Hebräische Gesänge nach jüdischen Melodien

Song Cycle by M. Henle

Word count: 615

1. Weint um Israel [sung text not yet checked]

Beweint die, so geweint in Babels Land!
Judäa ist ein Traum, der Tempel schwand; 
der heil'gen Harfe Saiten sind gesprungen, 
Abgötter sind auf Gottes Berg gedrungen!

Und wo ist für die wunden Füsse Ruh? 
und wann strömt Zions Lied uns Freude zu? 
Wann wird der Ton, bei dem sonst vor Entzücken
das Herz uns schlug, uns noch einmal erquicken?

Ihr irren Stämme flüchtig und verbannt, 
wo gäb' es Ruhe fern vom Vaterland? 
Der Fuchs sucht sie im Bau, im Nest der Rabe, 
der Mensch im Haus, Israel nur im Grabe.

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Researcher for this text: John H. Campbell

2. Wär ich wirklich so falsch [sung text not yet checked]

Wär' ich wirklich so falsch, als der Irrtum es glaubt,
  Was käm' von so fern' ich, der Heimat beraubt?
Was entsagt' ich dem Glauben nicht? Dies wär' genug, 
  Zu lösen den auf uns geworfenen Fluch.

Wenn der Böse nie siegt, dann mag Gott mit dir sein,
  Wenn der Sklave nur sündigt, bist freilich du rein.
Du sagst, daß auch droben Verbannung mir dräu':
  So leb' deinem Glauben, ich sterbe getreu.

Was ich gab für den Glauben, wo fänd' ich's bei dir?
  Der Gott, der dir Macht ließ, bezeuget es mir.
In ihm ruht mein Herz und mein hoffender Sinn;
  Mein Land und mein Leben, ich geb' es dir hin.

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Researcher for this text: Thomas Jaenicke

3. Thränen und Lächeln [sung text not yet checked]

Ich sah die volle Träne glühn
  In deines Auges Blau,
Das wie ein Veilchen mir erschien
  Benetzt mit Tropfen Tau.
Ich sah es lächeln: da erblich
  Vor ihm des Sapphirs Schein,
Des Aug's lebend'gem Strahle wich
  Der glanzerfüllte stein.

Den Wolken oft die Sonn' ertheilt
  Ein Blau, so tief und mild,
Das an dem Himmel noch verweilt,
  Wenn Dämm'rung ihn umhüllt:
So heilt solch Lächeln in dem Blick,
  Das Herzens trübsten sinn,
Und läßt ihm einen Strahl zurück,
  Der leuchtet drüber hin.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

4. Mein Geist ist trüb [sung text not yet checked]

Mein Geist ist trüb', den Ton der Saiten,
  Den jetzt mein wildes Herz erträgt,
Laß ihn in meine Ohren gleiten,
  Von deiner Finger Kunst erregt.
Wenn einen Wunsch mein Herz gepflegt,
  In diesem Ton wird Hoffnung blühen,
Die Träne, die das Auge hegt,
  Wird fließen, statt im Hirn zu glühen.

Doch wild und tief mußt du beginnen,
  Mit keinem Ton, der freudig klingt.
In Thränen muß mir das zerrinnen,
  Wovon [das Herz]1 mir sonst zerspringt.
Denn daß es sich zum Schweigen zwingt,
  Sich nur von Kummer nährt, ist lange;
Und jetzt, wo es so schrecklich ringt,
  Jetzt bricht es, oder schmilzt in Klange.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "My spirit is dull", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Loewe: "die Brust"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. An den Wassern zu Babel [sung text not yet checked]

An Babylons Wassern gefangen
  Da weinten wir, denkend den Tag,
Da feindliche Waffen erklangen,
  Da die hohe Zion erlag,
Und ihre Töchter mit Bangen
  Verließen don heimische Dach.

Den Strom sahen traurig wir wallen
  In Freiheit die Felder entlang.
Laßt ein Lied von Zion erschallen!
  So hieß es. Vergeblicher Zwang!
Die Hand soll in Staub mir zerfallen,
  Vernehmt ihr den heiligen Klang.

Die Harfe wollen wir hängen
  Hier unter die Weiden am Strand.
Frei bleib' sie mit ihren Gesängen,
  O Zion, dein einziges Pfand,
Nie soll'n mit dess Ton nie sich mengen,
  Der verwüstet das heilige Land.

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Researcher for this text: John H. Campbell

6. Alles ist eitel, spricht der Prediger [sung text not yet checked]

Es waren Ruhm und Weisheit mein,
  Und Jugend und mächtiges Walten.
Ich trank aus goldnen Bechern Wein, 
  Umgeben von holden Gestalten.
Ich sonnte mein Herz in ihrem Blick, 
  Und fühlte von Lieb' es erglühen. 
Was der Mensch sich wünscht, und was spendet das Glück, 
  War mir, als dem Herrscher, verliehen.

Ich lasse die verfloßne Zeit 
  Am Geist vorüber schweben. 
Möcht' ich bei all' der Herrlichkeit
  Sie noch einmal verleben?
Kein Tag, keine Stund' ist dahingerollt
  Wo sanft mein Herz gerastet,
Und meine Würde schmückte kein Gold, 
  Das mich nicht schwer belastet.

Die grimmen Schlangen auf dem Feld,
  Vermag die Kunst zu zähmen; 
Die, so das Herz gefangen hält, 
  Wie ihr den Stachel nehmen?
Sie horcht nicht auf der Weisheit Wort, 
  Auf Saiten, kunstvoll geschlagen, 
Ihr Stachel brennet immerfort, 
  Der Geist, er muß es ertragen!

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Researcher for this text: John H. Campbell