Deutsches Leben. Elf Gedichte aus Stieler's "Hochland Lieder" für 1 Singstimme mit Pianoforte

Song Cycle by František Pivoda (1824 - 1898)

Word count: 994

1. Hinzula [sung text not yet checked]

Ich bin des Klosters Waidgesell 
Und trag ein Wamms von Wolfenfell 
Zieh über Berg' den Hirschen nach, 
Da steht ein Hüttlein ob dem Bach 
  Mit braunem Dach --
  Hinzula von der Alben! 

Sie ist des Klosters eigen -- nein,
Mein eigen will die Traute sein,
Da rast' ich gern von dem Gejaid 
Wohl eine liebe lange Zeit. 
  Viel holde Maid --
  Hinzula von der Alben! 

Ihr Mund ist roth, ihr Hals ist weiß,
Sie blühet wie ein blühend Reis,
Sie ist so froh wie die Vögelein,
Sie ist so süß wie die Blümelein.
  Und sie ist mein --
  Hinzula von der Alben! 

Von Sunnwend bis Sankt Jakobstag 
Zieh' ich zu Berg durch Holz und Hag.
Sie fragen: Wo mag der Schalk wohl sein? 
Bei Bären und Wolfen? O nein, o nein! 
  Du weißt's allein -- 
  Hinzula von der Alben!

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2. Frauenchiemsee  [sung text not yet checked]

[Die Wälder ruh'n, die Berge blauen]1,
Es spielt der Wind auf weiter Fluth, 
Da sitzt im Söller Unserer Frauen 
  Frau Irmintrud.

Sie spricht: "Mein Herz ist jung an Jahren,
Noch ist mein Mund der Minne hold --
Mein Vater ist mit dem Kaiser gefahren 
  Um Ehr und Sold."

"Mein' Mutter rastet im kühlen Sande,
Und meines liebsten Treu und Stät',
Die hat schon lang im fremden Lande
  Der Wind verweht."

Es rauschen die Linden in leisem Schauer, 
Es wirft der Wind die Blüthen herein,
Die Schwalbe schwirrt um die hohe Mauer -- 
  "Ich bin allein!"

Frau Irmintrud mit den goldnen Haaren,
Frau Irmintrud mit dem süßen Blick! 
Sie spricht: "So schau ich hinaus seit Jahren...
  Und wart' auf Glück!"

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1 Brauer: "Der Morgen lacht, die Wälder blauen"; further changes may exist not shown above.

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3. Vale [sung text not yet checked]

[Ich bin der Mönch Waltramus]1,
Dem seliges Leid geschah, 
Ich läute die Abendglocken: 
  Vale carissima! 

Es steht eine Burg am Berge,
Wo ich die Traute sah, 
Mein Herz klingt in die Glocken:
  Vale carissima!

Fern soll mir stehen Minne,
Und stand mir doch so nah!
[Es steht ein Kloster im Tale]2,
  Vale carissima!

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Confirmed with Karl Stieler, Gesammelte Werke, Zweiter Band: Gesammelte Dichtungen (hochdeutsch), Verlag von Adolf Bonz & Comp., Stuttgart, 1908, page 74.

1 Attenhofer, Röthig: "Es war ein Mönch Waldramus"; Klein: "Es war ein Mönch Waltramus"; further changes may exist not shown above.
2 omitted by Marx.

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4. Sonnige Stunden [sung text not yet checked]

Ich sitz allein 
Beim goldenen Wein,
Der glitzert so klar in der hellen Schale.
Um mein Gesicht 
Strömt Sonnenlicht, 
Das spielt um die Bogen im Klostersaale.

Ich träumte mich fort --
Ich war wieder dort,
Wo die Heimath grünt und die Bergeshalde.
Im wachen Traum 
Unter rauschendem Baum 
Ruh' ich wie einst im Odenwalde.

Ich reit' in die Schlacht,
Der Eisenhelm kracht,
Es stürzen vom Hengst die Ritter und Grafen --
Ihr Aug' zuckt wild,
Auf dem ehernen Schild 
Seh' ich den ewigen Schlaf sie schlafen. 

Ein Söller glänzt,
Von Reben bekränzt,
Da sitzt eine minnige Maid am Rocken.
Ihr Aug ist rein,
Und ihr Herz ist mein.
Ich schmiege die Hände um ihre Locken! 

Meine Wimper sank 
Wie ein Zaubertrank 
So war der Trunk aus glitzernder Schaale.
Mein Herz gieng auf,
Es stieg herauf...
Als wollt' es sich sonnen im Sonnenstrahle! 

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5. Fahrend Volk [sung text not yet checked]

Daß ich so lieb die Freiheit hab',
Das ist mein Leid im Leben! 
Möcht' Alles, was mir mein' Mutter gab,
Um Freiheit von hinnen geben.

Denk' oft, wenn ich ein Hirt nur wär' 
Auf grüner sonniger Waide, 
Ich zög' mit den Winden hin und her 
Über die wogende Haide! 

Denk' oft, wenn ich ein Landsknecht wär', 
Das Wamms und die Seele offen,
Im wälschen Land, im deutschen Heer,
Heut selig, morgen getroffen! 

Dann aber möcht' ich ein Spielmann sein 
Und ziehen durch alle Gauen,
Zum Burgthor hinaus, zum Burgthor hinein --
Im Söller lauschen die Frauen.

Möcht' Alles, was mir mein' Mutter gab,
Um Freiheit von hinnen geben.
Daß ich so lieb die Freiheit hab',
Das ist mein Leid im Leben! 

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6. Gefangen [sung text not yet checked]

Wie mag ich wohl die Maienzeit 
Verbringen ohne Minn' und Maid? 
  Deß ist mir leid!

Wie soll ich wohl den Sommer lang
Verbringen ohne Blum' und Sang?
  Deß ist mir bang!

Wie soll mir doch des Herbstes Schein
Verscheinen ohne goldnen Wein?
  Deß heg ich Pein!

So ist mir's Winter immerdar,
Und wird wohl auch bald weiß mein Haar,
  Das red' ich wahr!

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7. Vor Accon [sung text not yet checked]

Da lieg' ich im fremden Land,
So wund seit Wochen,
Und über mein Leben ist 
Der Spruch gesprochen.

Ich hab' mein Aug entwöhnt 
Vom Sonnenglanze,
Und meine Hand entwöhnt
Von Schwert und Lanze.

Ich hab' mein Herz gelöst
Von Weib und Kinden,
Hab' meiner Thaten gedacht 
Und meiner Sünden! 

So grüß' ich euch tausendmal 
Am Scheidewege -- 
O, wär' es deutsches Land,
Darin ich läge!

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8. Letzter Odem [sung text not yet checked]

Alle sind zur Ruh' gegangen,
Und die Wimpern schließ ich zu,
Wimpern, drin die Thränen hangen,
Sterben -- o wie schwer bist du!

Stirn und Wangen fühl' ich beben,
Fieberbleich und sieberroth --
O, wie selig ist das leben!
O, wie bitter ist der Tod!! 

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9. Im Thurme [sung text not yet checked]

Seit Monden wohl, seit langen, 
Gretlin, gedenk ich dein,
Nun hab' ich dich gefangen,
Gretlin, nun bist du mein!

Es ging vor deinen Handen 
Mein Herz ohn' Schlüßlein auf! 
Lug' aus nach allen Landen
Bergunter und bergauf:

Hier herrsch' ich über die Erden 
In Sonnenschein und Sturm --
Magst du mein Schwälblein werden 
Und nisten auf meinem Thurm?

Mein Haus ist hoch erhaben,
Mein Werk ist hoch gestellt --
Und lieber kunnt' keiner haben 
Dich drunten in der Welt. 

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10. Junges Nest  [sung text not yet checked]

Im Sommer, da gibt's Erntezeit! 
Heut sind wir noch zu Zweien,
Doch wenn man die goldenen Ähren schneid't,
Derweil sind wir zu Dreien! 

Der's so gelenkt, der's so gelegt,
Wird's fröhlich weiter lenken --
Wer mags, daß er gern Röslein trägt,
Dem Rosenstrauch verdenken!?

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11. Vor der Wiege [sung text not yet checked]

An deiner kleinen Wiege steh' ich 
Und horche, wie sich's drinnen regt,
In deine kleinen Züge seh' ich
Und lausche, wie dein Herze schlägt.

Wird es im Sturm, wird es im Frieden,
Durch dies bewegte Leben gehn? 
Das Schicksal, das dir einst beschieden,
Kein Blick der Liebe kann es sehn.

Und dennoch will ich fest vertrauen,
Denn Eines gab dir das Geschick:
Schon deine Kinderaugen schauen
Hinein in helles, volles Glück.

Nie fühlt' ich so mit tiefster Wonne 
Das selige Beisammensein,
Und dies Gefühl ist deine Sonne,
Und dieser Segen ist auch dein.

Der gute Engel, der vor Jahren 
Die Arme schützend schlang um mich,
Er wird auch dich dem Heil bewahren,
Sein Mutterauge hütet dich.

An deiner kleinen Wiege steh' ich
Und horche, wie sich's drinnen regt,
In deine kleinen Züge seh' ich 
Und lausche, wie dein Herze schlägt. 

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