Symphonie no. 2 für Tenor und Orchester nach Gedichten von August von Platen

Symphony by Stefan Heucke

Word count: 754

1. An der Matt [sung text checked 1 time]

Hier noch, nah des Gotthards alten Seen, 
Wo die rauhen Gletscherlüfte wehen, 
Mahn ich mich an unser Wiedersehen. 

Sitzend einsam am entlegnen Herde, 
Denk ich dein mit sehnlicher Gebärde, 
Abgetrennt von der bewohntern Erde. 

Es erspäht ein Wandrer in der Ferne 
Der Erinnrung blasse Nebelsterne, 
Und der Torheit selbst gedenkt er gerne. 

Leicht wie Schnee auf diesen Felsenlagen, 
Leicht wie Schaum, den hier die Ströme schlagen, 
Schmilzt das Glück, und jeder muß entsagen. 

Traum ist alles Irdischen Erscheinung, 
Wahn ist jede liebende Vereinung, 
Und was Wahrheit wir genannt, ist Meinung. 

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2. Farbenstäubchen  [sung text checked 1 time]

Farbenstäubchen auf der Schwinge 
Sommerlicher Schmetterlinge, 
Flüchtig sind sie, sind vergänglich 
Wie die Gaben, die ich bringe, 
Wie die Kränze, die ich flechte, 
Wie die Lieder, die ich singe: 
Schnell vorüber schweben alle, 
Ihre Dauer ist geringe, -
Wie ein Schaum auf schwanker Welle, 
Wie ein Hauch auf blanker Klinge. -
Nicht Unsterblichkeit verlang' ich, 
Sterben ist das Los der Dinge: 
Meine Töne sind zerbrechlich 
Wie das Glas, an das ich klinge 

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3. Noch im wollustvollen Mai  [sung text checked 1 time]

Noch im wollustvollen Mai des Lebens, 
Wo die Seele sonst Entschlüsse sprüht, 
Fühl ich in der Wärme meines Strebens, 
Wie mein Lebenselement verglüht. 

Nicht ein Windstoß, ein belebend warmer, 
Meine Haare kräuselnd, weht mich an; 
Leer und träge schifft ein Tatenarmer 
Übern stillen Vater Ozean.

Nicht ein Windstoß, ein belebend warmer, 
Meine Haare kräuselnd, weht mich an; 
Leer und träge schifft ein Tatenarmer 
Übern stillen Vater Ozean. 

Was ich soll? Wer löst mir je die Frage? 
Was ich kann? Wer gönnt mir den Versuch? 
Was ich muß? Vermag ich's ohne Klage? 
So viel Arbeit um ein Leichentuch! 

Kommt und lispelt Mut ins Herz mir, zarte 
Liederstimmen, die ihr lange schlieft, 
Daß ich, wie ein Träumer, nicht entarte, 
In verlorne Neigungen vertieft. 

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4. Im Leben fühl ich stets  [sung text checked 1 time]

Im Leben fühl ich stets, ich weiß nicht, welche Qual? 
Gefahren ohne Maß! Gedanken ohne Zahl! 
An Harmonie gebricht's den Formen um mich her, 
Mir schauert's im Gemach, mir wird's zu eng im Saal! 
Und tret ich auch hinaus, erholt sich kaum der Blick: 
Was türmt sich im Gebürg? was schlingt sich im Getal? 
Die Sterne sind so fern! die Blumen sind so tot! 
Die Wolken sind so grau! die Berge sind so kahl! 
Wie sollte die Natur befried'gen ein Gemüt, 
Die heute frisch und grün, die morgen welk und fahl? 
Wohl ist, sobald das Ich sich schrankenlos ergeht, 
Die Erde viel zu klein, der Himmel viel zu schmal! 
Und auch gesell'ges Glück erfüllt noch nicht das Herz, 
Es wechsle das Gespräch! Es kreise der Pokal! 
Und ach! Die Liebe selbst? Erwart ich noch vielleicht 
Befriedigung von ihr, die mir den Frieden stahl? 
Du aber, wer du seist, o send in meine Brust, 
Wie einen glühnden Pfeil, den schöpferischen Strahl! 
Dann ist die Seele voll und eingelullt der Schmerz, 
Das Ich, es fühlt sich frei, wiewohl ihm fehlt die Wahl! 
Und wenn der Lipp' entstürzt in Strömen der Gesang, 
Verbindet Welt und Ich sein silberner Kanal. 

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5. O süßer Tod  [sung text checked 1 time]

O süßer Tod, der alle Menschen schrecket,
Von mir empfingst du lauter Huldigungen:
Wie hab ich brünstig oft nach dir gerungen,
Nach deinem Schlummer, welchen nichts erwecket!

Ihr Schläfer ihr, von Erde zugedecket,
Von ew'gen Wiegenliedern eingesungen,
Habt ihr den Kelch des Lebens froh geschwungen,
Der mir allein vielleicht [wie]1 Galle schmecket?

Auch euch, befürcht ich, hat die Welt betöret,
Vereitelt wurden eure besten Taten,
Und eure liebsten Hoffnungen zerstöret.

Drum selig Alle, die den Tod erbaten,
Ihr Sehnen ward gestillt, ihr Flehn [erhöret]2,
Denn jedes Herz zerhackt [zuletzt]3 ein Spaten.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von August Grafen von Platen, Verlag der J.G.Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen, 1828, page 229.

1 Marx: "nach"
2 Marx: "ward erhört"
3 Marx: "zum Schluß"

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6. Aus einem Chor des Sophokles  [sung text checked 1 time]

Nicht gezeugt sein, wäre das beste Schicksal, 
Oder doch früh sterben in zarter Kindheit: 
Wächst zum Jüngling einer empor, verfolgt ihn 
Üppige Torheit, 

Während Mißgunst, Streit und Gefahr und Haß ihm 
Quälend nahn; reift vollends hinan zum Greis er, 
Jede Schmach muß dulden er dann, vereinzelt 
Stehend und kraftlos. 

Stets umdroht uns Flutengedräng und schleudert 
Hart an steilabfallenden Klippenstrand uns, 
Mag der Süd nun peitschen die Woge, mag sie 
Schwellen der Nordsturm.

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7. Antwort  [sung text checked 1 time]

Was soll dies kindische Verzagen, 
Dies eitle Wünschen ohne Halt? 
Da du der Welt nicht kannst entsagen, 
Erobre dir sie mit Gewalt. 

Und könntest du dich auch entfernen, 
Es triebe Sehnsucht dich zurück; 
Denn ach, die Menschen lieben lernen, 
Es ist das einz'ge wahre Glück! 

Unwiderruflich dorrt die Blüte, 
Unwiderruflich wächst das Kind, 
Abgründe liegen im Gemüte, 
Die tiefer als die Hölle sind. 

Du siehst sie, doch du fliehst vorüber, 
Im glücklichen, im ernsten Lauf, 
Dem frohen Tage folgt ein trüber, 
Doch alles wiegt zuletzt sich auf. 

Und wie der Mond, im leichten Schweben, 
Bald rein und bald in Wolken steht, 
So schwinde wechselnd Dir das Leben, 
Bis es in Wellen untergeht! 

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