Ich lag auf grünen Matten
Language: German (Deutsch) 
Ich lag auf grünen Matten,
An klarer Quellen Rand.
Mir kühlten Erlenschatten
Der Wangen heißen Brand.
Ich dachte dieß und jenes,
Und träumte sanftbetrübt
Viel Süßes [mir und]1 Schönes,  
Das diese Welt nicht giebt.

Und sieh, dem Hayn entschwebte
Ein Mägdlein sonnenklar.
Ein weißer Schleyer webte
Um ihr nußbraunes Haar.
Dem hellen Aug' entglänzte
Des Äthers reinstes Blau.
Die frischen Wangen kränzte
Die schönste Rosenau.

Um ihre Lippen schwebte
Ein Lächeln hold und gut.
An ihren Wimpern bebte
Der Thau der Wehemuth.
Ihr Auge mild' und thränend,
So wähnt' ich, meinte mich -
Wer war, wie ich, so wähnend!
So selig, wer, wie ich! 

Ich auf, sie zu umfassen -
Und ach! sie trat zurück.
Ich sah sie schnell erblassen,
Und trüber ward ihr Blick.
Sie sah mich an so innig,
Sie wies mit ihrer Hand
Erhaben und tiefsinnig
Gen Himmel, und verschwand. 

Fahr wohl, fahr wohl, Erscheinung!
Fahr wohl, ich kenn' dich wohl!
Und deines Winkes Meinung
Versteh' ich, wie ich soll! -
»Kein Lieben und kein Loben
Verdient der Erde Tand.
Nur droben strahlt, nur droben
Der Liebe Vaterland!«

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Confirmed with Ludwig Theoboul Kosegarten's Poesieen. Zweiter Band. Leipzig bei Heinrich Gräff. 1798, pages 43-45.

The first version of this poem (Poetische Blumenlese, aufs Jahr 1788. Göttingen, bey Johann Christian Dieterich, pages 120-121; and Gedichte von Ludwig Theobul Kosegarten. Zweiter Band. Leipzig, bei Ernst Martin Gräff. 1788, pages 225-227) differs in several verses. The editions from 1802 on present another quite different version (see below).

1 Westenholz: "und viel"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set in a modified version by Ludwig Berger, Franz Peter Schubert.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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