Die Landschaft

Song Cycle by Thomas Schubert (b. 1961)

Word count: 1319

1. Der Spaziergang [sung text checked 1 time]

Ihr Wälder schön an der Seite,
Am grünen Abhang gemalt,
Wo ich umher mich leite,
Durch süße Ruhe bezahlt
Für jeden Stachel im Herzen,
Wenn dunkel mir ist der Sinn,
Den Kunst und Sinnen hat Schmerzen
Gekostet von Anbeginn.
[Ihr lieblichen Bilder im Tale,
Zum Beispiel Gärten und Baum,
Und dann der Steg der schmale,
Der Bach zu sehen kaum,]1
Wie schön aus heiterer Ferne
Glänzt Einem das herrliche Bild
Der Landschaft, die ich gerne
Besuch' in Witterung mild.
Die Gottheit freundlich geleitet
Uns erstlich mit Blau,
Hernach mit Wolken bereitet,
Gebildet wölbig und grau,
Mit sengenden Blitzen und Rollen
Des Donners, mit Reiz des Gefilds,
Mit Schönheit, die gequollen
Vom Quell ursprünglichen Bilds.

Authorship

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1 omitted by T. Schubert.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Der Frühling [sung text checked 1 time]

Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,
Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben
Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder
Und festlich machen sich Gesang und Lieder.

Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,
Daß immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,
Und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,
So findet vieles sich, und aus Natur das Meiste.

Authorship

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Beneath the poem is written "Mit Unterthänigkeit. Scardanelli.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Die Eichbäume [sung text checked 1 time]

[Aus den Gärten komm' ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber]1 ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt' und erzog, und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in [die Schule der Menschen]2 gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, [aus der kräftigen]3 Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit [gewaltigem Arme]4 den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
[Könnt' ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd' ich unter euch wohnen.]1

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "You, you majestic ones!", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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1 omitted by Reger.
2 Reger: "der Menschen Schule"
3 Reger: "aus kräftiger"
4 Reger: "gewaltigen Armen"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Der Sommer [sung text checked 1 time]

Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert
Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel
In stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert,
Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.
 
Die Pfade gehn entfernter hin, der Menschen Leben,
Es zeiget sich auf Meeren unverborgen,
Der Sonne Tag ist zu der Menschen Streben
Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.
 
Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite,
Der Mensch verwundert sich, daß sein Bemühn gelinget,
Was er mit Tugend schafft, und was er hoch vollbringet,
Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

5. Der Herbst [sung text checked 1 time]

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.
 
Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen

Die Zweig und Äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'automne", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

The poem has this beneath it: "d. 15ten Nov. 1759"

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

6. Hymne: "In lieblicher Bläue" [sung text checked 1 time]

In lieblicher Bläue blühet 
mit dem metallenen Dache der Kirchturm. 
Den umschwebet Geschrei der Schwalben,
den umgiebt die rührendste Bläue. 
Die Sonne gehet hoch darüber und färbet das Blech, 
im Winde aber oben stille krähet die Fahne. 
Wenn einer unter der Glocke dann herabgeht, 
jene Treppen, ein stilles Leben ist es, 
weil, wenn abgesondert so sehr die Gestalt ist, 
die Bildsamkeit herauskommet dann des Menschen. 
Die Fenster, daraus die Glocken tönen,
sind wie Tore an Schönheit. 
Nehmlich, weil noch der Natur sind diese Tore, 
haben diese die Ähnlichkeit von Bäumen des Walds.
Reinheit aber ist auch Schönheit. 
Innen aus Verschiedenem entsteht ein ernster Geist. 
So sehr einfältig aber die Bilder, 
so sehr heilig sind die, daß man wirklich 
oft fürchtet, die zu beschreiben. 
Die Himmlischen aber, die immer gut sind,
alles zumal, wie Reiche, 
haben diese, Tugend und Freude.
Der Mensch darf das nachahmen. 
Darf, wenn lauter Mühe das Leben,
ein Mensch aufschauen und sagen: 
So will ich auch sein? Ja. 
So lange die Freundlichkeit noch 
am Herzen, die Reine, dauert, 
misset nicht unglücklich der Mensch 
sich mit der Gottheit. 
Ist unbekannt Gott?
Ist er offenbar wie der Himmel? 
Dieses glaub' ich eher.
Des Menschen Maaß ist's. 
Voll Verdienst, doch dichterisch, 
wohnet der Mensch auf dieser Erde. 
Doch reiner ist nicht der Schatten 
der Nacht mit den Sternen, 
wenn ich so sagen könnte, als der Mensch,
der heißet ein Bild der Gottheit.

[ ... ]

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "En un bleu adorable", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Note: this is a prose text consisting of three paragraphs. The line breaks are arbitrary.


Researcher for this text: Guy Laffaille [Guest Editor]

7. Der Winter [sung text checked 1 time]

Wenn sich der Tag des Jahrs hinabgeneiget
Und rings das Feld mit den Gebirgen schweiget,
So glänzt das Blau des Himmels an den Tagen,
Die wie Gestirn in heitrer Höhe ragen.
 
Der Wechsel und die Pracht ist minder umgebreitet,
Dort, wo ein Strom hinab mit Eile gleitet,
Der Ruhe Geist ist aber in den Stunden
Der prächtigen Natur mit Tiefigkeit verbunden.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'hiver", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

The poem has this beneath it:
Mit Unterthänigkeit,
Scardanelli
d. 24. Januar 1743 

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

8. Wenn über dem Weinberg es flammt [sung text checked 1 time]

Wenn über dem Weinberg es flammt
Und schwarz wie Kohlen
Aussiehet um die Zeit
Des Herbstes der Weinberg, weil 
Die Röhren des Lebens feuriger atmen
In den Schatten des Weinstocks. Aber
Schön ist's, die Seele
Zu entfalten und das kurze Leben.

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Researcher for this text: Michael Komma