Seelengarten : Zwölf Lieder und Gesänge mit Klavierbegleitung

Song Cycle by Willy Hess (1906 - 1997)

1. Widmung [sung text checked 1 time]

Es singen süße Sagen
in meinem seltnen Lied,
sie klingen und sie klagen
so jubeljung und müd.

Und fragst du, wo sie schliefen,
eh’ sie mein Lied gegrüßt —
aus deiner Seele Tiefen
hab ich sie wachgeküßt.

Authorship:

Confirmed with Manfred Kyber, Der Schmied vom Eiland, Stuttgart / Heilbronn, Walter Seifert, Verlag, 1922, page 77.


Researcher for this text: Harry Joelson

2. Seelengarten [sung text checked 1 time]

Auf blumiger Himmelswiese 
im Frühlingssonnenschein,
da spielen die Kinderseelchen 
mit Sommervögelein,

mit Blumen und Sonnenstrahlen, 
sie jagen einander nach!
Wissen noch nichts von Qualen 
und nichts von Ungemach.

Warten hier auf Zeiten, 
wo Gott sie rufen wird
und sie auf Erden gleiten, 
von Engelshand geführt.

Authorship:

Researcher for this text: Harry Joelson

3. Kinderseelchen [sung text checked 1 time]

Mutter, wo kam mein Seelchen her, 
als ich geschenkt dir ward?
Vom Himmel hat’s ein Englein gebracht, 
ganz leis in stiller Nacht.

Mutter, wo geht mein Seelchen hin
wenn ich gestorben bin?
Zum lieben Gott in den Himmelssaal,
zurück, woher es kam.

Vielleicht wird’s verwundet im Lebenskampf,
muss allzeit leiden schwer.
Doch wenn es kehrt zu Gott zurück,
so leuchtet’s nur um so strahlender,
nur heller und strahlender.

Authorship:

Research team for this text: Bertram Kottmann , Harry Joelson

4. Klein Maryke [sung text checked 1 time]

Klein Maryke ist einmal
[übers]1 Land gegangen.
Hat ein goldner Sonnenstrahl
sich im Haar verfangen.
Klein Maryke hielt ihn fest,
daß er nimmer von ihr läßt.
Und die Leute kamen her
und die wunderten sich sehr,
sprachen her und sprachen hin:
Guck, die kleine Königin!
Klein Maryke hat gelacht
und hat nichts dazu gesagt.
Klein Maryke ging vorbei,
hat’s gewußt, was besser sei:
auf der Au zur Königswahl
Kronen zu erlangen
oder einen Sonnenstrahl
sich ins Haar zu fangen.

Authorship:

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Confirmed with Manfred Kyber, Der Schmied vom Eiland, Stuttgart / Heilbronn, Walter Seifert, Verlag, 1922, page 106.

1 Hess: "über"

Researcher for this text: Harry Joelson

5. In der Föhrde [sung text checked 1 time]

Es kam ein Nachen gefahren,
drin saß eine süße Dirn.
Die Flut von goldenen Haaren
fiel über die weiße Stirn.

Es stand am einsamen Strande
ein einsames Fischerhaus.
O, lande, du Schifferin, lande
und wirf deinen Anker aus.

Es sang so hold eine Weise,
es lockte im Sonnenschein.
Da lachte das Dirnlein leise
und holte die Ruder ein.

Der Anker von schimmerndem Erze
sank nieder in silberner Flut
und in des Dirnleins Herze
ein anderer Anker ruht.

[ ... ]

Authorship:

Confirmed with Manfred Kyber, Der Schmied vom Eiland, Stuttgart / Heilbronn, Walter Seifert, Verlag, 1922, pages 54-55.


Researcher for this text: Harry Joelson

6. Wenn du mich liebst [sung text checked 1 time]

Wenn du mich liebst — dann mag die Erde sterben,
der Blumen bunte Blütenpracht verblühn,
dann mag der Sternenhimmel sich verfärben
und mag der Sonne goldne Glut verglühn!

Wenn du mich liebst — dann mag es alles enden!
Wenn nur ein Funke in die Asche fällt —
wenn du mich liebst — bau’ ich mit Götterhänden
dir aus dem Chaos eine ganze Welt!

Authorship:

Confirmed with Manfred Kyber, Der Schmied vom Eiland, Stuttgart / Heilbronn, Walter Seifert, Verlag, 1922, page 59.


Researcher for this text: Harry Joelson

7. Sehnsucht [sung text checked 1 time]

Wenn das Blühen erwacht
in der Maiennacht,
wilde Sehnsucht auflodert in mir!
O, dann möchte ich sein
nur bei dir allein,
all die Schönheit erleben mit dir!

Wie die Gräser so lind
leis erzittern im Wind
und sich schlingen, umschlingen mit Macht,
o so neige auch du
meiner Unruh dich zu
und erfülle die blühende Nacht!

Doch es ist jene Zeit 
nun Vergangenheit,
versunken ewiglich,
und ich muss nun allein
wie auch bitter ich wein,
weiterleben ohne dich.

Authorship:

Note: stanzas 1 and 3 are by Hanna Riniker, and stanza 2 is by Mina Salm. According to the edition of music by Willy Hess, no published version of the poem can be found.


Researcher for this text: Harry Joelson

8. Nun ging der Tag [sung text checked 1 time]

Nun ging der Tag wie alle Tage
in müder Dämmerung zur Ruh.
Der Erde ewig gleiche Klage
deckt ein barmherz’ger Schatten zu.

Und still entschlafen unter Tränen
die Sorgen, die der Tag gebracht.
Nur ein unsagbar heißes Sehnen
ruft deinen Namen in die Nacht!    

Authorship:

Confirmed with Manfred Kyber, Der Schmied vom Eiland, Stuttgart / Heilbronn, Walter Seifert, Verlag, 1922, page 56.


Researcher for this text: Harry Joelson

9. Apathie [sung text checked 1 time]

Müde schleicht der Abend durch das weite Haus,
und ein dumpfes Schweigen geht der Nacht voraus.
Über meinem Bette wacht die Einsamkeit,
und mein eignes Leben stirbt am Tod der Zeit.

Authorship:

Researcher for this text: Harry Joelson

10. Ihr, meine Kinder, alle tot? [sung text checked 1 time]

Ihr, meine Kinder, alle tot?
So mag mein Leben enden!
Was hab ich ausser Müh und Not,
ich Fremde unter Fremden?

Ein Blumengärtlein und sonst nichts
hatt’ ich vom Schicksal mit erworben;
nun sind die Blätter alle welk,
die Knospen unerblüht erstorben.

O meine Kinder, meines Herzens Blumen,
warum soll nie mein Aug’ euch grüssen,
was hab ich denn verbrochen, saget, nennet,
dass unerfüllt mir alle Wünsche sterben müssen?

Authorship:

Research team for this text: Bertram Kottmann , Harry Joelson

11. Dämmerung [sung text checked 1 time]

Auf zerrissnen Saiten klagt der Winterwind
um vergang'ne Zeiten, die nun Schatten sind.

Um verwelkte Kränze irrt ein letzter Schein,
zitternd an der Grenze zwischen Traum und Sein.

Aus der Dämm'rung Falten drängen sich herzu
graue Nachtgestalten, Seelen ohne Ruh.

In vergess'ner Ferne weint ein altes Weh.
Silbern schaun die Sterne auf den bleichen Schnee.

Authorship:

Research team for this text: Bertram Kottmann , Harry Joelson

12. Das andere Ufer [sung text checked 1 time]

Einmal wird ein Ende 
aller Irrfahrt sein.
Müd geword'ne Hände 
ziehn die Segel ein. 

Leise ruft der Rufer 
allen Sturm zur Ruh.
Einem andern Ufer 
treibt der Nachen zu.

Und die vor mir gingen, 
schauen nach mir aus,
um mich heim zu bringen 
in mein Vaterhaus. 

Wortlos knie ich nieder 
in den Silbersand:
nimm mich, nimm mich wieder, 
seliges Sonnenland! 

Authorship:

Researcher for this text: Harry Joelson
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