Dehmel-Zyklus. 14 Lieder und Duette für Sopran, Tenor und Klavier

Song Cycle by Hermann Karl Josef Zilcher (1881 - 1948)

Word count: 1094

1. Eingang [sung text checked 1 time]

In allen Tiefen
mußt du dich prüfen,
zu Deinen Zielen
dich klarzufühlen;
aber die Liebe
ist das Trübe.

Jedweder Nachen,
drin Sehnsucht singt,
ist auch der Rachen,
der sie verschlingt;
aber ob rings von Zähnen umgiert,
das Leben sitzt und jubilirt.1

Authorship

View original text (without footnotes)
1 Zilcher adds here "Liebe!"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Manche Nacht [sung text checked 1 time]

Wenn die Felder sich verdunkeln,
fühl' ich wird mein Auge heller;
schon versucht ein Stern zu funkeln,
und die Grillen [wispern]1 schneller.

Jeder Laut wird bilderreicher,
das Gewohnte sonderbarer,
hinterm Wald der Himmel bleicher,
jeder Wipfel hebt sich klarer;

Und du merkst es nicht im Schreiten
wie das Licht verhundertfältigt
sich entringt den Dunkelheiten.
Plötzlich stehst du überwältigt.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Some nights", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Certaine nuit", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Schnabel : "klingen"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Unsre Stunde [sung text checked 1 time]

Es dunkelt schon; komm, geh nach Haus,
komm! Das Kastanien-Blattgewühl
streckt sich wie Krallen nach uns aus.
Es ist zu einsam hier, zu schwül
für uns.

Denn sieh: die Linien deiner Hand,
[sieh, sind]1 den meinen viel zu gleich.
Du schienst mir plötzlich so verwandt,
so vorbekannt,
vielleicht aus einem andern Reich.

Ich hatt' ne Schwester, die ist tot.
Sei nicht so stumm, als wärst du taub!
Die Abendwolke dampft so rot
durchs junge Laub,
als ob sie uns Blutschande droht.

Horch! Ja, so wild und unverwandt,
wie jetzt die Nachtigal da schlug,
zittert dein Herz in meiner Hand.
Wir wissen es; das ist genug
für uns.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Notre heure", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Zilcher: "laufen"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Ohnmacht [sung text checked 1 time]

Doch als du dann gegangen,
da hat sich mein Verlangen
ganz aufgetan nach dir.
Als sollt ich dich verlieren,
schüttelte ich mit irren Fingern
deine verschlossene Tür.

Und durch die Nacht der Scheiben,
ob du nicht würdest bleiben,
bettelten meine Augen; und
du gingst hinauf die Stufen
und hast mich nicht gerufen,
mich nicht zurück an deinen Mund.

Vernahm nur noch mit stieren
Sinnen dein Schlüsselklirren
im schwarzen Flur, und dann
stürzten auf mich die Schatten,
die mir im Park schon nahten,
als wir den Mond versinken sahn.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Après", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Nachtgebet der Braut [sung text checked 1 time]

O mein Geliebter - in die Kissen
bet' ich nach dir, ins Firmament!
O könnt ich sagen, dürft er wissen,
wie meine Einsamkeit mich brennt! 

O Welt, wann darf ich ihn umschlingen!
O laß ihn mir im Traume nahn,
mich wie die Erde um ihn schwingen
und seinen Sonnenkuß empfahn

und seine Flammenkräfte trinken,
ihm Flammen, Flammen wiedersprühn,
oh [sic] Welt, bis wir zusammensinken
in überirdischem Erglühn!

O Welt des Lichtes, Welt der Wonne!
O Nacht der Sehnsucht, Welt der Qual!
O Traum der Erde: Sonne, Sonne!
O mein Geliebter - mein Gemahl -

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Night-Prayer of the Bride", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Prière nocturne de la fiancée", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Richard Dehmel, Erlösungen: Gedichte und Sprüche, Berlin: S. Fischer Verlag, MCMXXIII, page 73


Research team for this text: Jeroen Scholten , Sharon Krebs [Guest Editor]

6. Helle Nacht [sung text checked 1 time]

Weich küßt die Zweige
der weiße Mond.
Ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
als schweige sich der Hain zur Ruh:
Geliebte du --

Der Weiher [ruht]1, und
die Weide schimmert.
Ihr Schatten flimmert
in seiner Flut, und
der Wind weint in den Bäumen:
wir träumen -- [träumen]2 --

Die [Weiten]3 leuchten
Beruhigung.
Die Niederung
hebt bleich den feuchten
Schleier hin zum Himmelssaum:
o hin -- o Traum -- --

Authorship

Based on

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Nit clara", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Friedrich Karl Grimm) , "Bright night"
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Bright night", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit claire", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Richard Dehmel, Gesammelte Werke in drei Bänden, Zweiter Band, Berlin: S. Fischer Verlag, 1913, pages 30-31

1 Grimm: "ruft"
2 Grimm, Reger: "wir träumen"
3 Grimm: "Welten"

Research team for this text: Jeroen Scholten , Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Zuversicht [sung text checked 1 time]

Ich hab dich selig gemacht,
mein Geliebter,
und du mich, du bist mein,
und darfst nicht bei mir sein
in meinen furchtbaren Schmerzen.
Bis in Mark und Bein
bin ich dein,
und darf nicht nach dir schrein
vor den Menschen,
wenn ich sterben muß
ohne deinen Kuß.
Nein nein nein:
du hast mich selig gemacht,
Tag und Nacht
fühl' ich mich an deinem Herzen
leben, das an mein Herz schlug!
Ja, ich fühl's, ich bleibe leben,
hab dir noch so viel zu geben,
[o]1 mein Leben,
gab dir nie, noch nie genug!

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Assurance", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Zilcher: "all"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Nächtliches Zwiegespräch [sung text checked 1 time]

Was sind das für Männer, die dort ins Dunkel zeigen?
 . . . . . . . . . .

— The rest of this text is not
currently in the database but will be
added as soon as we obtain it. —

Authorship

9. Stromüber [sung text checked 1 time]

Der Abend war so dunkelschwer,
und schwer durchs Dunkel schnitt der Kahn;
die Andern lachten um uns her,
als fühlten sie den Frühling nahn.

Der weite Strom lag stumm und fahl,
am Ufer floß ein schwankend Licht,
die Weiden standen starr und kahl.
Ich aber sah dir ins Gesicht

und fühlte deinen Atem flehn
und deine Augen nach mir schrein
und eine Andre vor mir stehn
und heiß [aufschluchzen]1: Ich bin dein!

Das Licht erglänzte nah und mild;
im grauen Wasser schwarz, verschwand  
der starren Weiden zitternd Bild.
[Knirschend]2 stieß der Kahn ans Land.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Traversée du fleuve", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 sometimes printed as "aufschluchzend"
2 Zilcher: "Und knirschend"

Researcher for this text: Peter Donderwinkel

10. Blick ins Licht [sung text checked 1 time]

Still von Baum zu Bäumen schaukeln
meinen Kahn die Uferwellen;
märchenblütenblau umgaukeln
meine Fahrt die Schilflibellen,
Schatten küssen den Boden der Flut.

Durch die dunkle Wölbung der Erlen
- welch ein funkelndes Verschwenden -
streut die Sonne mit goldenen Händen
silberne Perlen
in die smaragdenen Wirbel der Flut.

Durch die Flucht der Strahlen schweben
bang nach oben meine Träume,
wo die Bäume
ihre krausen Häupter heben
in des Himmels ruhige Flut.

Und in leichtem, lichtem Kreise
weht ein Blatt zu meinen Füßen
nieder; und des Friedens leise
weiße Taube seh ich grüßen,
fernher grüßen
meiner Seele dunkle Flut.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Regard dans la lumière", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Ein Grab [sung text checked 1 time]

Das sind die Abende, die bleich verfrühten.
Die Georginen, die im Sonnenscheine
wie rot und gelbe letzte Rosen glühten,
stehn fahl, Rosetten aus verfärbtem Steine.
Der Nebel klebt an unsern Hüten.

Komm, Schwester. Dort der Zaun von Erz
umgittert Eine, die zu früh verblich.
Komm heim; mich friert. Sie liebte mich.
Sie hatte Nichts vom Leben als ihr Herz;
still that sie wohl, still litt sie Schmerz.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Une tombe", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Evas Klage [sung text checked 1 time]

Stern im Abendgrauen,
laß dein bleich Erschauern;
laß micht endlich ruhig
heim gen Eden trauern.

O Eden, mein Eden,
Garten meiner Träume,
warum gab mir Gott den Anblick
deiner [Frühlingsträume]1!

Deine Sommerfluren
hat er nicht behütet;
in den stolzen Garben
hat der Blitz gewütet.

In dein Herbstgefilde
ist der Sturm gekommen,
hat mir von den Ästen
Frucht um Frucht genommen.

Warum sang der Frühling?
sang von seligem Wandern
nur auf Blumenauen,
sang von einem seligen Andern!

Ach, er kam, der andre,
kam mit Glut und Flammmen
über meinen Blumen
schlugen sie zusammen.

Lachend aus der Asche
hat [mich]2 getragen.
In der kalten Fremde
hat ihn Gott erschlagen.

Winter ist geworden
Ach, ich möchte weinen.
Aber seine Seele
lacht noch in der meinen.

Still auf seinem Grabe
[muß]3 ich warten, warten;
meine Kinder irren
suchend nach dem Garten.

O mein Garten Eden,
verlorenes Eden,
o Eden, mein Eden,
stehst du denn noch offen?
Bis zur letzten Stunde
will ich auf dich hoffen!

Magst du, Gott, mich töten,
mag mein Traum verglühen,
aber meinen Kindern muß er
neu erblühen! ----

Laß dein bleich Erschauern,
Stern im Abendgrauen!
Endlich kann ich ruhig
heim gen Eden schauen.

Magst du, Stern, versinken,
mag ich selbst [vergehen]4:
Meine Kinder werden
Eden [wiedersehen]5.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Plainte d'Ève", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Zilcher: "Frühlingsbäume"
2 Zilcher: "er mich"
3 Zilcher: "will"
4 Zilcher: "vergeh'n"
5 Zilcher: "wiederseh'n"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

13. Ruhe [sung text checked 1 time]

Ein großer schwarzer Traum
legt sich auf mein Leben;
Alles wird zu Raum,
Alles [wird]1 entschweben.

Ich kann nichts mehr sehn,
all das Gute, Schlimme;
kann dich nicht [verstehen]2,
o du trübe Stimme.

Eine dunkle Hand
schaukelt meinen Willen,
glättet mein Gewand,
still im Stillen.

Authorship

Based on

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
1 Trunk, Zilcher: "will"
2 Zilcher: "verstehn"

Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Harry Joelson

14. Ausgang [sung text checked 1 time]

In allen Tiefen
mußt du dich prüfen,
zu Deinen Zielen
dich klarzufühlen;
aber die Liebe
ist das Trübe.

Jedweder Nachen,
drin Sehnsucht singt,
ist auch der Rachen,
der sie verschlingt;
aber ob rings von Zähnen umgiert,
das Leben sitzt und jubilirt.1

Authorship

View original text (without footnotes)
1 Zilcher adds here "Liebe!"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]