text: Harry Joelson

10. Eine Unbekanntschaft [sung text not yet checked]

I

Der Denker rechnet wohl einmal
Mit einer unbekannten Zahl,
Die er, ob gänzlich unbestimmt,
Fortschiebend durch die Gleichung nimmt.
's ist keine Ziffer, aber zählt,
Nimm sie von hinnen: und sie fehlt.
Ob spröde der verborgne Sinn,
Sie bleibt des Denkens Königin.
Und schließlich muß das Fragezeichen
Ihm Antwort und Vollendung reichen.

So halt ich heilig ein Gesicht.
Den edlen Namen weiß ich nicht.
Seh ichs mit Augen nimmermehr,
Im Herzen schieb ichs hin und her.
Und bei dem Hin- und Wiederschieben
Wird mir, ich dürfs ein wenig lieben.
Mit Liebe läßts ein Wicht bewenden,
Ich will, es soll mir was vollenden.

II

Wer weiß in welchen See ein Tröpfchen mündet?
In welches Fensterlein die Sonne zündet?
Ein fernes Himmelsfeuer blinkt als Stern;
Wie fremd und hoch es sei, man winkt ihm gern.

Zwei Mandelaugen gingen einst auf Reisen,
Der Welt des Weibes Hoheit zu beweisen.
Die Botschaft mochten andre auch vernehmen,
Doch mir gelangs, mich dran emporzuschämen.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]