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Sechs Hölderlin-Fragmente

Word count: 398

Song Cycle by (Edward) Benjamin Britten (1913 - 1976)

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1. Menschenbeifall


Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll,
  Seit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,
    Da ich stolzer und wilder,
      Wortereicher und leerer war?

Ach! der Menge gefällt, was auf den Markplatz taugt,
  Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;
    An das Göttliche glauben
      Die allein, die es selber sind.


2. Die Heimat


Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen [Strom]1
   Von fernen Inseln, wo er geerntet hat;
      Wohl [möcht' auch ich]2 zur Heimat wieder;
         Aber was hab' ich, wie Leid, geerntet? -
 
Ihr holden Ufer, die ihr mich aufgezogt,
   [Stillt ihr der Liebe Leiden?]3 ach! gebt ihr mir,
      Ihr Wälder meiner Kindheit, wann ich
         [Komme]4, die Ruhe noch Einmal wieder?


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Confirmed with Friedrich Hölderlin Sämtliche Gedichte und Hyperion, Frankfurt am Main und Leipzig: Insel Verlag, 1999, page 200

Note (provided by Sharon Krebs): Hölderlin published two versions of this poem. This one with two stanzas and a longer one with six stanzas. Only the first two lines are the same. This green dot is for the one with two stanzas, which Eisler set.

1 Eisler: "Strome"
2 Eisler: "möchte ich gern"
3 omitted by Eisler.
4 Eisler: "wiederkehre".

3. Sokrates und Alcibiades


"Warum huldigest du, heiliger Sokrates,
  Diesem Jünglinge stets? [Kennest]1 du Größers nicht,
    Warum siehet mit Liebe,
      Wie auf Götter, dein Aug' auf ihn?"

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,
  Hohe Tugend versteht, wer in die Welt geblickt,
    Und es neigen die Weisen
      Oft am Ende zu Schönem sich.


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1 Britten: "Kennst"

4. Die Jugend


Da ich ein Knabe war,
rettet' ein Gott mich oft
vom Geschrei und der Rufe der Menschen,
da spielt' ich sicher und gut
mit den Blumen des Hains,
und die Lüftchen des Himmels
spielten mit mir.

Und wie du das Herz
der Planzen erfreust,
wenn sie entgegen dir
die zarten Arme strecken,
so hast du mein Herz erfreut,
Vater Helios!
und, wie Endymion,
war ich dein Liebling,
heilige Luna!

O all ihr Treuen
freundlichen Götter!
Daß ihr wüßtet,
wie euch meine Seele geliebt!

[ ... ]
Doch kannt' ich euch besser, Als ich je die Menschen gekannt Ich verstand die Stille des Aethers Der Menschen Worte verstand ich nie. Mich erzog der Wohllaut des säuselnden Hains, und lieben lernt' ich unter den Blumen. Im Arme der Götter wuchs ich groß.

5. Hälfte des Lebens


Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
[[Tunkt]1 ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.]2

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern [stehn]3
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.


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1 Müller: "Taucht"
2 omitted by Ligeti
3 Cerha: "stehen"

6. Die Linien des Lebens


Die Linien des Lebens sind verschieden,
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigen Lohn und Frieden.


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