Caledon. 5 Lieder

Song Cycle by Heinrich August Marschner (1795 - 1861)

1. Entzücken [sung text checked 1 time]

Entzücken! Entzücken!
O, wie entzücken
Mich diese dunklen Augen,
Die aus seidnen Wimpern blicken!
Sie lieben! sie lieben
Mich innig und mit Feuer,
Und mehr als Alles auf der Welt
Sind mir die Augen theuer.

Entzücken! Entzücken!
O, wie entzücket
Mich dieses sonn'ge Lächeln,
Das die sanften Wangen schmücket!
Es strahlet! es strahlet,
Wenn ich ihr näher rücke,
Und lieber wird dies Lächeln mir,
So oft ich es erblicke.

Entzücken! Entzücken!
O, wie entzücket
Mich diese Flötenstimme,
Die mein Gemüth [bestricket]1!
Sie singet! sie singet
Deine heiße Lieb' zu mir,
Und widerhallt mein treues Herz
Die treuste Lieb' zu dir.

[ ... ]

Entzücken! Entzücken!
O, wie entzücket
Mich diese seidne Schleife,
Die den rechten Arm mir schmücket!
Einst ziert' sie den Busen,
Der wogt allein für mich,
Und nun umwindet sie den Arm,
Der Ruhm [gewinnt für]2 dich!

Authorship:

Based on:

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Confirmed with William Motherwell's und Robert Tannahill's Gedichte. Deutsch von Heinrich Julius Heintze. Mit Notizen aus dem Leben beider Dichter und erläuternden Bemerkungen, Leipzig, Verlag von Johann Ambr. Barth, 1841, pages 166-167.

1 Marschner: "umstricket"
2 Marschner: "gewinnt allein für"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler

2. Die Stimme der Liebe [sung text checked 1 time]

Wenn die Landschaft deckt die schatt'ge Nacht
Und bleiche Sterne halten Wacht;
Wenn Thau die Blumenkelche säumt
Und wie ein Fluß das Mondlicht schäumt,
Dann ist die Zeit,
Wo das Herz voll Lieb' nicht länger träumt -
Dann ist die Zeit,
Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut.

Wenn der Mond verschämt die Wellen herzt
Und das Laub gar traulich singt und scherzt;
Wenn Schlummer jedes Aug' umhüllt
Und selbst Diana's Aug' erfüllt,
Dann ist die Zeit,
Wo das Herz vor Lieb' und Wonne schwillt -
Dann ist die Zeit,
Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut.

[ ... ]

Wenn die Nacht uns scheint der Erde Gruft
Und nichts mehr klingt in Wald und Luft;
Wenn Land und See bezaubert lauscht
Und Geräusch mit sel'ger Ruh' vertauscht,
Dann ist die Zeit,
Wo das Herz gleich einem Springquell rauscht -
Dann ist die Zeit,
Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut. 

Authorship:

Based on:

Confirmed with William Motherwell's und Robert Tannahill's Gedichte. Deutsch von Heinrich Julius Heintze. Mit Notizen aus dem Leben beider Dichter und erläuternden Bemerkungen, Leipzig, Verlag von Johann Ambr. Barth, 1841, pages 182-183.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler

3. Er ist fort [sung text checked 1 time]

Er ist fort! Er ist fort, 
wie vom Baume das Laub,
wie der Flaum, den der Nord 
wegführet als Staub.
Er verließ die Geliebte,
eine Trän' aber trübte
wohl sein Aug', als er übte
den Treubruch an mir!

Ach, er ist mir geraubt,
und er zieht in den Streit
mit dem Helm auf dem Haupt
und dem Schwert an der Seit'.
Als sein Helmbusch keck nickte,
war es Reu', die ihn drückte?
Denn sein Aug', o, das blickte
zum Lebewohl nach mir.

Er ist fort! Er ist fort
in die Fern' über See!
Eh' er kehret von dort,
droht mir, ach, noch manch Weh'!
Wo sein Ross er mag lenken,
wo die Lanzen sich senken,
wird der Blicke er wohl denken
der Liebe von mir?

Er ist fort! Er ist fort
wie die Blätter vom Baum,
doch sein Herz ist verdorrt,
denkt er mein nicht im Traum!
Denn mir träumt von ihm immer,
und sein Schwert, und der Schimmer
seines Panzers wird nimmer
vergessen von mir!

Authorship:

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Researcher for this text: Johann Winkler

4. Liebesvertrauen [sung text checked 1 time]

O geh', o geh', und nimmer sag',
Daß er mir treulos sei!
Laß glauben mich den kurzen Tag
An meines Liebsten Treu!
Sag' mir, zur Quelle kehr' ein Fluß,
Der Schnee erglüh' wie'n Feuerguß,
Dies glaubt' ich eher schon;
Doch nimmer kann ich glauben, er
Sei treulos mir entfloh'n.

Er trieb' nur Scherz? er trieb' nur Scherz?
Ich kenne sein Gemüth!
Er bricht gewiß kein liebend Herz
Und läßt sein Lieb und flieht!
Sag' mir, die Sonn' geh' auf nicht mehr,
Nachts glänz' nicht mehr das Sternenheer,
Dies glaubt' ich eher schon;
Doch nimmer kann ich glauben, er
Sei treulos mir entfloh'n.

O, kann 's so sein? nein, wahrlich nein!
Muß glauben es mein Ohr,
Daß der vertraute Liebste mein
Nur mich zu trügen schwor?
Häuf' glüh'nde Kohlen auf [dies]1 Haupt,
Bis mir der Schmerz das Leben raubt -
Dies wär' ein Gotteslohn
Den Tag, der mir gesagt, mein Lieb
Sei treulos mir entfloh'n.

Authorship:

Based on:

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Confirmed with William Motherwell's und Robert Tannahill's Gedichte. Deutsch von Heinrich Julius Heintze. Mit Notizen aus dem Leben beider Dichter und erläuternden Bemerkungen, Leipzig, Verlag von Johann Ambr. Barth, 1841, pages 184-185.

1 Marschner: "mein"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler

5. Kunde aus dem Feenlande [sung text not yet checked]

      O, hat dich denn die Königin Mab besucht?
       --- Shakespear. [sic]

  Ich soll dir gesteh'n,
  Wo wohnen die Fee'n?
  In der grünen Hald',
  Wo der Mondstrahl kalt
Die Blätter versilbert, die Halm' umwebt;
  Unterm Hügel im Wald
  Ist ihr Aufenthalt,
Und dort ihr krystallner Palast sich erhebt.

  Ich soll dir gesteh'n,
  Was speisen die Fee'n?
  Die würzige Luft,
  Den Blumenduft,
Der weht durch die herrliche Wildniß fern:
  Hyacinthen entsprießt,
  Was die Fee genießt
Beim funkelnden Lichte der zitternden Stern'.

  Ich soll dir gesteh'n,
  Was trinken die Fee'n?
  Den frischesten Thau,
  Der im Morgengrau
Nur immer die Blüthen und Blätter getränkt;
  Froh schenken wir ein
  Diesen labenden Wein, 
Wenn die Stille der Nacht auf die Erde sich senkt.

  Ich soll dir gesteh'n
  Die Freuden der Fee'n?
  'S ist die Jagd, die erschallt
  Im düsteren Wald; 
Keck reiten mit Horn und mit Hund wir bei Nacht
  Über Moor' und Höh'n,
  Durch Thäler und See'n 
Bis vom Klauge des Waidwerks der Morgen erwacht.

  Ich soll Dir gesteh'n,
  Wie gekleidet die Fee'n?
  In die Fäden dünn,
  Die im Sommer hin
Durch die Kühle des Abends so lustig weh'n;
  Und der Rosenflaum beut
  Weiches Wamms und Kleid, 
Drin Ritter und Damen zum Feste geh'n.

  Ich soll dir gesteh'n,
  Wann zum Fest wir geh'n?
  Schwebt der Mond voll Pracht
  In der stillen Nacht
Über Land und See, wie ein lieblicher Traum,
  Dann klingt durch die Luft
  Flöt' und Trommel und ruft 
Die Fee und ihr Liebchen zum Tanz um den Baum.

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