Elegie: Liederfolge nach Gedichten von Nikolaus Lenau und Joseph von Eichendorff

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Word count: 1784

1. Wehmut [sung text checked 1 time]

Ich kann wohl manchmal singen,
Als ob ich fröhlich sei,
Doch heimlich Tränen dringen,
Da wird das Herz mir frei.

[Es]1 lassen Nachtigallen,
Spielt draußen Frühlingsluft,
Der Sehnsucht Lied erschallen
Aus ihres [Kerkers]2 Gruft.

[Da]3 lauschen alle Herzen,
Und alles ist erfreut,
Doch keiner [fühlt]3 die Schmerzen,
Im Lied das tiefe Leid.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Weemoed", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , no title, copyright ©
  • ENG English [singable] (Shula Keller) , "Melancholy", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Parfois je peux bien chanter", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • HEB Hebrew (עברית) (Max Mader) , "עצבות", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Malinconia", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Vemod", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Elke Beatriz Riedel) , "Melancolia", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Diego S. Loyola) , "Melancolía", copyright © 2003, (re)printed on this website with kind permission

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1 Blodek, Hensel, Schoeck, Széchényi: "So"
2 Blodek, Schoeck, Széchényi: "Käfigs"
3 Hensel: "Es"
4 Hensel: "ahnt"

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2. Liebesfrühling [sung text checked 1 time]

Ich sah den Lenz einmal
[Erblühn]1 im schönsten Tal;
Ich sah der Liebe Licht
Im schönsten Angesicht.

Und wandl' ich nun allein
Im Frühling durch den Hain,
Erscheint aus jedem Strauch
Ihr Angesicht mir auch.

Und seh ich sie am Ort
Wo längst der Frühling fort,
So sprießt ein Lenz und schallt
Um ihre süße Gestalt.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Love's Spring", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Printemps de l'amour", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Gänsbacher, Krinninger: "Erwacht"; further changes may exist not shown above for Krinninger.

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3. Stille Sicherheit [sung text checked 1 time]

Horch, wie still es wird im [dunkeln]1 Hain,
Mädchen, wir sind sicher und allein.

Still versäuselt hier am Wiesenhang
Schon der Abendglocke müder Klang.

Auf den Blumen, die sich dir verneigt,
Schlief das letzte Lüftchen ein und schweigt.

Sagen darf ich dir, wir sind allein,
Daß mein Herz ist ewig, ewig dein.

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  • ENG English (Melissa Malde) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Tranquille certitude", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Schoeck, Wolf: "dunklen"

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4. Frage nicht [sung text checked 1 time]

Wie sehr ich dein, soll ich dir sagen?
Ich weiß es nicht und will nicht fragen:
Mein Herz behalte seine Kunde,
Wie tief es dein im Grunde.

O still! ich möchte sonst erschrecken,
Könnt' ich die Stelle nicht entdecken,
Die unzerstört für Gott verbliebe
Beim Tode deiner Liebe.

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  • ENG English (Emily Ezust) , copyright © 2015
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Ne demande pas", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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5. Warnung und Wunsch [sung text checked 1 time]

Lebe nicht so [schnell]1 und stürmisch;
Sieh den holden Frühling prangen,
Höre seine Wonnelieder;
Ach, wie bleich sind deine Wangen!

Welkt die Rose, kehrt sie wieder;
Mit den lauen Frühlingswinden
Kehren auch die Nachtigallen;
Werden sie dich wiederfinden? -

Könnt' ich leben also innig,
Feurig, rasch und ungebunden,
Wie das Leben jenes Blitzes,
Der dort im Gebirg verschwunden!

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1 Hornstein: "rasch"; other changes may exist, not noted

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6. Zweifelnder Wunsch [sung text checked 1 time]

Wenn Worte dir vom Rosenmunde wehen,
Bist du so schön! - gesenkten Angesichts
Und still, bist du so schön! - was soll ich flehen:
O rede mir!? o sage nichts!?

Drum laß mich zwischen beiden Himmeln schwanken,
Halb schweigend, sprechend halb, beglücke mich
Und flüstre mir, wie heimlich in Gedanken,
Das süße Wort: Ich liebe dich!

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7. Waldlied [sung text checked 1 time]

Durch den Hain mit bangem Stoße
Die Gewitterlüfte streichen;
Tropfen sinken, schwere große,
Auf die Blätter dieser Eichen.

An ein banges Herzensklopfen
Mahnt mich dieser Bäume Schwanken,
Mahnt mich an Gewittertropfen,
Die aus lieben Augen sanken.

Muß ein großer Schmerz in Zähren 
Sich entlasten unaufhaltsam,
Stürzen ihm die großen, schweren
Tropfen plötzlich und gewaltsam.

War die Träne noch zu fassen,
Kam sie nicht hervorgebrochen,
Doch der Schmerz will sie nicht lassen,
Will sie heißer, herber kochen.

O! es waren heiße, herbe,
Die aus ihren Augen quollen;
Und ich werde, bis ich sterbe,
Sehen diese Tränen rollen.

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8. Waldgang [sung text checked 1 time]

Ich ging an deiner Seite
In einem Buchenhaine;
Ein störendes Geleite
Ließ nimmer uns alleine.

Und mußten wir zurücke
Ins Herz die Worte pressen,
Uns sagten unsre Blicke,
Daß wir uns nicht vergessen.

Und sehn wir uns nicht wieder
In diesem Erdenleben,
Dich werden meine Lieder
Verherrlichend umschweben.

Das Bächlein trieb hinunter
Der Wellen rasche Tänze,
Und rauschend flocht und bunter
Der Herbst der Wehmut Kränze.

Doch aus des Walds Verdüstern,
Den Stimmen des Vergehens,
Hört' ich die Hoffnung flüstern
Des ew'gen Wiedersehens.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Promenade sylvestre", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Neuere Gedichte von Nicolaus Lenau, Stuttgart, Hallberger'sche Verlagshandlung, 1838, page 262.


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9. An den Wind [sung text checked 1 time]

Ich wandre fort [ins ferne]1 Land,
Noch einmal blickt' ich um, bewegt,
Und sah, wie sie den Mund geregt,
Und wie gewinket ihre Hand.

Wohl rief sie noch ein freundlich Wort
Mir nach auf meinem trüben Gang,
Doch hört' ich nicht den liebsten Klang,
Weil ihn der Wind getragen fort.

Daß ich mein Glück verlassen muß,
Du rauher, kalter Windeshauch,
Ist's nicht genug, daß du mir auch
Entreißest ihren letzten Gruß?

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "To the wind", copyright © 2004
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Au vent", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Mendelssohn: "in fernes"

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10. Kommen und Scheiden [sung text checked 1 time]

So oft sie kam, erschien mir die Gestalt
So lieblich wie das erste Grün im Wald.

Und was sie sprach, drang mir zum Herzen ein
Süß wie des Frühlings erstes Lied [im Hain]1.

Und als Lebwohl sie winkte mit der Hand,
War's, ob der letzte Jugendtraum mir schwand.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Komen en weggaan", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Arrival and Parting", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Venir et se séparer", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Incontro e separazione", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Elisa Rapado) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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1 omitted by Schumann.

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11. Vesper [sung text checked 1 time]

Die Abendglocken [klangen]1
Schon durch das stille Tal,
Da saßen wir zusammen
Da droben wohl hundertmal.

Und unten war's so stille
Im Lande weit und breit,
Nur über uns die Linde
Rauscht' durch die Einsamkeit.

Was gehn die Glocken heute,
Als ob ich weinen müßt'?
Die Glocken, die bedeuten
Daß mein Lieb gestorben ist!

Ich wollt' ich läg begraben,
Und über mir rauschte weit
Die Linde jeden Abend
Von [der alten, schönen]2 Zeit.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Vesper", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Spohr: "tönen"; further changes may exist not shown above.
2 Thelen: "alter und schöner"

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12. Herbstklage [sung text checked 1 time]

Holder Lenz, du bist dahin!
Nirgends, nirgends darfst du bleiben!
Wo ich sah dein frohes Blühn,
Braust des Herbstes banges Treiben.

Wie der Wind so traurig fuhr
Durch [den Strauch]1, als ob er weine;
Sterbeseufzer der Natur
Schauern durch die welken Haine.

Wieder ist, wie bald! wie bald!
Mir ein Jahr dahingeschwunden.
Fragend rauscht es aus dem Wald:
"Hat dein Herz sein Glück gefunden?"

Waldesrauschen, wunderbar
Hast du mir das Herz getroffen!
Treulich bringt ein jedes Jahr
[Welkes Laub und welkes]2 Hoffen.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Cançó de tardor", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Autumn lament/song", copyright © 2004
  • ENG English (Walter A. Aue) , "Lovely Spring, you left so soon!", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Plainte d'automne", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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1 Schoeck: "die Straßen" (streets)
2 Mendelssohn: "neues Laub wie neues" (new leaves like new)

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13. Herbstgefühl [sung text checked 1 time]

Mürrisch braust der Eichenwald,
Aller Himmel ist umzogen,
Und dem Wandrer, rauh und kalt,
Kommt der Herbstwind nachgeflogen.

Wie der Wind zu Herbsteszeit
Mordend hinsaust in den Wäldern,
Weht mir die Vergangenheit
Von des Glückes Stoppelfeldern.

An den Bäumen, welk und matt,
Schwebt des Laubes letzte Neige,
Niedertaumelt Blatt auf Blatt
Und verhüllt die Waldessteige;

Immer dichter fällt es, will
Mir den Reisepfad verderben,
Daß ich lieber halte still,
Gleich am Orte hier zu sterben.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Neuere Gedichte von Nicolaus Lenau, Stuttgart, Hallberger'sche Verlagshandlung, 1838, page 89.


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14. Nachklang [sung text checked 1 time]

  Schon kehren die Vögel wieder ein,
Es schallen die alten Lieder,
Ach, die fröhliche Jugend mein,
Kommt die wohl auch noch wieder?

  Ich weiß nicht, was ich so thöricht bin!
Wolken im Herbstwind jagen,
Die Vögel ziehn über die [Wälder]1 hin,
Das klang wie in Frühlingstagen.

  Dort auf dem Berg, da steht ein Baum,
Drin jubeln die Wandergäste,
Er aber, müde, rührt wie im Traum
Noch einmal Wipfel und Äste.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichedorffs sämtliche poetische Werke, Dritte Auflage, Erster Band. Gedichte, Leipzig: C.F. Amelang’s Verlag, 1883, pages 238-239.

1 Schoeck: “Felder”

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

15. Herbstgefühl [sung text checked 1 time]

Der Buchenwald ist herbstlich schon gerötet,
So wie ein Kranker, der sich neigt zum Sterben,
Wenn flüchtig noch sich seine Wangen färben;
Doch Rosen sind's wobei kein Lied mehr flötet.

Das Bächlein zieht und rieselt, kaum zu hören,
Das Tal hinab, und seine Wellen gleiten,
Wie durch das Sterbgemach die Freunde gleiten,
Den letzten Traum des Lebens nicht zu stören.

Ein trüber Wandrer findet hier Genossen;
Es ist Natur, der auch die Freuden schwanden,
Mit seiner ganzen Schwermut einverstanden,
Er ist in ihre Klagen eingeschlossen.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Autumnal feeling", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Impression d'automne", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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16. Das Mondlicht [sung text checked 1 time]

Dein gedenkend irr' ich einsam
Diesen Strom entlang;
Könntend lauschen wir gemeinsam
Seinem Wellenklang.

Könnten wir zusammen schauen
In den Mond empor,
Der da drüben aus den Auen
Leise taucht hervor.

Freundlich streut er meinem Blicke
Aus dem Silberschein
Stromhinüber eine Brücke
Bis zum stillen Hain. -

Wo des Stromes frohe Wellen
Durch den Schimmer zieh'n,
Seh' ich, wie hinab die schnellen
Unaufhaltsam fliehn.

Aber wo im schimmerlosen
Dunkel geht die Flut,
Ist sie nur ein dumpfes Tosen,
Das dem Auge ruht. -

Daß doch mein Geschick mir brächte
Einen Blick von dir!
Süßes Mondlicht meiner Nächte,
Mädchen, bist du mir!

Wenn nach dir ich oft vergebens
In die Nacht geseh'n,
Scheint der dunkle Strom des Lebens
Trauernd stillzustehn.

Wenn du über seine Wogen
Strahlest zauberhell,
Seh' ich sie dahingezogen,
Ach! nur allzuschnell.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le clair de lune", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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17. Vergangenheit [sung text checked 1 time]

Hesperus, der blasse Funken,
Blinkt und winkt uns traurig zu.
Wieder ist ein Tag gesunken
In die stille Todesruh';

Leichte Abendwölkchen schweben
Hin im sanften Mondesglanz,
Und aus bleichen Rosen weben
Sie dem toten Tag den Kranz.

Friedhof der entschlaf'nen Tage,
Schweigende Vergangenheit!
Du begräbst des Herzens Klage,
Ach, und seine Seligkeit!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Passé", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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18. Waldlied [sung text checked 1 time]

Die Vögel fliehn geschwind
Zum Nest im Wetterhauche,
Doch schleudert sie der Wind
Weitab von ihrem Strauche.

Das Wild mit banger Hast
Ist ins Gebüsch verkrochen;
Manch grüner frischer Ast
Stürzt nieder, sturmgebrochen.

Das Heer der Wolken schweift
Mit roten Blitzesfahnen,
Aufspielend wirbelt, pfeift
Die Bande von Orkanen.

Das Bächlein, sonst so milde,
Ist ausser sich geraten,
Springt auf an Bäumen wild,
Verwüstend in die Saaten.

Der Donner bricht herein,
Es kracht die Welt in Wettern,
Als wollt' am Felsgestein
Der Himmel sich zerschmettern.

Der Regen braust; nun schwand
Das Tal in seiner Dichte;
Verpfählt hat er das Land
Vor meinem Augenlichte.

Doch mir im Herzensgrund
Ist Heiterkeit und Stille;
Mir wächst in solcher Stund
Und härtet sich der Wille.

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19. Herbstentschluß [sung text checked 1 time]

Trübe Wolken, Herbstesluft,
Einsam wandl' ich meine Straßen,
Welkes Laub, kein Vogel ruft --
Ach, wie stille! wie verlassen!

Todeskühl der Winter naht;
Wo sind, Wälder, eure Wonnen?
Fluren, eurer vollen Saat
Goldne Wellen sind verronnen!

Es ist worden kühl und spät,
Nebel auf der Wiese weidet,
Durch die öden Haine weht
Heimweh; -- Alles flieht und scheidet.

Herz, vernimmst du diesen Klang
Von den felsentstürzten Bächen?
Zeit gewesen wär' es lang,
Daß wir ernsthaft uns besprechen!

Herz, du hast dir selber oft
Wehgethan, und hast es Andern,
Weil du hast geliebt, gehofft;
Nun ist's aus, wir müssen wandern!

Auf die Reise will ich fest
Ein dich schließen und verwahren,
Draußen mag ein linder West,
Oder Sturm vorüberfahren;

Daß wir unsern letzten Gang
Schweigsam wandeln und alleine,
Daß auf unsern Grabeshang
Niemand als der Regen weine!

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Autumn decision", copyright © 2019
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Résolution d'automne", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Gedichte von Nicolaus Lenau, Vierte Auflage (Fourth Edition), Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta'scher Verlag, 1840, pages 98-99.


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20. Verlorenes Glück [sung text not yet checked]

Die Bäume rauschen hier noch immer,
Doch sind's dieselben Blätter nimmer,
Wie einst in jener Sommernacht.
Wohin, du rauhes Erdenwetter,
Hast du die damals grünen Blätter,
Wohin hast du mein Glück gebracht?

Sie schritt mit mir durch diese Bäume,
Ihr gleicht kein Bild beglückter Träume,
So schön und doch so treu und klar;
Das Mondlicht ruht' auf ihren Wangen,
Und ihre süßen Worte klangen:
"Dich werd' ich lieben immerdar!"

Je tiefer mit den Räuberkrallen
Der Tod ins Leben mir gefallen,
Je tiefer schloß ins Herz ich ein
Den Schatz der Lieb', dem Tode wehrend;
Doch bricht der Räuber, allbegehrend,
Zuletzt nicht auch den letzten Schrein?

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21. Angedenken [sung text checked 1 time]

Berg' und Täler wieder fingen
Ringsumher zu blühen an,
Aus dem Walde hört' ich singen
Einen lust'gen Jägersmann.

Und die Tränen drangen leise:
So einst blüht' es weit und breit,
Als mein Lieb dieselbe Weise
Mich gelehrt vor langer Zeit.

Ach, ein solches Angedenken
'S ist nur eitel Klang und Luft,
Und kann schimmernd doch versenken
Rings in Tränen Tal und Kluft!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Souvenir", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff, Gedichte, Berlin, Verlag von M. Simion, 1841, page 326.


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22. Welke Rose [sung text checked 1 time]

In einem Buche blätternd, fand 
Ich eine Rose, welk, zerdrückt,
Und weiß auch nicht mehr, wessen Hand
Sie einst für mich gepflücket.

Ach, mehr und mehr im Abendhauch
Verweht Erinnerung; bald zerstiebt
Mein Erdenlos, dann weiß ich auch
Nicht mehr, wer mich geliebt.

Authorship

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  • ENG English (Emily Ezust) , copyright © 2015
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Nicolaus Lenau, Sämmliche Gedichte, herausgegeben von Anastasius Grün, zweiter Band, Stuttgart und Augsburg, J. G. Cotta Verlag, 1855, page 257.


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23. Dichterlos [sung text checked 1 time]

Für alle muß vor Freuden
Mein treues Herze glühn,
Für alle muß ich leiden,
Für alle muß ich blühn,
Und wenn die Blüten Früchte haben,
Da haben sie mich längst begraben.

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24. Der Einsame [sung text checked 1 time]

[Komm]1, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so [müd']2 gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De eenzaat", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Come, comfort of the world, you still night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le solitaire", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Vieni , notte silenziosa", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 von Wilm: "Komme"; further changes may exist not shown above.
2 Reinthaler: "trüb"

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