Vier Gedichte von Conrad Ferdinand Meyer

Song Cycle by Jan Pieter Hendrik van Gilse (1881 - 1944)

Word count: 267

1. Der Reisebecher [sung text not yet checked]

Gestern fand ich, räumend eines langvergessnen Schrankes Fächer,
Den vom Vater mir vererbten, meinen ersten Reisebecher.
Währenddeß ich, leise singend, reinigt ihn vom Staub der Jahre,
War's, als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen Haare,
War's, als dufteten die Matten, drein ich schlummernd lag versunken,
War's, als rauschten alle Quelle, draus ich wandernd einst getrunken.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The travelling mug", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La chope de voyage", copyright © 2021, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gedichte von Conrad Ferdinand Meyer, dritte vermehrte Auflage, Leipzig, Verlag von H. Haessel, 1887, page 77.


Research team for this text: Caroline Diehl , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Auf dem Canal Grande [sung text not yet checked]

Auf dem Canal grande betten
Tief sich ein die Abendschatten,
Hundert dunkle Gondeln gleiten
Als ein flüsterndes Geheimnis.

Aber zwischen zwei Palästen
Glüht herein die Abendsonne,
Flammend wirft sie einen grellen
Breiten Streifen auf die Gondeln.

In dem purpurroten Lichte
Laute Stimmen, hell Gelächter,
Überredende Gebärden
Und das frevle Spiel der Augen.

Eine kleine, kurze Strecke
Treibt das Leben leidenschaftlich
Und erlischt im Schatten drüben
Als ein unverständlich Murmeln.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Sur le Grand Canal", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Harry Joelson

3. Eingelegte Ruder [sung text not yet checked]

Meine eingelegten Ruder triefen,
Tropfen fallen langsam in die Tiefen. 

Nichts, daß mich verdroß! Nichts, daß mich freute!
Niederrinnt ein schmerzenloses Heute!

Unter mir - ach, aus dem Licht verschwunden -
Träumen schon die schönern meiner Stunden.

Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern:
Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Soaking oars", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Rames posées", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Jakob Kellner

4. Schnitterlied [sung text not yet checked]

Wir schnitten die Saaten,
wir Buben und Dirnen,
mit nackenden Armen
und triefenden Stirnen,
von donnernden dunkeln
Gewittern bedroht.
Gerettet das Korn.
Und nicht Einer der darbe.
Von Garbe zu Garbe
ist Raum für den Tod.
Wie schwellen die Lippen
des Lebens so rot!

Hoch tronet ihr Schönen,
auf güldenen Sitzen,
in strotzenden Garben,
umflimmert von Blitzen.
Nicht Eine die darbe!
Wir bringen das Brot!
Zum Reigen! Zum Tanze!
Zur tosenden Runde!
Von Munde zu Munde
ist Raum für den Tod.
Wie schwellen die Lippen
des Lebens so rot!

Authorship

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  • ENG English (Peter Palmer) , "Song of the reapers", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]