[Sechs] Lieder und Gesänge für 1 Stimme mit Pianofortebleitung

Song Cycle by Clementine Becker

Word count: 447

1. Wie soll ich's bergen [sung text not yet checked]

Wie soll ich's bergen, wie soll ich's tragen,
Was Du mir selber ins Herz gelegt?
Kann es nicht hehlen und kann es nicht sagen,
Was meine ganze Seele bewegt.

All meine Sinne und alle Gedanken,
Unstät und flüchtig verlassen sie mich,
Dich zu umwinden wie klimmende Ranken,
Klammern sich fester und fester an Dich.

Immer Dich sehen möcht' ich und hören,
Immer Dir schauen ins Angesicht,
Könnt' ich mir nur Deinen Schatten beschwören!
Lieberes zeigt ja die Sonne mir nicht. 

Aber nach Worten hasch' ich vergebens,
Was ich empfinde, verschweigen sie doch,
Du bist das Licht und der Klang meines Lebens,
Und ich bin selber dein Schatten nur noch.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Julius Wolff, Tannhäuser. Ein Minnesang, Erster Band, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1890, pages 130-131.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Morgenständchen [sung text not yet checked]

Steh' auf und öffne das Fenster schnell,
Es lacht der Morgen so frisch, so hell,
Und unten im kleinen Garten
Sind Leute, die Deiner warten.1

Die Veilchen kamen über Nacht,
Hoffärtig breit sich die Tulpe macht,
Und träumend auf und nieder
Schwankt schon der blaue Flieder.1

Die [Ärmsten]2 haben keine Ruh',
[An's Fenster blicken sie immerzu]3,
Sie glauben nicht an des Lenzes Wehen,
Bis sie die holde Rose gesehen.4

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Morning serenade", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Albert Traeger, Neunte vermehrte Auflage, Leipzig, Verlag von Ernst Keil, 1873, page 114.

Note: in many older editions, the spelling of the word "Ärmsten" becomes "Aermsten", but as can be seen in how "über" becomes "Ueber" when capitalized, this is due to the printing process and not to rules of orthography, so we use "Ärmsten".

1 Taubert inserts: "Steh' auf, steh' auf, steh' auf!"
2 Taubert: "Armen"
3 Taubert: "Sie blicken an's Fenster immerzu"
4 Taubert inserts: "Holde Rose, steh' auf, steh' auf!"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Zweifel [sung text not yet checked]

An Deinem Finger, dem weißen, schlanken,
Blitzt golden ein schmaler Streif,
All' meine Blicke, meine Gedanken
Bannet der kleine Reif.

Stehst Du so stolz, in Sicherheit prangend,
Weil Dich ein Talisman schmückt?
Schweift in's Weite Dein Blick so verlangend,
Weil die Fessel Dich drückt? 

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Vergissmeinnicht [sung text not yet checked]

Blaublümlein spiegelten sich im Bach
Und riefen den eilenden Wellen nach:
Vergißmeinnicht!

Die lachten: Wir müssen zum Meere hin,
Und aus den Augen ist aus dem Sinn,
Vergißmeinnicht!

Blauäuglein hatte ein Mägdelein,
Die strahlten dem Knaben ins Herz hinein:
Vergißmeinnicht!

Der Knabe zog in die Welt hinaus,
Da blühte und welkte manch Blumenstrauß.
Vergißmeinnicht!

Und als er allein auf unendlicher See,
Da grüßten ihn Sterne, da faßt' ihn ein Weh,
Vergißmeinnicht!

Aus rauschenden Wogen sangen herauf
Die Tropfen im Meere aus Bächleins Lauf:
Vergißmeinnicht!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

5. Wandern [sung text not yet checked]

O Wandern! Wandern! Wie ist's so schön
Durch Felder und Wälder zu schweifen,
Im Frührotstrahl auf lust'gen Höh'n
Den Saum der Wolken zu streifen!

O Wandern! Wandern! Wie drückt so schwer
Mein Herz das bitterste Leiden, -
Ach, eh' ich wandre, gilt's vorher
Vom Allerliebsten zu scheiden!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Im Grase thaut's [sung text not yet checked]

Im Grase thaut's, die Blumen träumen 
Von ihrem bunten Honigdieb,
Und oben flüstert's in den Bäumen:
Schläfst du? schläfst du, mein trautes Lieb? 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.
 
Ein Aestlein wankt mit leisem Wiegen,
In dunkler Blätterheimlichkeit
Regt sich, ein Kosen, Schweben, Schmiegen: 
Dir treu, dir treu in Ewigkeit! 
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

Nun wird es still in Luft und Zweigen,
Ein wonnig Athmen hebt die Brust,
Dich küßt die Nacht mit süßem Schweigen,
Ruh' aus, ruh' aus von Lieb' und Lust,
Der Mond scheint durch den grünen Wald.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]