by Eduard Mörike (1804 - 1875)

Ich hatt' ein Vöglein, ach wie fein!
Language: German (Deutsch) 
Ich hatt' ein Vöglein, ach wie fein!
Kein schöners mag wohl nimmer sein:

Hätt' auf der Brust ein Herzlein rot,
Und sung und sung sich schier zu Tod.

Herzvogel mein, du Vogel schön,
Nun sollst du mit zu Markte gehn! -

Und als ich in das Städtlein kam,
Er saß auf meiner Achsel zahm;

Und als ich ging am Haus vorbei
Des Knaben, dem ich brach die Treu',

Der Knab' just aus dem Fenster sah,
Mit seinem Finger schnalzt er da:

Wie horchet gleich mein Vogel auf!
Zum Knaben fliegt er husch! hinauf;

Der koset ihn so lieb und hold,
Ich wußt' nicht, was ich machen sollt',

Und stund, im Herzen so erschreckt,
Mit Händen mein Gesichte deckt',

Und schlich davon und weinet' sehr,
Ich hört' ihn rufen hinterher:

"Du falsche Maid, behüt' dich Gott,
Ich hab' doch wieder mein Herzlein rot!"

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Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Alberto Pedrotti

Text added to the website between May 1995 and September 2003.
Last modified: 2014-06-16 10:01:42
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