German (Deutsch) translations of Sechs deutsche Lieder, opus 22
by Moritz Hauptmann (1792 - 1868)
Komm heraus, Trit aus dem Haus! Wie der Vollmond aus der Nacht. Wie Rubinenglanz vom Schacht. Wie der Kerze stille Macht. Liebentfacht, O trit heraus! Komm heraus, Trit aus dem Haus! Wie ein Hauch aus Edens Thor, Wie ein Duft aus Blumenflor, Wie ein Freundesgruß zum Ohr, Komm hervor, O trit heraus! Komm heraus, Trit aus dem Haus! Wie die Rose knospt am Strauch, Wenn der Ost sie lockt nach Brauch; Lockt dich nicht mein Seufzerhauch? Zeig' dich auch, O trit heraus! Komm heraus, Trit aus dem Haus! Wie die Thräue mit Begier Tritt in meine Augen hier Und entgegen schauet dir, Zeig' dich ihr, O trit heraus! Komm heraus, Trit aus dem Haus! O Zipress' im Ruhgemach, Gehst du nicht den Quellen nach? Hier in Thränen fließ' ich, ach. Komm zum Bach, O komm heraus!
Text Authorship:
- by Friedrich Rückert (1788 - 1866), "Komm heraus!", appears in Wanderung, in 4. Vierter Bezirk. Östliche Rosen
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Wenn ich in deine Augen [seh']1, So schwindet [all' mein Leid]2 und Weh; Doch wenn ich küße deinen Mund, So werd' ich ganz und gar gesund. Wenn ich mich lehn' an deine Brust, Kommt's über mich wie Himmelslust; Doch wenn du sprichst: ich liebe dich! [So]3 muß ich weinen bitterlich.
Text Authorship:
- by Heinrich Heine (1797 - 1856), no title, appears in Buch der Lieder, in Lyrisches Intermezzo, no. 4
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View original text (without footnotes)Confirmed with Heinrich Heine, Buch der Lieder, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827, page 114.
1 Hensel: "sehe"2 Franz, Dresel: "alles Leid"
3 Wolf: "Dann"
Du siehst nicht, wer hier steht, Du fragst nicht, wie's mir geht; Schlimm geht mir's, Gott sei Dank und dir. Es könnte wohl ein Blick Verbessern mein Geschick; Du hast für mich wohl keinen hier? Und fragst du, was mir fehlt? Es sei dir nicht verhehlt: Es ist die alte Krankheit noch. Du wolltest nie und nun Mir Arzt zu sein geruhn, Und keinen andern mag ich doch. O leg' ein gutes Wort Für mich an einem Ort, Bei deinem Herzen leg' es ein! Du sprichst: Ich thät es gern, Doch wollen solche Herrn Nicht immer überlaufen sein. O sieh! die Thränen gehn, Und wollen ab nicht stehn Zu klopfen an der Gnade Thor. Ob's auch von drinnen spricht: Der Pförtner öffne nicht! Die alten Bettler stehn davor.
Text Authorship:
- by Friedrich Rückert (1788 - 1866), "Bettlerei", appears in Wanderung, in 4. Vierter Bezirk. Östliche Rosen
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Confirmed with Friedrich Rückert, Gesammelte poetische Werke, Fünfter Band. Neue Ausgabe, Frankfurt am Main: Sauerl&aauml;nder, 1882, pages 332-333.
Noch ahnt man kaum der Sonne Licht, Noch sind die Morgenglocken nicht Im finstern Tal erklungen. Wie still des Waldes weiter Raum! Die Vöglein zwitschern nur im Traum, Kein Sang hat sich erschwungen. Ich hab' mich längst ins Feld gemacht, Und habe schon dies Lied erdacht, Und hab' es laut gesungen
Text Authorship:
- by Johann Ludwig Uhland (1787 - 1862), "Morgenlied", appears in Lieder, in Wanderlieder, no. 4, first published 1815
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Füllest wieder Busch und Thal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz; Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Über mein Geschick. Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh- und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud' und Schmerz In der Einsamkeit. Fließe, fließe, lieber Fluß! Nimmer werd' ich froh, So verrauschte Scherz und Kuß, Und die Treue so. Ich besaß es doch einmal, Was so köstlich ist! Daß man doch zu seiner Qual Nimmer es vergißt! Rausche, Fluß, das Thal entlang, Ohne Rast [und]1 Ruh, Rausche, flüstre meinem Sang Melodien zu, Wenn du in der Winternacht Wüthend überschwillst, Oder um die Frühlingspracht Junger Knospen quillst. Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt, Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.
Text Authorship:
- by Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), "An den Mond", written 1777, first published 1789
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View original text (without footnotes)Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung, 1827, pages 111-112; and with Goethe's Schriften, Achter Band, Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1789, pages 153-154.
Note: The initial version of this poem, sent to Charlotte von Stein in March 1778, has not been published by Goethe (see below).
1 Schubert (D.296 only): "und ohne"Verfließet, vielgeliebte Lieder, Zum Meere der Vergessenheit! Kein [Knabe]1 sing' entzückt euch wieder, Kein [Mädchen]2 in der Blütenzeit. Ihr sanget nur [von]3 meiner Lieben; Nun spricht sie meiner Treue Hohn. Ihr wart ins Wasser eingeschrieben; So fließt denn auch mit ihm davon.
Text Authorship:
- by Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), "Am Flusse", written 1768-9, first published 1799
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View original text (without footnotes)Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, page 68, and with Musen-Almanach für das Jahr 1799, herausgegeben von Schiller. Tübingen, in der J.G.Cottaischen Buchhandlung, page 231.
First published 1799 in Schiller's Musen-Almanach with the title "An meine Lieder" and with "Justus Amman" as the author's name.
1 Goethe's first edition: "Mädchen"2 Goethe's first edition: "Jüngling"
3 Goethe's first edition: "zu"