Singuf. Rattenfängerlieder von Julius Wolff

Song Cycle by Heinrich Karl Johann Hofmann (1842 - 1902)

Word count: 800

1. Des Tages will ich denken [sung text not yet checked]

Des Tages will ich denken,
Da ich zuerst dich sah,
Tief in die Brust versenken,
Wie mir dabei geschah.

Als hätte zu ihrem Ruhme
Die Welt sich neu geschmückt
Mit einer Wunderblume,
Die noch kein Mensch gepflückt.

So war ich schier betroffen
Von deiner Schönheit Glanz,
Ich trug mein stolzes Hoffen
Wie einen Siegeskranz.

Die Eine oder Keine!
So rief's im Augenblick,
Und nun bist du die Meine,
Und mein sind Ruhm und Glück.

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2. Nichts zu holen [sung text not yet checked]

Erbarm' sich Gott! wie hat dies Land
Sich gar so schwer verkündigt,
Daß sich an seinem Jungfernstand
Des Himmels Zorn verkündigt?
Schon zieh' ich im vierten Tageslicht
Durch Höfe, Dörfer und Gassen,
Und nirgend hat sich ein hübsch Gesicht
Von fern nur blicken lassen.

Ich habe gefiedelt, gesungen, gelockt,
Da kamen sie an die Thüren
Und standen und stierten wie angepflockt,
Ich mochte kein Schätzchen mir küren.
Sie waren nicht frisch, nicht drall und nicht schlank,
Nicht froh und nicht flink auf den Füßen, --
Ei Mädels, bestellt euren Müttern den Dank,
Und Singuf ließe sie grüßen!

Fünf Tage lang keinen einzigen Kuß,
Kein lustiges Lachen und Nicken,
Da muß Einem ja vor Gram und Verdruß
Der Ton in der Rehlen ersticken.
Rasch blase mich weiter, du Sausewind!
Ich mache mich auf die Sohlen,
Ist nichts für mich zu holen.

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3. Geküßt [sung text checked 1 time]

Was wehrst du dich und sträubst dich groß?
Ich halte dich fest umwunden 
Und lasse dich nicht [eher]1 los,
Als bis ich dein Mäulchen gefunden.

In Fesseln meine Linke schlug
Die Händchen dir auf [dem]2 Rücken,
Mein Arm hat dabei Kraft genug,
Dich an die Brust zu drücken.

Die Rechte nun umspannt dein Kinn,
Du wirst's wohl dulden müssen.
So wahr ich Hunold Singuf bin,
Mädel, es kommt [zum]3 Küssen!

Siehst du, wie folgsam du dich schmiegst?!
Die Angst war zu betäuben!
Und wenn du nun einen Schnurrbart kriegst
So kommt das nur [vom]4 Sträuben.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Kissed", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Julius Wolff, Singuf. Rattenfängerlieder, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1887, pages 20-21.

1 omitted by Hofmann
2 Hofmann, Sommer: "den"
3 Hofmann: "zu"
4 Hofmann: "von"

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Je länger je lieber [sung text not yet checked]

Je länger je lieber sitz' ich beim Wein
Scherzend mit guten Gesellen,
Je länger je lieber schenk' ich mir ein 
Stürzend die goldigen Wellen.
Was wir uns füllen, das trinken wir aus, 
Seßhaft und brüderlich halten wir Haus 
So je länger je lieber.

Je länger je lieber schling' ich den Arm
Lachend um's herzige Liebchen,
Je länger je lieber drück' ich es warm
Kosend im traulichen Stäbchen.
Einer im Anderen selig versenkt
Rasten wir raunend, was Jeder sich denkt,
Und je länger je lieber.

Je länger je lieber schweif' ich herum,
Überall fröhlich zu grasen, 
Je länger je lieber, stets willekumm,
Treib' ich mein Singen und Blasen.
Wie mich das Leben auch zwicket und zwackt,
Halt' ich's doch an den vier Zipfeln gepackt
Ach! je länger je lieber.

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5. Wenn du kein Spielmann wärst [sung text not yet checked]

Traf ich die Blonde im dämmrigen Gange,
Herzte sie, küßte sie, frug nicht erst lange.
Zwar fing sie an, sich ein wenig zu wehren,
Ließ sich's doch balde gefallen in Ehren;
"Das aber sag' ich Dir," sprach sie, "Du Schlimmer!
Wenn du kein Spielmann wärst, litt' ich es nimmer;
Wenn du kein Spielmann wärst!"

Dank für das Wort! und es sei nicht vergessen;
Hab' mich mein Lebtag zu hoch nicht vermessen,
Aber ihr Mägdelein mögt es euch merken,
Haltet auf Tugend in Worten und Werken,
Jeglichem Mann, was im Sinn er auch hege,
Wenn's nicht ein Spielmann ist, geht aus dem Wege;
Wenn's nicht ein Spielmann ist!

Doch einem Spielmann, ja den könnt ihr glauben,
Dürfet ihm dieses und jenes erlauben,
Müsset ihm niemals mit Nein was verschlagen,
Müsset nur immer hübsch Ja zu ihm sagen.
Ach! und wie freu' ich mich, will es nicht hehlen:
Weil ich ein Spielmann bin, kann mir's nicht fehlen;
Weil ich ein Spielmann bin!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "If you weren’t a musician", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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6. Gießt voll den Becher! [sung text not yet checked]

Ruck' hin, Gesindlein, auf der Bank
Am wohlbekannten Tische,
Daß ich von eurem Lautertrank
Mein Theilchen noch erwische.
Gießt voll den Becher, immer voll!
Hallo! ich thu' ihn schwenken,
Und weß das Herz mir überschwoll,
Deß will ich wohl gedenken.

Freiheit, dir gilt der erste Hieb!
Freiheit auf allen Wegen,
's ist wonnesam und wunderlieb,
Wenn sich der Mensch kann regen.
Losledig fahr' ich ohne Zoll,
Laß' mich von Niemand lenken,
Gießt voll den Becher, immer voll!
Hallo! ich thu' ihn schwenken.

Sodann dem Kaiser und dem Reich
Ist fördersamst zu dienen
Mit gradem Stoß und krummem Streich
Auf Feindes Schild und Schienen.
Des Türken Grimm, der Pfaffen Groll
Wolln wir kein Gnade schenken,
Gießt voll den Becher, immer voll!
Hallo! ich thu' ihn schwenken.

Herwiederumb1 in Ehren fein
Sei fröhlich Eins gesungen
Den Frauen und den Mägdelein,
Fürnehmlich schönen, jungen;
In ihre Minne glückhaft soll
Sich Männiglich versenken,
Gießt voll den Becher, immer voll!
Hallo! ich thu' ihn schwenken.

Trinkt aus! trinkt immer und allweg,
Das Fäßlein rinnt schon trüber,
Denk' Keiner an den Wachtelsteg,
Wir kommen schon danüber,
Und wer nicht Strich hält voll und toll,
Der geh' und laß sich henken!
Gießt voll den Becher, übervoll!
Halloho! ich thu' ihn schwenken.

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1 [sic]

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