Die geheimnisvolle Flöte

by Sigurd von Koch (1879 - 1919)

Word count: 398

1. Die Lotusblumen [sung text not yet checked]

Im Mondlicht glitzern tausend kleine Wellen,
Das helle Grün des Wassers [ist]1 wie Silber,
Man meint, es seinen ungezählte Fische,
Die auf dem Strom hinab zum Meere ziehn.

Ich gleite einsam in dem leichten Nachen,
Nur hin und wieder reg' ich meine Ruder,
Die Nacht und ihre Einsamkeit erfüllen 
Mein Herz, mein junges Herz mit Traurigkeit.

Ich seh im Mondlicht tausend Lotosblumen,
Mit Riesenblüten, die wie Perlen gleißen,
Ich kose sie mit meinen Bambusrudern,
Sie rauschen auf, als sprächen sie vom Glück.

Sie neigen sich und winken, liebestrunken,
Sie flüstern Trost in meine arme Seele;
Ich blicke ganz beseligt auf sie nieder,
Und meine Schwermut, die mich so bedrückte,
Sinkt wie ein dunkler Schatten von mir ab.

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 31.

1 Immisch, Overhoff: "glänzt"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Traurige Frühlingsnacht [sung text not yet checked]

Geschrei der silbernen Fasanen
Klang melancholisch durch die Nacht,
Ich spielte dir auf meiner Flöte
Ein Lied, das auch nicht fröhlich war.

In dumpfer Trauer lag die Erde,
Wir wußten keinen Grund zu nennen,
Daß unsre Augen überflossen, -
Das Leben war wie Blei in uns.

Uns war so bange wie den Blumen,
Du ließest deine Hände hängen,
Du sahst mich an und sprachest müde:
"Sei still, es wird vorübergehn."

Authorship

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 95.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Der unwürdige [sung text not yet checked]

Schön ist die Linie deiner Augenbrauen,
Wie Porzellan sind deine Handgelenke,
Und deine Wangen sind wie Pfirsiche.

Du wandelst wie ein Reh mit scheuen Füßen,
Und bringst du deinen Ahnen Totenopfer,
So scheinst du groß wie eine Priesterin.

Du bist die schönste Frau am gelben Flusse
Und rein wie Neuschnee. Keine böse Zunge
Wagt deines Herzens Reinheit anzutasten.

Ich bin nicht würdig, deines Herzens Neigung
Je zu besitzen. Ich bin schlecht und niedrig,
Doch du bist einer Göttin strahlend Kind.

Gewähre mir, daß ich von ferne stehe;
Ich will ein Lied auf meiner Laute suchen,
Das meine Lust und Qual dir künden soll.

Authorship

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Confirmed with Die Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit, ed. Hans Bethge, Leipzig: Max Hesses Verlag, 1907, pages 66-67

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Herbstgefühl [sung text checked 1 time]

Die Laute herab von der Wand! 
Deine und meine Schmerzen will ich singen, 
verblutender Herbst im Land.

Ihr schwarzen Schwäne im Dunkelblau 
segelt wie meine schwarzen Gedanken langsam 
und müde über die schlummernde Au.

Du stolzer Aglajabaum am Rain! 
Wo sind nun deine Blätter? 
Deine Äste ragen wie eine schwarze Harfe im Abendschein.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Die geheimnisvolle Flöte [sung text not yet checked]

An einem Abend, da die Blumen dufteten
Und alle Blätter an den Bäumen, trug der Wind mir
Das Lied einer entfernten Flöte zu. Da schnitt
Ich einen Weidenzweig vom Strauche, und
Mein Lied flog, Antwort gebend, durch die blühende Nacht.

Seit jenem Abend hören, wenn die Erde schläft,
Die Vögel ein Gespräch in ihrer Sprache.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "The mysterious flute", copyright ©
  • ENG English [singable] (?, Mrs. Bertram Shapleigh) , "The Mysterious Flute"
  • FRE French (Français) [singable] (Michel Dimitri Calvocoressi) , "La Flûte mystérieuse"
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La flûte mystérieuse", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Musikwissenschaft zwischen Kunst, Ästhetik und Experiment: Festschrift Helga de la Motte-Haber zum 60. Geburtstag, Reinhard Kopiez, herausgegeber, Königshausen & Neumann, 1998, page 267.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]