Fünf Lieder

by Ottmar Gerster (1897 - 1969)

Word count: 310

1. Lied in der Nacht [sung text not yet checked]

Straßen hin und Straßen her
Wandr ich in der Nacht;
Bin [aus Träumen]1 dumpf und schwer
Schluchzend aufgewacht.
Thränen,
Sehnen,
Lust und Schmerz, --
Ach, wohin treibt mich mein Herz?
Ach, wohin treibt mich mein Herz?
 
Steht ein Haus in Grün gebaut
[Draußen vor]2 der Stadt,
Wo der Fluß mit [leisem Laut]3
Sein Geströme hat.
Blüten
Hüten
Dicht es ein:
Dort möcht ich zu Gaste sein,
Dort möcht ich zu Gaste sein.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson dans la nuit", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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1 Richter: "durch Träume"
2 Richter: "ferne von"
3 Richter: "sanftem Lauf"

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2. Unschuld [sung text not yet checked]

Gieb, schönes Kind, mir deine Hand
Und sieh mich an,
Den Reisenden aus Wehmutland
Und ärmsten Mann.

Schlag deine Augen nieder nicht;
Sie sind so hold;
Noch nicht voll Glut, doch voller Licht
Und Unschuldsgold.

Das hat so innig milden Schein,
Oh süßes Kind,
Dass alle Kümmernisse mein
Verflogen sind.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Innocence", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Sankt Jörg [sung text not yet checked]

Ich bin Sankt Jörg,
Steh auf dem Berg, 
Steh auf der Wache.
Schlug ich auch tot
Den Wurm der Not:
Der alte Drache
Ließ junge Brut,
Die nimmer ruht;
Sie schleicht im Tale.
Ich bin bereit
Und führ den Streit
Zum andern Male.

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Schmied Schmerz [sung text not yet checked]

Der Schmerz ist ein Schmied,
[Sein]1 Hammer ist hart,
Von fliegenden Flammen
Ist heiß sein Heerd;
Seinen Blasebalg bläht
Ein stoßender Sturm
Von wilden Gewalten.
Er hämmert die Herzen
Und schweißt sie mit schweren
Und harten Hieben
Zu festem Gefüge.

Gut, gut schmiedet der Schmerz.

Kein Sturm zerstört,
Kein Frost zerfrißt,
Kein Rost zerreißt,
Was der Schmerz geschmiedet.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Otto Julius Bierbaum Irrgarten der Liebe. Verliebte, launenhafte und moralische Lieder, Gedichte und Sprüche aus den Jahren 1885 bis 1900, erstes bis fuenftes Tausend, Berlin und Leipzig: Im Verlage der Insel bei Schuster und Loeffler, 1901, page 312.

1 von Horst: "Und sein"

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Gebet des geschienten Ritters im Felde [sung text not yet checked]

Herr Gott im Himmel, hör mich an! 
Sitzend muß ich beten, weil ich nicht knieen kann, 

Und auch die Hände falten, 
Das kann ich nicht; 
Ich muß die Lanze halten 
Zur Brust mir dicht. 

Nun höre, was ich bete, 
Lieber Gott und Herr: 
Zu Bette liegt die Grete, 
Der macht nit schwer; 

Sie will ein Kind mir bringen, 
Mägdlein oder Sohn: 
Das laß du wohl gelingen,
König auf deinem Thron! 

Sonst hab ich nichts zu beten, 
Ich muß im Felde stehn,--
Nur das mit Grethen
Laß wohl geschehn.

Authorship

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]