Vier Lieder aus der "Wanderzeit" von Carl Stieler

Song Cycle by Max von Schillings (1868 - 1933)

Word count: 284

1. Botschaft [sung text not yet checked]

Wenn's im Thal zu Abend läutet
Und es kommt die Dämmerzeit,
Wo durchs Feld ein Wandrer schreitet:
Süße Frau, dann sei bereit!

Denn zu dir kommt [der]1 gegangen,
Der in dir nur schafft und ruht;
Wanderglut deckt seine Wangen
Und sein Herz füllt Minneglut!

Aber du sollst inne werden,
Wie dies Herz an dir erblüht --
Sonnwendnacht webt um die Erden
Und des Wandrers Auge glüht.

Die verschwiegnen Sterne leuchten
Und sein Haar bedeckt der Thau;
Und in Wonne wird sich feuchten
Deine Wange -- süße Frau!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Message", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Message", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Thuille: "er"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Julinacht [sung text not yet checked]

In der Luft, der schwülen feuchten,
Wogt das Feld, und [stürmend]1 ziehn
Windesrauschen, Wetterleuchten
Durch den dunklen Himmel hin.

Ferne hallt des Donners Dröhnen --
Und des Lebens ganze Kraft
Klingt aus diesen Wundertönen
Nachtumwölkter Leidenschaft!

Was der Tag an Sonnengluten
Aufgesogen, strömt hier aus --
In den Wolken, auf den Fluten,
In dies weite Grün hinaus!

Und inmitten all' des Webens
Trag' ich stumm die heiße Last,
Die du2, Sonne meines Lebens,
In dies Herz ergossen hast!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "July night", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit de Juillet", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Thuille: "stürmisch"
2 not in italics in the version of the poem published in 1908.

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Wie wundersam ist das Verlorengehn [sung text not yet checked]

Wie wundersam ist dies Verlorengeh'n
In Liebestiefen ohne Ziel [und]1 Schranken:
Die ganze Welt mit lichten Augen seh'n,
Im Sonnenschimmer klarer Freude geh'n,
Eins sein in einem [tiefen]2 Glücksgedanken!

Und wie im Leben auch die Stürme weh'n,
Da ist kein Zagen [und da]2 ist kein Schwanken:
Fest steht die Liebe, wie die Sterne steh'n -
Wie wundersam ist dies Verlorengeh'n
In Liebestiefen ohne Ziel [und]1 Schranken!

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1 Grimm: "noch"
2 omitted by Grimm.

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Aus den Nibelungen [sung text not yet checked]

So steht es im alten Liede,
Wo Siegfrieds Liebe loht:
"Es zwang sie zu einander
Der sehnenden Minne Noth."

So ist's auch uns ergangen:
Uns wurden die Wangen roth,
Uns wurden bleich die Wangen
In sehnender Minne Noth.

Wir werden auch verderben,
Denn Liebe ist stark, wie Tod --
Es zwang uns zu einander
Der sehnenden Minne Noth!

Authorship

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Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, page 27.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]