Hölderlin-Portrait

Song Cycle by Thomas Schubert (b. 1961)

Word count: 314

1. An die jungen Dichter  [sung text checked 1 time]

Lieben Brüder! es reift unsere Kunst vielleicht,
da, dem Jünglinge gleich, lange sie schon gegärt, 
bald zur Stille der Schönheit;
seid nur fromm, wie der Grieche es war! 

Liebt die Götter und denkt freundlich der Sterblichen!
Haßt den Rausch, wie den Frost! 
lehrt, und beschreibet nicht!
Wenn der Meister euch ängstigt, 
fragt die große Natur um Rat! 

Authorship

Researcher for this text: Maria Nimmerfall

2. Sokrates und Alcibiades [sung text checked 1 time]

"Warum huldigest du, heiliger Sokrates,
  Diesem Jünglinge stets? [Kennest]1 du Größers nicht,
    Warum siehet mit Liebe,
      Wie auf Götter, dein Aug' auf ihn?"

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,
  Hohe Tugend versteht, wer in die Welt geblickt,
    Und es neigen die Weisen
      Oft am Ende zu Schönem sich.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Sòcrates i Alcibíades", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Socrates and Alcibiades", copyright ©
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Socrate et Alcibiade ", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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1 Britten: "Kennst"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. An die Parzen [sung text checked 1 time]

Nur einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen!
  Und einen Herbst zu reifem Gesange mir,
    Daß williger mein Herz, vom süßen
      [Spiele]1 gesättiget, dann mir sterbe!

Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht
  Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht;
    Doch ist mir einst das Heilge, das am
      Herzen mir liegt, das Gedicht gelungen:

Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt!
  Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel
    Mich nicht hinabgeleitet; einmal
      Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.

Authorship

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  • ENG English (Emily Ezust) , "To the Fates", copyright ©
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "To: the Fates", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Aux Parques", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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1 Reutter: "Spiel"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. An Zimmern [sung text checked 1 time]

Die Linien des Lebens sind verschieden,
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigen Lohn und Frieden.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Les línies de la vida", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , no title, copyright ©
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Les lignes de la vie", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Lebenslauf [sung text checked 1 time]

[Größers]1 wolltest auch du, aber die Liebe zwingt
  All uns nieder, das Leid [beuget]2 gewaltiger,
    Doch es kehret umsonst nicht
      Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab ! herrschet in heiliger Nacht,
  Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
    Herrscht im schiefesten Orkus
      Nicht ein Grades, ein Recht noch auch ?

Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich,
  Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
    Daß ich wüßte, mit Vorsicht
      Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
  Daß er, kräftig genährt, danken für alles lern,
    Und verstehe die Freiheit,
      Aufzubrechen, wohin er will.

Authorship

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1 Reutter: "Größeres"
2 Reutter: "beugt"

Researcher for this text: Harry Joelson