Sechs Orchesterlieder

Song Cycle by Arnold Franz Walter Schoenberg (1874 - 1951)

1. Natur [sung text checked 1 time]

Nacht fließt in Tag und Tag in Nacht,
Der Bach zum Strom, der Strom zum Meer -
In Tod zerrinnt des Lebens Pracht,
Und Tod zeugt Leben licht und hehr.

Und jeder Geist, der brünstig strebt,
Dringt wie ein Quell in alle Welt, --
Was du erlebst, hab' ich erlebt,
Was mich erhellt, hat dich erhellt.

All' sind wir eines Baums Getrieb,
Ob [Zweig, ob Ast]1, ob Mark, ob Blatt -
Gleich hat Natur uns Alle lieb,
Sie unser Aller Ruhestatt.

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  • ENG English (Emily Ezust) , copyright © 2014

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1 Schoenberg: "Ast, ob Zweig"

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2. Das Wappenschild [sung text checked 1 time]

Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde,
zeigt eure ganze Tyrannei, 
zerbrecht, zerschlagt so Zweig als Rinde
und werft den Hoffnungsbaum entzwei;
dies Hagelwetter 
trifft Stamm und Blätter,
die Wurzel bleibt, 
bis Sturm und Regen 
ihr Wüten legen,
daß sie von neuem grünt
und Äste treibt.
Mein Herz gibt keinem Diamanten,
mein Geist der Eiche wenig nach;
wenn Erd' und Himmel mich verbannten,
so trotz' ich doch dem Ungemach;
weicht, falsche Freunde,
schlagt, bitt're Feinde, 
mein Heldenmut
ist nicht zu dämpfen;
drum will ich kämpfen
und sehn, was die Geduld für Wunder tut.
Die Liebe schenkt aus goldnen Schalen
mir einen Wein zur Tapferkeit,
verspricht mir guten Sold zu zahlen 
und führt mich mutig in den Streit;
da will ich siegen,
hier will ich kriegen;
ein grünes Feld 
dient meinem Schilde
zum Wappenbilde,
allwo ein Palmenbaum zwei Anker hält.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Sehnsucht [sung text checked 1 time]

Schwer, langweilig ist mir mein Zeit,
Seit ich mich täte scheiden 
Von dir, mein Schatz und höchste Freud,
[Ich merk', daß ich]1 muß leiden;
[Ach]2 weh der Frist, 
Zu lang sie ist,
Wird mir zu lang in Schmerzen,
Daß ich oft klag:
Es scheint kein Tag,
[Der]3 wird gedacht im Herzen.

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1 B. Walter: "O wie ich dess"
2 B. Walter: "O"
3 Schoenberg: "Des" ; B. Walter: "Dess"

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4. Nie ward ich, Herrin, müd' [sung text checked 1 time]

Nie ward ich, Herrin müd', um Euch zu minnen, 
noch werd' ich's sein, weil ich am Leben bleibe;
vom eignen Haß nun doch ans Land ich treibe,
und kraftlos macht der Tränen endlos Rinnen.

Will lieber mir ein schön, weiß Grab gewinnen,
als daß zur Schmach man Euren Namen schreibe 
auf Marmor mir, trennt sich mein Geist vom Leibe,
der wohl nunmehr ihm länger wohnet innen.

Drum, kann ein Herz, in Lieb und Treu erfahren,
Euch, ohn' ihm Qualen zu bereiten, gnügen,
laßt diesem Euren Gnade widerfahren!

Meint Euer Zorn auf andre Art zu siegen, 
er irrt, und wird nie, was er denkt, gewahren;
das dank', o Lieb', ich mir und deinem Fügen!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Voll jener Süße [sung text checked 1 time]

Voll jener Süße, die, nicht auszudrücken,
Vom schonen Angesicht mein Aug' empfangen, 
Am Tag, wo lieber blind ich wär' gegangen
Um nimmer klein're Schönheit zu erblicken, 

Ließ ich, was mir das Liebst'; und mit Entzücken, 
Ist ganz in ihr des Geistes Blick [umfangen]1,
Der, was nicht sie ist, wie aus einer langen
Gewohnheit haßt und ansieht mit dem Rücken. 

In einem Tale, rings umher verschlossen,
Das meinen müden Seufzern Kühlung spendet,
Kam langsam, liebesinnend ich zur Stelle. 

Da sah ich Frauen nicht, doch Fels und Quelle, 
Und jenes Tages Bild, das unverdrossen
Mein Geist [sich]2 malt, wohin mein Blick sich wendet.

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1 Schoenberg: "befangen"
2 Schoenberg: "mir"

Researcher for this text: Alberto Pedrotti

6. Wenn Vöglein klagen [sung text checked 1 time]

Wenn Vöglein klagen und in grünen Zweigen 
mit lindem Säuseln Sommerlüftchen beben,
wenn dumpfen Murmelns lichte Wellen steigen
und um beblümte, frische Ufer weben,

sitz ich und schreib, in Liebe hingegeben,
und, die der Himmel uns geruht zu zeigen,
die Erde barg, seh ich dann noch am Leben
und fernher meinen Seufzern hold sich neigen.

"Warum ach! vor der Zeit dich so verbluten?"
spricht sie voll Mitleids. "Warum nur vergießen 
aus trüben Augen schmerzensvolle Fluten?

Nicht klag' um mich; ich starb, um zu genießen 
ein ewig Dasein, und in ewgen Gluten 
erschloß mein Aug' ich, da ich's schien zu schließen."

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Researcher for this text: Alberto Pedrotti
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