Wache Träume

by Joseph (Gabriel) Rheinberger (1839 - 1901)

Word count: 711

1. Einst träumt' ich im Waldgrün [sung text checked 1 time]

Einst träumt' ich in Waldgrün,
Nun träum ich am Meer;
Rauscht heran denn, ihr Wogen,
Mein Herz ist so schwer!

Ach, das Sehnen der Waldnacht,
Ihr verschollenes Weh,
Es erwacht mir noch einmal
An der flüsternden See.

Einst folgt' ich dem Bergstrom,
Nun wandr' ich am Strand;
Goldschimmer umlodert
Meer, Himmel und Land;

Doch es spiegelt der Strahl sich,
Der im Westen versinkt,
In der Träne der Wehmut,
Die im Auge mir blinkt.

Einst schmiegt' ich ins Moos mich,
Nun wiegt mich die Flut:
Doch nimmer im Herzen
Entschlummert die Glut:

Wie über dem Moose
Schwebt über dem Schaum
Verlockend des Glückes
Urewiger Traum.

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2. Lass' die Rose schlummern [sung text checked 1 time]

Lass' die [Rose]1 schlummern,
Und die Wellen auch,
Alle lass sie schlummern,
Nächt'ger Windeshauch!

Alle ruhn sie gerne
Unterm Himmelsdom:
Herzen, nah und ferne,
Blume, Wald und Strom.

Störe nicht des holden
Traumes Wanderzug,
Der die Schwinge golden
Regt zum Niederflug,

Dessen Schlummerweise
Durch die Welten zieht,
Wundersam und leise,
Wie ein Sternenlied.

[Ineinanderbeben]2
Lässt sein Flügelschlag
Alles Einzelleben,
Das getrennt der Tag.

Drum zu früh nicht störe,
Die so bald entfliehn,
Dieser Schlummerchöre
Traumesmelodien.

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1 Rheinberger: "Rosen"
2 Rheinberger: "Ineinander beben"

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3. Lerchen in heitrer Luft [sung text checked 1 time]

Lerchen in heitrer Luft
Singen im Blau,
Nun lockt des Lenzes Duft
Mich nach der Au.
Sonne, du Himmels Aug',
Klar aus den Bergen tauch,
So ist dein Morgenhauch,
Herzige Maid!

Mich haben Vöglein dort
Singend erfreut,
Blumen am stillen Ort
Duft mir gestreut.
Wie aus betautem Grün
Knospen der Rose glühn,
Soll deine Jugend blühn,
Herzige Maid!

Girrende Taube fliegt
Frei durch die Heid,
Falk an der Schlinge liegt,
Schafft nicht mehr Leid;
Treffe sein Missgeschick
Ihn, der mit Wort und Blick
Trübte dein stilles Glück,
Herzige Maid!

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4. Wenn überm Berg [sung text checked 1 time]

Wenn über'm Berg der Abendstern
Uns zuruft: Legt euch nieder,
Und mein Gespann, vom Felde fern,
Ermüdet kehret wieder;
Am Bache dort, wo Birkenzweig
Tauperlen streut hernieder,
Seh ich an seinem Blütenrand
Dich, mein Herzliebchen, wieder.

Und Gruft und Schlucht um Mitternacht
Durchzog ich ohne Zagen,
Wenn mir am Ziel dein Auge lacht
Mit freudigem Behagen.
Und wär die Nacht auch noch so wild,
Könnt mich mein Fuß kaum tragen:
Es müsste, stünd am Quell dein Bild,
Herz an Herze bald schlagen.

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5. Weh ist mein Herz [sung text checked 1 time]

Weh ist mein Herz, im Auge die Trän',
Lang, hab ich keine Freude mehr gesehn,
Verlassen und einsam trag ich meinen Schmerz,
Und die Stimme des Mitleids kühlt nimmer mein Herz!
 
O, wenn ich wär, wo das Glück mir einst schien,
Drunten am Strom, am Schlosse dort so grün;
Denn dort geht er einsam und denket wohl mein,
Ach und ich steh so ferne mit all dieser Pein.
 
Lieb, du hast Freud, und tief hab ich geliebt,
Lieb, du hast Leid, und tief ward ich betrübt,
Doch dies wunde Herz, das sich ängstet so sehr,
Bald, ach balde pocht es nicht mehr.

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6. Liebesglück [sung text checked 1 time]

Mein Herz ist wie der Himmel
So sternenklar,
So blütenvoll als nimmer
Ein Frühling war;
So sangvoll und so klangvoll,
Als ob der Mai
Mit allen Nachigallen
Darinnen sei!

[ ... ]

[Mein Herz ist wie die Meerflut,
So tief bewegt,
So fest und treu, wie Urfels,
An den sie schlägt]1;
Und [kühn und frei]2 kann's fliegen,
Dem Adler gleich,
[Der über Wolken schwebet]3
Ins Sonnenreich.

Mein Herz ist, lächle, lächle,
Geliebtes Kind!
Voll Übermut, wie alle
Verliebte sind.
Und [wenn]4 zu stolzen Bildern
[Es sich]5 vermisst,
So will's doch nur dir sagen,
Wie's selig ist.

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1 Wallnöfer: "So friedvoll und so stille / Wie's Paradies, / Eh's noch der Unschuld / Engel weinend verließ"
2 Wallnöfer: "kühn" ; Rheinberger: "frei und hoch"
3 Rheinberger: "Der schwebet über Wolken"
4 Rheinberger: "wenn's"
5 Rheinberger: "Sich kühn"

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Mädchens Klage [sung text checked 1 time]

Der Eichwald [brauset]1,
Die Wolken [ziehn]2,
Das Mägdlein [sitzet]3
An Ufers Grün,
Es bricht sich die Welle mit Macht, mit Macht,
Und sie [seufzt]4 hinaus in die [finstre]5 Nacht,
Das Auge [von]6 Weinen [getrübet]7.

"Das Herz ist gestorben,
Die Welt ist leer,
Und weiter giebt sie
Dem Wunsche nichts mehr.
Du Heilige [rufe]8 dein Kind zurück,
Ich habe genossen das irdische Glück,
Ich habe gelebt und geliebet!"

Es rinnet der Thränen
Vergeblicher Lauf,
Die Klage sie wecket
Die Todten nicht auf,
Doch nenne, was tröstet und heilet die Brust
Nach der süßen Liebe [verschwundener]9 Lust,
Ich, die himmlische, wills nicht versagen.

["]10Laß rinnen der Thränen
Vergeblichen Lauf,
Es wecke die [Klage]11
Den Todten nicht auf,
Das süßeste Glück für die [traurende]12 Brust,
Nach der schönen Liebe [verschwundener]9 Lust,
Sind der Liebe Schmerzen und Klagen.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Linda Godry) , "The oaks roar, the clouds rush by", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Shula Keller) , "The maiden's lament", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Plainte de la jeune fille", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Musen-Almanach für das Jahr 1799, herausgegeben von Schiller. Tübingen, in der J.G.Cottaischen Buchhandlung, pages 208-209; with Gedichte von Friederich Schiller. Erster Theil. Leipzig, 1800. bey Siegfried Lebrecht Crusius, pages 67-68; and with Gedichte von Friederich Schiller. Erster Theil. Zweite von neuem durchgesehene Auflage. Leipzig, 1804. bei Siegfried Lebrecht Crusius, pages 67-68.

First published 1799 in Schiller's Musen-Almanach, and later, only stanzas 1-2 (with slight textual modifications and a different line break), in Die Piccolomini, act 3, scene 7 (Thekla's song).

1 Schubert (D.191 and D.389): "braust"
2 Schubert (D.6, first occurrence only): "ziehen"
3 Schubert (D.191 and D.389): "sitzt"; Piccolomini edition, used by Felix Mendelssohn, Zumsteeg and Rheinberger: "wandelt"
4 Piccolomini edition, used by Felix Mendelssohn, Zumsteeg: "singt"
5 Randhartinger: "finstere"
6 Schiller (editions from 1810), and Schubert: "vom"
7 Schubert (D.6): "getrübt"
8 Schubert (D.6): "ruf'"
9 Rheinberger: "entschwundener"; Schubert (D.191, second version only): "verschwund'ner"
10 Quotation mark eliminated in Schiller's revised edition of 1804.
11 Rheinberger: "Träne"
12 Schubert (D.191 and D.389), Rheinberger: "trauernde"

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]