Scherz im Ernst und Ernst im Scherz. Cyklus von 13 Gesängen nach Gedichten von V. von Scheffel, für Bass (oder Bariton) mit Pianoforte

Song Cycle by Vinzenz Lachner (1811 - 1893)

Word count: 2418

1. Perkêo [sung text not yet checked]

Das war der Zwerg Perkêo im Heidelberger Schloß,
An Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß.

Man schalt ihn einen Narren, er dachte: »Liebe Leut',
Wärt ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheut!«

Und als das Faß, das große, mit Wein bestellet war,
Da ward sein künftiger Standpunkt dem Zwergen völlig klar.

»Fahr' wohl«, sprach er, »o Welt, du Katzenjammertal,
[Was sie auf dir hantieren, ist Wurst mir und egal!]1

Um lederne Ideen rauft man manch heißen Kampf,
[Es ist im Grund]2 doch alles nur Nebel, Rauch und Dampf.

Die Wahrheit liegt im Weine. Beim Weinschlurf sonder End'
Erklär' ich alter Narre fortan mich permanent.«

Perkêo stieg zum Keller; er kam nicht mehr herfür
Und sog bei fünfzehn Jahre am rheinischen Malvasier.

War's drunten auch stichdunkel, ihm strahlte inneres Licht,
Und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht.

Als er zum Faß gestiegen, stand's wohlgefüllt und schwer,
Doch als er kam zu sterben, klang's ausgesaugt und leer.

Da sprach er fromm: »Nun preiset, ihr Leute, des Herren Macht,
Die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht:

Wie es dem kleinen David gegen Goliath einst gelang,
Also ich arm' Gezwerge den Riesen Durst bezwang.

Nun singt ein De Profundis, daß das Gewölb' erdröhnt,
Das Faß steht auf der Neige, ich falle sieggekrönt.«

... Perkêo ward begraben. -- Um seine Kellergruft
Beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft,

Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht:
Weh' ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt.

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  • ENG English (Iain Sneddon) , "Perkêo", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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1 Jensen: "Der Menschheit ruh los Trieben schient nichtig mir und schal!"
2 Jensen: "Im Grunde ist"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Iain Sneddon [Guest Editor]

2. Rodensteins Auszug [sung text checked 1 time]

Es regt sich was im Odenwald,
und durch die Wipfel schallt's und hallt,
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

Vom Rhein her streicht ein scharfer Luft,
der treibt den Alten aus der Gruft,
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

Ein rostig Stahlwams ist sein Kleid,
ein rostig Schlachtschwert hangt zur Seit',
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

Der Schmied von Kainsbach steht am Herd;
„Mein Schmied, putz' blank das lange Schwert!”
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

„Ein jeder tu', was seine Pflicht!
Der Wind vom Rhein gefällt mir nicht!”
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

„O römisch' Reich, du bist nicht mehr,
doch reit' ich noch zu deiner Ehr'!”
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

„Ich reit' und reit' und such' einen Mann,
der meinen Flammberg führen kann!”
rum plum plum, bidibidiwum,
der Rodenstein zieht um!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

3. Ein ander Lied vom Rodenstein [sung text not yet checked]

Wer reit't mit zwanzig Knappen ein
Zu Heidelberg im Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
Auf Rheinwein will er pirschen.

»Hollaheh! den Hahn ins Faß! schenkt ein,
Ich fürcht', die Kehlen rosten!
Wir wöll'n ein Jahr lang lustig sein,
Und sollt's ein Dorf auch kosten!

Ein Dorf, was ist's?... Nur Mist und Rauch,
Ich hab' ja ihrer dreie ...
Gersprenz und Pfaffenbeerfurt auch
Und Reichelsheim, das treue!«

Trommeten klangen mit Schalmei'n
Und Pauken um die Wette,
Zwölf Monden saß der Rodenstein
Beim fürstlichen Bankette.

Und als er sich nach Jahr und Tag
Die Rechnung hergewunken,
Da sprach er: »Blitz und Donnerschag!
Jetzt ist Gersprenz vertrunken!
   Gersprenz ist hin!
   Gersprenz ist fort!
   Gersprenz der fromme, der züchtige Ort,
   Gersprenz ... ist ... veritrunken.

Hollaheh! doch wie man's treibt, so geht's,
Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
Doch nie vom vielen Durste.
   Gersprenz ist hin!
   Gersprenz ist fort!
   Gersprenz der fromme, der züchtige Ort,
   Gersprenz ... ist ... veritrunken.«

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4. Rodenstein im Waldhorn [sung text not yet checked]

Und wieder saß beim Weine
Im Waldhorn ob der Bruck
Der Herr vom Rodensteine
Mit schwerem Schluck und Gluck.

Der Wirt sprach tief in Trauer:
»Daß Gott sich mein erbarm'!
Der sitzt wie eine Mauer
Und trinkt mich nächstens arm.

Wie soll das all noch enden?
Kein' Pfenning gibt er her ...
Ich glaub', ich laß ihn pfänden,
Sonst weicht er mir nicht mehr!«

Der Fronvogt samt dem Büttel
Kam handfest an im Horn:
»Heraus den Sammetkittel,
Die Stiefel und die Sporn.

Heraus des Mantels Zierde,
Handschuh und Zobelhut!
Verfallen diesem Wirte
Ist all Eu'r Hab und Gut!«

Da lacht der Rodensteiner:
»Nur zu!... wie wird mir wohl!
's trinkt leichter sich und feiner
Im Unterkamisol!

Und bis ihr mir die Kehlen
Könnt pfänden aus dem Hals,
Werd' ich noch manchen quälen,
Der Wein schenkt in Kurpfalz!«

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5. Alt Heidelberg du feine [sung text not yet checked]

Alt Heidelberg, du feine
Du Stadt an Ehren reich
Am Neckar und am Rheine
Kein andre kommt dir gleich.

Stadt fröhlicher Gesellen
An Weisheit schwer und Wein
Klar ziehn des Stromes Wellen
Blauäuglein blitzen drein.

Und kommt aus lindem Süden
Der Frühling übers Land,
So webt er dir aus Blüten
Ein schimmernd Brautgewand.

Auch mir stehst du geschrieben
Ins Herz gleich einer Braut,
Es klingt wie junges Lieben
Dein Name mir so traut.

Und stechen mich die Dornen
Und wird mir's draus zu kahl
Geb ich dem Roß die Sporen
Und reit ins Neckartal.

Authorship

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6. Der letzte Ichthyosaurus [sung text checked 1 time]

Es rauscht in den Schachtelhalmen,
verdächtig leuchtet das Meer,
da schwimmt mit Tränen im Auge
ein Ichthyosaurus daher.

Ihn jammert der Zeiten Verderbniss;
denn ein sehr bedenklicher Ton
war neuerlich eingerissen
in der Liasformation.

Der Plesiosaurus, der Alte,
er jubelt in Saus und Braus,
der Pterodaktylus selber
flog jüngst betrunken nach Haus.

Der Iguanodon, der Lümmel,
wird frecher zu jeglicher Frist,
schon hat er am hellen Tage
die Ichthyosaura geküsst.

Mir ahnt eine Weltkatastrophe,
so kann es ja länger nicht geh’n:
was soll aus der Lias noch werden,
wenn solche Dinge geschehn?

So klagte der Ichthyosaurus,
da ward’s ihm kreidig zu Muth,
sein letzter Seufzer verhallte
im Qualmen und Zischen der Fluth.

Es starb zu der selbigen Stunde
die ganze Saurierei,
sie kamen zu tief in die Kreide,
da war’s natürlich vorbei.

Und der uns hat gesungen 
dies petrefaktische Lied,
er fand’s als fossiles Albumblatt
auf einem Coprolith.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Iain Sneddon) , "The Last Ichthyosaurus", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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7. Der alte Granit [sung text not yet checked]

In unterirdischer Kammer 
Sprach grollend der alte Granit: 
»Da droben den wäss'rigen Jammer 
Den mach' ich jetzt länger nicht mit. 
Langweilig wälzt das Gewässer 
Seine salzige Flut übers Land, 
Statt stolzer und schöner und besser 
Wird alles voll Schlamm und voll Sand.

»Das gäb' eine mitleidwerte 
Geologische Leimsiederei, 
Wenn die ganze Kruste der Erde 
Nur ein sedimentäres Gebräu, 
Am End würd' noch Fabel und Dichtung, 
Was ein Berg – was hoch und was tief; 
Zum Teufel die Flötzung und Schichtung, 
Hurra! ich werd' eruptiv!

Er sprachs und zum Beistand berief er 
Die tapfern Porphyre herbei, 
Die kristallinischen Schiefer 
Riß höhnisch er mitten entzwei. 
Das zischte und lohte und wallte, 
Als nahte das Ende der Welt; 
Selbst Grauwack, die züchtige Alte, 
Hat vor Schreck auf den Kopf sich gestellt.

Auch Steinkuhl' und Zechstein und Trias 
Entwichen, im Innern gesprengt, 
Laut jammert im Jura der Lias, 
Daß die Glut ihn von hinten versengt. 
Auch die Kalke, die Mergel der Kreiden 
Sprachen später mit wichtigem Ton: 
»Was erstickte man nicht schon bei Zeiten 
Den Keim dieser Revolution?«

Doch vorwärts, trotz Schichten und Seen, 
Drang siegreich der feurige Held, 
Bis daß er von sonnigen Höhen 
Zu Füßen sich schaute die Welt. 
Da sprach er mit Jodeln und Singen: 
»Hurra! das wäre geglückt! 
Auch unsereins kann's zu 'was bringen, 
Wenn er nur herzhaftiglich drückt!«

Authorship

Confirmed with Gaudeamus, Lieder aus dem Engeren und Weiteren, Projekt Gutenberg-DE, Kapitel 3.


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8. Jonas [sung text not yet checked]

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da trank ein Mann drei Tag,
Bis daß er steif wie ein Besenstiel
Am Marmortische lag.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Wirt: «Halt an!
Der trinkt von meinem Dattelsaft
Mehr als er zahlen kann.»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da bracht' der Kellner Schar
In Keilschrift auf sechs Ziegelstein
Dem Gast die Rechnung dar.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Gast: «O weh!
Mein bares Geld ging alles drauf
Im Lamm zu Niniveh!»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da schlug die Uhr halb vier,
Da warf der Hausknecht aus Nubierland
Den Fremden vor die Tür.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Wird kein Prophet geehrt,
Und wer vergnügt dort leben will,
Zahlt bar, was er verzehrt.

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9. Der Enderle von Ketsch [sung text not yet checked]

Chorus:
  »Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
  Mit Zittern und Zähnegefletsch:
  Jetzt weicht, jetzt flieht! Wir singen das Lied
  Vom Enderle von Ketsch!«

Solo:
  Ott' Heinrich, der Pfalzgraf bei Rheine,
  Der sprach eines Morgens: »Rem blemm!
  Ich pfeif' auf die saueren Weine,
  Ich geh' nach Jerusalem!

  Viel schöner und lilienweißer
  Schaun dort die Jungfrauen drein:
  O Kanzler, o Mückenhäuser,
  Fünftausend Dukaten pack' ein!«

  Und als sie lagen vor Joppen,
  Da faltet der Kanzler die Händ':
  »Jetzt langt's noch zu einem Schoppen,
  Dann sind die Dukaten zu End'!«

  Ott' Heinrich, der Pfalzgraf, sprach munter:
  »Rem blemm! Was ficht uns das an?
  Wir fahren nach Cyprus hinunter
  Und pumpen die Königin an.«

  ... Schon tanzte die alte Galeere
  Vor Cyprus in funkelnder Nacht,
  Da hub sich ein Sturm auf dem Meere
  Und rollender Donner erkracht.

  Umzuckt von gespenstigem Glaste
  Ein schwarzes Schiff braust vorbei,
  Hemdärmlich ein Geist steht am Maste
  Und furchtbar gellet sein Schrei:

Chorus:
 »Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
 Mit Zittern und Zähnegefletsch:
 Jetzt weicht, jetzt flieht! Im Sturm herzieht
 Der Enderle von Ketsch!«

Solo:
  Der Donner klang leise und leiser
  Und glatt wie Öl lag die See,
  Dem tapferen Mückenhäuser,
  Dem Kanzler, war's wind und weh.

  Der Pfalzgraf stund an dem Steuer
  Und schaut' in die Wogen hinaus:
  »Rem blemm! 's ist nimmer geheuer,
  O Cyprus, wir müssen nach Haus!

  Gott sei meiner Seele gnädig,
  Ich bin ein gewitzigter Mann:
  Zurück, zurück nach Venedig!
  Wir pumpen niemand mehr an.

  Und wer bei den Türken und Heiden
  Sein Geld wie ich verschlampampt,
  Der verzieh' sich geräuschlos beizeiten,
  Es klingt doch höllenverdammt:

Chorus:
  Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
  Mit Zittern und Zähnegefletsch:
  Jetzt weicht, jetzt flieht! Im Sturm herzieht
  Der Enderle von Ketsch!«

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10. Lied fahrender Schüler [sung text not yet checked]

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein.
Wer lange sitzt, muß rosten;
den allersonnigsten Sonnenschein
läßt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren,
ich will zu guter Sommerzeit
ins Land der Franken fahren!

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
schwer ist das Korn geraten;
sie können auf des Maines Flut
die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian
beschert uns etwas Feines.

Wallfahrer ziehen durch das Tal
mit fliegenden Standarten,
hell grüßt ihr doppelter Choral
den weiten [Gottesgarten]1.
Wie gerne wär’ ich mitgewallt,
ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben!
So muß ich seitwärts durch den Wald
als räudig Schäflein traben.

Zum heiligen Veit von Staffelstein
komm ich emporgestiegen,
und seh die Lande um den Main
zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
umrahmen Berg und Hügel
die breite, stromdurchglänzte Au —
ich wollt', mir wüchsen Flügel.

Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh ihn an der Halde draus
bei einer Schnittrin stehen.
Verfahr'ner Schüler Stoßgebet
heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt'rin steht,
dem mag man lange winken.

Einsiedel, das war mißgethan,
daß du dich hub'st von hinnen!
Es liegt, ich seh's dem Keller an,
ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho! die Pforten brech' ich ein
und trinke was ich finde ...
Du heiliger Veit von Staffelstein
verzeih mir Durst und Sünde!

Authorship

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Confirmed with Joseph Victor Scheffel, Gaudeamus!, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, Stuttgart, 1868.

Note: Becker adds "Valleri, vallera, valleri, vallera" at the end of each stanza.

1 Becker: "Sonnegarten"

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11. Lieder fahrender Schüler [sung text checked 1 time]

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein.
Wer lange sitzt, muß rosten;
den allersonnigsten Sonnenschein
läßt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren,
ich will zu guter Sommerzeit
ins Land der Franken fahren!

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
schwer ist das Korn geraten;
sie können auf des Maines Flut
die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian
beschert uns etwas Feines.

Wallfahrer ziehen durch das Tal
mit fliegenden Standarten,
hell grüßt ihr doppelter Choral
den weiten [Gottesgarten]1.
Wie gerne wär’ ich mitgewallt,
ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben!
So muß ich seitwärts durch den Wald
als räudig Schäflein traben.

[ ... ]

Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh ihn an der Halde draus
bei einer Schnittrin stehen.
Verfahr'ner Schüler Stoßgebet
heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt'rin steht,
dem mag man lange winken.

Zum heiligen Veit von Staffelstein
komm ich emporgestiegen,
und seh die Lande um den Main
zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
umrahmen Berg und Hügel
die breite, stromdurchglänzte Au —
ich wollt', mir wüchsen Flügel.

[ ... ]

Einsiedel, das war mißgethan,
daß du dich hub'st von hinnen!
Es liegt, ich seh's dem Keller an,
ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho! die Pforten brech' ich ein
und trinke was ich finde ...
Du heiliger Veit von Staffelstein
verzeih mir Durst und Sünde!

Authorship

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Confirmed with Joseph Victor Scheffel, Gaudeamus!, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, Stuttgart, 1868.

Note: Becker adds "Valleri, vallera, valleri, vallera" at the end of each stanza.

1 Becker: "Sonnegarten"

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12. Die letzte Hose [sung text not yet checked]

Letzte Hose, die mich schmückte, 
Fahre wohl! dein Amt ist aus, 
Ach auch dich, die mich entzückte, 
Schleppt ein andrer nun nach Haus.

Selten hat an solchen Paares 
Anblick sich ein Aug erquickt; 
Feinster Winterbuxking war es, 
Groß kariert – und nie geflickt!

Mit Gesang und vollen Flaschen 
Grüßt ich einst in dir die Welt; 
Zum Hausschlüssel in der Taschen 
Klang noch froh das bare Geld.

Aber längst kam das Verhängnis, 
Die Sechsbätzner zogen fort, 
Und das Brückentorgefängnis 
Ist ein dunkler stiller Ort ...

Längst verschwand, was sonst versetzlich, 
Frack – und Rock – und Mantels Pracht. 
Nun auch du! es ist entsetzlich!.. 
Letzte Hose, gute Nacht!

Tag der Prüfung, o wie bänglich 
Schlägt mein Herz und fühlt es hell: 
Alles Irdische ist vergänglich 
Und das Pfandrecht schreitet schnell!

Nirgends winkt uns ein Erlöser, 
Letzte Hose! .. es muß sein!.. 
Elkan Levi, dunkler, böser 
Trödler, nimm sie! .. Sie sei dein!

Stiefelfuchs, du alter treuer. 
Komm und stütz mein Dulderhaupt! 
Noch ein einziger Schoppen Neuer 
Sei dem Trauernden erlaubt.

Dann will ich zu Bett mich legen 
Und nicht aufstehn, wenn's auch klopft, 
Bis ein schwerer goldner Regen 
Unverhofft durchs Dach mir tropft.

Zeuch denn hin, die ich beweine. 
Grüß den Rock und 's Kamisol! 
Weh! schon friert's mich an die Beine!.. 
Letzte Hose, fahre wohl!!

Authorship

Confirmed with Gaudeamus, Lieder aus dem Engeren und Weiteren, Projekt Gutenberg-DE, Kapitel 35.


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13. Numero Acht [sung text not yet checked]

Zwei Schatten seh' ich schweben 
In später, später Nacht; 
Wißt Ihr, wohin sie streben? – 
– Beide auf Numero acht!

Der Hausknecht, als es läutet, 
Mit einem Fluch erwacht; 
Er weiß schon, was es bedeutet: 
Beide auf Numero acht!

»Alt Holland steht in Nöten, 
Weh' uns, die wilde Jagd! 
Weh' uns, die alten Schweden 
Beide auf Numero acht!

»Heißt das als fleißiger Schreiber 
Ein neues Buch gemacht, 
Ihr grausamen Ueberkneiper 
Beide auf Numero acht?

»Heißt das als frommer Pastor 
An die Gemeinde gedacht? 
Ihr sündenharte Laster 
Beide auf Numero acht?!«

Der Hausknecht, ungewaschen 
Murrt er's und ungeschlacht, 
Da lärmt's: »He! noch zwei Flaschen, 
Beide auf Numero acht!«

Und weiter singt es und klingt es 
Und jubiliert und lacht, 
Und bis zum Hausherrn dringt es: 
»Beide auf Numero acht!«

Der spitzt betrübt die Füße, 
Die Bettstatt seufzt und kracht; 
Stumm nimmt er eine Prise: 
»Beide auf Numero acht!!«

Authorship

Confirmed with Gaudeamus, Lieder aus dem Engeren und Weiteren, Projekt Gutenberg-DE, Kapitel 33.


Researcher for this text: Iain Sneddon [Guest Editor]