by Nikolaus Lenau (1802 - 1850)

Herbstentschluß
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG FRE
Trübe Wolken, Herbstesluft,
Einsam wandl' ich meine Straßen,
Welkes Laub, kein Vogel ruft --
Ach, wie stille! wie verlassen!

Todeskühl der Winter naht;
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat
Goldne Wellen sind verronnen!

Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
Durch die öden Haine weht
Heimweh; -- Alles flieht und scheidet.

Herz, vernimmst du diesen Klang
Von den felsentstürzten Bächen?
Zeit gewesen wär' es lang,
Daß wir ernsthaft uns besprechen!

Herz, du hast dir selber oft
Wehgethan, und hast es Andern,
Weil du hast geliebt, gehofft;
Nun ist's aus, wir müssen wandern!

Auf die Reise will ich fest
Ein dich schließen und verwahren,
Draußen mag ein linder West,
Oder Sturm vorüberfahren;

Daß wir unsern letzten Gang
Schweigsam wandeln und alleine,
Daß auf unsern Grabeshang
Niemand als der Regen weine!

Confirmed with Gedichte von Nicolaus Lenau, Vierte Auflage (Fourth Edition), Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta'scher Verlag, 1840, pages 98-99.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "Autumn decision", copyright © 2019
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Résolution d'automne", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website between May 1995 and September 2003.
Last modified: 2019-08-15 21:17:50
Line count: 28
Word count: 134