Mörike-Kantate

Song Cycle by Detlev Glanert (b. 1960)

Word count: 628

1. Um Mitternacht [sung text not yet checked]

[Gelassen]1 stieg die Nacht an's Land,
Lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Wage nun 
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
  Und [kecker]2 rauschen die Quellen hervor,
  Sie singen der Mutter, der Nacht, in's Ohr
    Vom Tage,
  Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtet's nicht, sie ist es müd';
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flücht'gen Stunden gleichgeschwung'nes Joch.
  Doch immer behalten die Quellen das Wort,
  Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
    Vom Tage, 
  Vom heute gewesenen Tage.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) (Wijtse Rodenburg) , no title, copyright © 2003, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , no title, copyright ©
  • ENG English (Bertram Kottmann) , copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Mörike, Eduard Friedrich. Gesammelte Schriften, Erster Band, G. J. Göschen'sche Verlagshandlung, 1878, page 138.

1 Franz: "Bedächtig" (from an earlier version of Mörike's poem)
2 Franz: "kecker nur"

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2. Gesang zu zweien in der Nacht [sung text not yet checked]

Sie 
 [Wie]1 süß der Nachtwind nun die Wiese streift, 
 Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft! 
 Da noch der freche Tag verstummt, 
 Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge, 
 Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge 
 Der reingestimmten Lüfte summt. 

Er
 Vernehm ich doch die wunderbarsten Stimmen, 
 Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift, 
 Indes, mit ungewissem Licht gestreift, 
 Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen. 

Sie: 
 Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal, 
 Durchsichtiger und heller aufzuwehen; 
 Dazwischen hört man weiche Töne gehen 
 Von selgen Feen, die im blauen Saal 
 Zum Sphärenklang, 
 Und fleißig mit Gesang, 
 Silberne Spindeln hin und wieder drehen. 

Er
 O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt 
 Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet, 
 Und luftig schwirrender Musik bedienet 
 Sich nun dein Fuß zum leichten Schritt, 
 Womit du Stund um Stunde missest, 
 Dich lieblich in dir selbst vergissest. 
 Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Song of two in the night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Chant à deux voix dans la nuit", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Huber: "Wo"; further changes may exist not noted above.

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3. Nachts [sung text not yet checked]

Horch! auf der Erde feuchtem Grund gelegen,
Arbeitet schwer die Nacht der Dämmerung entgegen,
Indessen dort, in blauer Luft gezogen,
Die Fäden leicht, unhörbar fließen
Und hin und wieder mit gestähltem Bogen
Die lustgen Sterne goldne Pfeile schießen.

Im Erdenschoß, im Hain und auf der Flur,
Wie wühlt es jetzo rings in der Natur
Von nimmersatter Kräfte Gärung!
Und welche Ruhe doch und welch ein Wohlbedacht!
Mir aber in geheimer Brust erwacht
Ein peinlich Widerspiel von Fülle und Entbehrung
Vor diesem Bild, so schweigend und so groß.
Mein Herz, wie gerne machtest du dich los!
Du schwankendes, dem jeder Halt gebricht,
Willst, kaum entflohn, zurück zu deinesgleichen.
Trägst du der Schönheit Götterstille nicht,
So beuge dich! denn hier ist kein Entweichen.

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  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "De nuit", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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4. An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang [sung text not yet checked]

O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe!
Welch neue Welt bewegest du in mir?
Was ist's, daß ich auf einmal nun in dir
Von sanfter Wollust meines Daseins glühe?

Einem Kristall gleicht meine Seele nun,
Den noch kein falscher Strahl des Lichts getroffen;
Zu fluten scheint mein Geist, er scheint zu ruhn,
Dem Eindruck naher Wunderkräfte offen,
Die aus dem klaren Gürtel blauer Luft
Zuletzt ein Zauberwort vor meine Sinne ruft.

Bei hellen Augen glaub ich doch zu schwanken;
Ich schließe sie, daß nicht der Traum entweiche.
Seh ich hinab in lichte Feenreiche?
Wer hat den bunten Schwarm von Bildern und Gedanken
Zur Pforte meines Herzens hergeladen,
Die glänzend sich in diesem Busen baden,
Goldfarbgen Fischlein gleich im Gartenteiche?

Ich höre bald der Hirtenflöten Klänge,
Wie um die Krippe jener Wundernacht,
Bald weinbekränzter Jugend Lustgesänge;
Wer hat das friedenselige Gedränge
In meine traurigen Wände hergebracht?

Und welch Gefühl entzückter Stärke,
Indem mein Sinn sich frisch zur Ferne lenkt!
Vom ersten Mark des heutgen Tags getränkt,
Fühl ich mir Mut zu jedem frommen Werke.
Die Seele fliegt, so weit der Himmel reicht,
Der Genius jauchzt in mir! Doch sage,
Warum wird jetzt der Blick von Wehmut feucht?
Ist's ein verloren Glück, was mich erweicht?
Ist es ein werdendes, was ich im Herzen trage?

- Hinweg, mein Geist! hier gilt kein Stillestehn:
Es ist ein Augenblick, und alles wird verwehn!

Dort, sieh, am Horizont lüpft sich der Vorhang schon!
Es träumt der Tag, nun sei die Nacht entflohn;
Die Purpurlippe, die geschlossen lag,
Haucht, halbgeöffnet, süße Atemzüge:
Auf einmal blitzt das Aug, und, wie ein Gott, der Tag
Beginnt im Sprung die königlichen Flüge!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Par un matin d'hiver, avant le lever du soleil", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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