Sechs Lieder , opus 112

by Hermann Ruck (1897 - 1983)

1. Traurigkeit  [sung text checked 1 time]

Die mir noch gestern glühten,
Sind heut dem Tod geweiht,
Blüten fallen um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

Ich seh sie fallen, fallen
Wie Schnee auf meinen Pfad,
Die Schritte nicht mehr hallen,
Das lange Schweigen naht.

Der Himmel hat nicht Sterne,
Das Herz nicht Liebe mehr,
Es schweigt die graue Ferne,
Die Welt ward alt und leer.

Wer kann sein Herz behüten
In dieser bösen Zeit?
Es fallen Blüten um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Sadness", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 376.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Oktober  [sung text checked 1 time]

In ihrem [schönsten]1 Kleide
Stehn alle Bäume gelb und rot,
Sie sterben einen leichten Tod,
Sie wissen nichts von Leide.

Herbst, kühle mir das heiße Herz,
Daß es gelinder schlage
Und still durch goldene Tage
Hinüberspiele winterwärts.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "October", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Octobre", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 169.

1 Ruck: "schönen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Blauer Schmetterling  [sung text checked 1 time]

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, [vergehn]1.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Gianni Franceschi) , "Farfalla blu", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10, Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 307-308.

1 Schoeck: "verwehn"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Sommerabend  [sung text checked 1 time]

Fingerlein schreibt ein Gedicht,
Magnolie bleich schaut zum Fenster herein,
Im Glas funkelt dunkel der Abendwein,
Spiegelt der Geliebten Haar und Gesicht.

Sommernacht hat ihre dünnen Sterne verstreut,
Jugendgedächtnis duftet im mondhellen Laub . . .
Bald, mein Fingerlein, sind wir Moder und Staub,
Übermorgen - morgen - vielleicht noch heut.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 308.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Ich habe wenig Lieder [sung text checked 1 time]

Ich habe wenig Lieder
In meinem Leben gemacht,
Ich singe sie mir und den Mädchen
Am Brunnen in der Nacht.

Das eine von der Jugend,
Die rot unbändig blüht
Und nach Streit und Abenteuer
In ewiger Sehnsucht glüht.

Das andere von den warmen
Nächten der Sommerzeit
Und von allen schönen Weibern,
Um die ich geweint und gefreit.

Das dritte sing' ich zur Geige
In jeder fremden Stadt,
Vom Heimweh des Zigeuners,
Der keine Heimat hat.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Songs", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 120.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

6. Flötenspiel  [sung text checked 1 time]

Ein Haus bei Nacht durch Strauch und Baum
Ein [Fenster leise schimmern]1 ließ,
Und dort im unsichtbaren Raum
Ein Flötenspieler stand und blies.
 
Es war ein Lied so altbekannt,
Es floß so gütig in die Nacht,
Als wäre Heimat jedes Land,
Als wäre jeder Weg vollbracht.
 
Es war der Welt geheimer Sinn
In seinem Atem offenbart,
Und willig gab das Herz sich hin
Und alle Zeit ward Gegenwart.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The playing of a flute", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 364.

1 Wetzel: "rotes Fenster glühen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]