Fünf Lieder für gemischten Chor a capella , opus 38

by Max Bruch (1838 - 1920)

1. Waldpsalm [sung text checked 1 time]

Auf, zu psallieren in frohem Choral!
Pförtner, erschließe des Felsens Portal!
Frühling ist kommen voll sprossender Lust,
schmücket, ihr Brüder, mit Veilchen die Brust!
Wandelt lobsingend zum Buchwald hinaus,
denn auch der Wald ist der Gottheit ein Haus!
Wandelt zur Lichtung der Höhe empor!
Das ist der Waldesbasilika Chor.
Felsen, zu Steintisch und Bänken geschichtet,
stehen dort kunstreich im Fünfeck errichtet.
Heil dir, o Platz, der Erholung geweiht,
buchenumfriedete Einsamkeit!
Stimmet die Lauten und Cymbeln nun rein!
Vöglein im Laubversteck, fallet mit ein!
Schalle ernstkräftig, du Waldespsalm, auf!
Wirble wie Weihrauch zum Himmel hinauf!
Ehre und Preis sei dem Bauherrn der Welt,
der sich zum Tempel den Wald hat bestellt!

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Researcher for this text: Bertram Kottmann

2. Der Wald von Traquair 

Im schönen Walde von Traquair
 . . . . . . . . . .

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3. Tannhäuser [sung text not yet checked]

Frau Venus, Frau Venus,
O laß mich gehn geschwinde, 
Du bist so schön, so fein und schön,
Ich muß zum Jagen auf die Höh'n,
O laß mich zieh'n geschwinde,
Frau Venus, Frau Venus,
Du allerschönste Sünde!

Tannhäuser, Tannhäuser,
Wer wird so früh schon jagen?
Komm, setze dich zu mir in's Grün,
Wo Veilchen, Reseden blühen,
Ich will dir etwas sagen,
Tannhäuser, Tannhäuser,
Wer wird so früh schon jagen!

Frau Venus, Frau Venus,
Ich darf nicht mit dir kosen,
Ich muß nach meinen schlanken Reh'n,
Nach meinen schnellen Hunde seh'n,
Ich darf nicht mit dir kosen, 
Frau Venus, Frau Venus,
Wer bricht dir denn die Rosen?

Tannhäuser, Tannhäuser,
Es hat so sehr nicht Eile,
Laß doch dem Vogel seinen Flug,
Noch eine kleine Weile,
Wer macht denn dir die Pfeile,
Tannhäuser, Tannhäuser,
Wer macht denn dir die Pfeile?

Frau Venus, Frau Venus,
O laß dein süßes Locken,
Du bist so schön, so zart und weiß,
Es pocht mein Herz so laut und heiß,
Ich bin so sehr erschrocken,
Frau Venus, Frau Venus,
Wer flicht denn deine Locken?

Tannhäuser, Tannhäuser,
Wie glühn dir doch die Wangen:
Die Locken flecht' ich selbst mir ein,
Und löse sie und fange drein,
Die von mir heimverlangen,
Tannhäuser, Tannhäuser,
Und du bist auch gefangen!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Rheinsage [sung text not yet checked]

Am Rhein, am grünen Rhein,
Da ist so mild die Nacht!
Die Rebenhügel liegen
In goldner Mondespracht.
 
Und an den Hügeln wandelt
Ein hoher Schatten her
Mit Schwert und Purpurmantel,
Die Krone vom Golde schwer.
 
Das ist der Carl der Kaiser,
Der mit gewalt'ger Hand
Vor vielen hundert Jahren
Geherrscht im deutschen Land.
 
Er ist herauf gestiegen
Zu Aachen aus der Gruft
Und segnet seine Reben
Und atmet Traubenduft.
 
Bei Rüdisheim, da funkelt
Der Mond ins Wasser hinein
Und baut eine goldne Brücke
Wohl über den grünen Rhein.
 
Der Kaiser geht hinüber
Und schreitet langsam fort,
Und segnet längs dem Strome
Die Reben an jedem Ort.
 
Dann kehrt er heim nach Aachen
Und schläft in seiner Gruft,
Bis ihn im neuen Jahre
Erweckt der Trauben Duft.
 
Wir aber füllen die Römer
Und trinken im goldnen Saft
Auf die rheinische Legende
Und die rheinische Lebenskraft.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Anja Bunzel) , "Rhine Legend", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Légende du Rhin", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

5. Feierliches Tafellied [sung text not yet checked]

Wohl perlet im Glase der purpurne Wein,
Wohl glänzen die Augen der Gäste,
Es zeigt sich der Sänger, er tritt herein,
Zu dem Guten bringt er das Beste,
Denn ohne die Leier im himmlischen Saal
Ist die Freude gemein auch beim Nektarmahl.
 
Ihm gaben die Götter das reine Gemüth,
Wo die Welt sich, die [ewige]1, spiegelt,
Er hat alles gesehn, was auf Erden geschieht,
Und was uns die Zukunft versiegelt,
Er saß in der Götter urältestem Rath,
Und behorchte der Dinge geheimste Saat.
 
Er breitet es lustig und glänzend aus
Das zusammengefaltete Leben,
Zum Tempel schmückt er das irdische Haus,
Ihm hat es die Muse gegeben,
Kein Dach ist so niedrig, keine Hütte so klein,
Er führt einen Himmel voll Götter hinein.
 
Und wie der erfindende Sohn des Zeus
Auf des Schildes einfachem Runde
Die Erde, das Meer und den Sternenkreis
Gebildet mit göttlicher Kunde,
So drückt er ein Bild des unendlichen All
In des Augenblicks flüchtig verrauschenden Schall.
 
Er kommt aus dem kindlichen Alter der Welt,
Wo die Völker sich jugendlich freuten,
Er hat sich, ein fröhlicher Wandrer, gesellt
Zu allen Geschlechtern und Zeiten.
Vier Menschenalter hat er gesehn,
Und läßt sie am Fünften vorübergehn.
 
Erst regierte Saturnus schlicht und gerecht,
Da war es Heute wie Morgen,
Da lebten die Hirten, ein harmlos Geschlecht,
Und brauchten für gar nichts zu sorgen,
Sie liebten und thaten weiter nichts mehr,
Die Erde gab alles freiwillig her.
 
Drauf kam die Arbeit, der Kampf begann
Mit Ungeheuern und Drachen,
Und die Helden fingen, die Herrscher, an,
Und den Mächtigen suchten die Schwachen,
Und der Streit zog in des Skamanders Feld,
Doch die Schönheit war immer der Gott der Welt.
 
Aus dem Kampf gieng endlich der Sieg hervor,
Und der Kraft entblühte die Milde,
Da sangen die Musen im himmlischen Chor,
Da erhuben sich Göttergebilde!
Das Alter der göttlichen Phantasie,
Es ist verschwunden, es kehret nie.
 
Die Götter sanken vom Himmelsthron,
Es stürzten die herrlichen Säulen,
Und geboren wurde der Jungfrau Sohn,
Die Gebrechen der Erde zu heilen,
Verbannt ward der Sinne flüchtige Lust,
Und der Mensch griff denkend in seine Brust.
 
Und der eitle, der üppige Reiz entwich,
Der die frohe Jugendwelt zierte,
Der Mönch und die Nonne zergeisselten sich,
Und der eiserne Ritter turnierte.
Doch war das Leben auch finster und wild,
So blieb doch die Liebe lieblich und mild.
 
Und einen heiligen keuschen Altar
Bewahrten sich stille die Musen,
Es lebte, was edel und sittlich war,
In der Frauen züchtigem Busen,
Die Flamme des Liedes entbrannte neu
An der schönen Minne und Liebestreu.
 
Drum soll auch ein ewiges zartes Band
Die Frauen, die Sänger umflechten,
Sie wirken und weben Hand in Hand
Den Gürtel des Schönen und Rechten.
Gesang und Liebe in schönem Verein
Sie erhalten dem Leben den Jugendschein.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De vier tijdperken der wereld", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les quatre âges du monde", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friederich Schiller, Zweiter Theil, Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage, Leipzig, 1805, bei Siegfried Lebrecht Crusius, pages 33-37.

1 Schubert: "ew'ge"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]