Lieder zum Lobe des Weines und irdischer Glückseligkeit. Ein Cyclus aus den Dichtungen des Mirza-Schaffy für Männerquartett (3--4 fach besetzt) mit Begleitung des Pianoforte

Song Cycle by Carl Reichelt

Word count: 648

1. Aus dem Feuerquell des Weines [sung text not yet checked]

Aus dem Feuerquell des Weines,
Aus dem Zaubergrund des Bechers
Sprudelt Gift und -- süße Labung,
Sprudelt Schönes und -- Gemeines:
Nach dem eignen Wert des Zechers,
Nach des Trinkenden Begabung!

In Gemeinheit tief versunken
Liegt der Tor, vom Rausch bemeistert;
Wenn er trinkt -- wird er betrunken,
Trinken wir -- sind wir begeistert!
Sprühen hohe Witzesfunken,
Reden wie mit Engelzungen,
Und von Glut sind wir durchdrungen,
Und von Schönheit sind wir trunken!

Denn es gleicht der Wein dem Regen,
Der im Schmutze selbst zu Schmutz wird,
Doch auf gutem Acker Segen
Bringt und jedermann zunutz wird!

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2. Die Weise guter Zecher ist [sung text not yet checked]

Die Weise guter Zecher ist
[In]1 früh und später Stunde,
Daß alter Wein im Becher ist
Und neuer Witz im Munde --
Denn wo man eins davon entbehrt,
Da ist das andre auch nichts wert --
Das eine steht zum andern.

Je mehr wir uns vertieft im Wein,
Je höher steigt der Geist uns --
Der Bart der Weisheit trieft von Wein,
Die ganze Welt umkreist uns,
Versunken ganz in Trunkenheit
Und trunken in Versunkenheit,
In Wein, Gesang und Liebe!

Die Weisen beim Pokale stehn
Hoch über der Gemeinheit,
Wie Berge überm Tale stehn
In himmelhoher Reinheit --
Die Berge färbt des Himmels Licht,
Uns widerstrahlt das Angesicht
Im Glanz der vollen Becher!

Sagt, was die Welt im Tausch uns gibt
Für unser lustig Leben!
Die Wonne, die ein Rausch uns gibt,
Wer mag uns Bess'res geben?
Nur eins kenn' ich, das schöner ist:
Wenn du, Hafisa, bei mir bist
Mit Küssen und mit Scherzen!

Und weil so kurz das Leben ist,
Muß stets der Weisen Ziel sein:
Des Glücks, das uns gegeben ist,
Kann nimmermehr zuviel sein!
Drum Kind, laß alle Skrupel sein
Und steig herab in unsre Reihn,
Wie ins Gebirg' die Sonne!

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , appears in Clair-obscur, first published 1954, copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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1 Bohn, Rubinstein: "Zu"; further changes may exist for Bohn's setting, not shown above.

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3. Jenem Tage zum Gedächtniss [sung text not yet checked]

Jenem Tage zum Gedächtnis
Sei ein langer Trunk gemacht,
Wo vom Bethaus in die Schenke
Ich den ersten Sprung gemacht!

War verdummt in blinder Demut,
War gealtert wie ein Greis --
Aber Wein, Gesang und Liebe
Hat mich wieder jung gemacht!

Trink, Mirza-Schaffy, berausche
Dich in Liebe, Sang und Wein!
Nur im Rausch sind deine Lieder
So voll Glut und Schwung gemacht!

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4. Wie die Nachtigallen [sung text not yet checked]

Wie die Nachtigallen an den Rosen nippen,
-- Sie sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Netzen wir am Weine unsre Lippen,

-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Wie die Meereswellen an den Felsenklippen,
-- Wenn das sturmbewegte Meer in Wut ist --
Breche schäumend sich der Wein an unsern Lippen,

-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Wie ein Geisterkönig, ohne Fleisch und Rippen,
-- Weil sein Wesen eitel Duft und Glut ist, --
Zieh' er siegreich ein durchs Rosentor der Lippen,
-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist. --

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5. O selig wem von Urbeginn [sung text not yet checked]

O selig, wem von Urbeginn
Im Schicksalsbuch geschrieben ist,
Daß er bestimmt zu leichtem Sinn,
Zum Trinken und zum Leben ist!

Der Zorn des Bonzen stört ihn nicht,
Moscheenduft betört ihn nicht,
Ob er allein -- beim Becher Wein,
Ob er beim Lieb geblieben ist!

Solch Los ist dein, Mirza-Schaffy!
Genieß es ganz und klage nie!
Denk beim Pokal -- daß stets die Zahl
Der Wochentage sieben ist!

Am ersten Tag beginnt der Lauf
Und erst am letzten hört er auf --
Wie's kommt, so geht's -- bedenke stets
Daß Glück nicht aufzuschieben ist!

Ein leichter Sinn, ein frohes Lied
Ist alles, was dir Gott beschied;
Drum laß den Wahn -- verfolg die Bahn,
Auf die dein Fuß getrieben ist!

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6. Verbittre dir das junge Leben nicht [sung text not yet checked]

Verbittre dir das junge Leben nicht,
Verschmähe, was dir Gott gegeben, nicht!

Verschließ dein Herz der Liebe Offenbarung
Und deinen Mund dem Trank der Reben nicht!

Sieh, schönern Doppellohn, als Wein und Liebe,
Beut dir die Erde für dein Streben nicht!

Drum ehre sie als deine Erdengötter,
Und andern huldige daneben nicht!

Die Toren, die bis zu dem Jenseits schmachten,
Sie lassen leben, doch sie leben nicht!

Der Mufti mag mit Höll' und Teufel drohen,
Die Weisen hören das und beben nicht!

Der Mufti glaubt, er wisse alles besser,
Mirza-Schaffy glaubt das nun eben nicht!

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