Fünf Gedichte von Hermann Hesse

Song Cycle by Franz Krause (1889 - ?)

Word count: 353

1. Weiße Rose in der Dämmerung [sung text checked 1 time]

Traurig lehnst du dein Gesicht
Übers Laub, dem Tod ergeben,
Atmest geisterhaftes Licht,
Lässest bleiche Träume schweben.

Aber innig wie Gesang,
Weht im letzten leisen Schimmer,
Noch den ganzen Abend lang
Dein geliebter Duft durchs Zimmer.

Deine kleine Seele wirbt
Ängstlich um das Namenlose,
Und sie lächelt, und sie stirbt
Mir am Herzen, Schwester Rose.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 207.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Gebet an die Schönheit [sung text checked 1 time]

Gib uns deine milde Hand!
Von der Mutter Hand gerissen
Irren wir in Finsternissen
Kinder durch ein fremdes Land.

Manchmal wenn es dunkel war,
Schenkte eine Heimatweise
Deiner Stimme wunderbar
Licht und Trost der bangen Reise.

Wandrer ohne Ziel und Pfad
Irren wir in dunklen Weiten;
Wolle du uns gnädig leiten,
Bis der große Morgen naht!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "To Beauty", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 58-59.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Genesung [sung text checked 1 time]

Lange waren meine Augen müd
Und vom Rauch der Städte bang verschleiert,
Nun erwacht ich schaudernd. Feste feiert
Jeder Baum und jeder Garten blüht.

Wieder wie ich einst als Knabe sah,
Seh ich fröhlich durch die sanften Weiten
Engel ihre weißen Flügel breiten
Und die Augen Gottes blau und nah.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 133.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Im Nebel [sung text checked 1 time]

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

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  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "In the mists", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Dans le brouillard", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , "Sa cheobhrán", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Nebbia", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 136-137.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Ode an Hölderlin [sung text checked 1 time]

Freund meiner Jugend, zu dir kehr ich voll Dankbarkeit
Manchen Abend zurück, wenn im Fliedergebüsch
Des entschlummerten Gartens
Nur der rauschende Brunnen noch tönt.

Keiner kennt dich, o Freund; weit hat die neuere Zeit
Sich von Griechenlands stillen Zaubern entfernt,
Ohne Gebet und entgöttert
Wandelt nüchtern das Volk im Staub.

Aber der heimlichen Schar innig Versunkener,
Denen der Gott die Seele mit Sehnsucht schlug,
Ihr erklingen die Lieder
Deiner göttlichen Harfe noch heut.

Sehnlich wenden wir uns, vom Tag Ermüdete,
Der ambrosischen Nacht deiner Gesänge zu,
Deren wehender Fittich
Uns beschattet mit goldenem Traum.

Ach, und glühender brennt, wenn dein Lied uns entzückt,
Schmerzlicher brennt nach der Vorzeit seligem Land,
Nach den Tempeln der Griechen
Unser ewiges Heimweh auf.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Ode to Hölderlin", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 193.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]