Zwölf Lieder mit Clavierbegleitung

by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802)

Word count: 830

. Lied aus der Ferne [sung text checked 1 time]

[Wann]1, in des Abends letztem [Scheine]2,
  Dir eine [lächelnde]3 Gestalt,
Am Rasensitz im Eichenhaine,
  Mit Wink und Gruß vorüberwallt:
Das ist des Freundes treuer Geist,
Der Freud' und Frieden dir verheißt.

[Wann]1 in des Mondes Dämmerlichte
  Sich deiner Liebe Traum verschönt,
Durch Cytisus und Weymutsfichte
  Melodisches Gesäusel tönt,
Und [Ahndung]4 dir den Busen hebt:
Das ist mein Geist der dich umschwebt.

Fühlst du, beim seligen Verlieren
  In des Vergangnen Zauberland,
Ein lindes, geistiges Berühren,
  Wie Zephyrs Kuß, an Lipp' und Hand,
Und wankt der Kerze flatternd Licht:
Das ist mein Geist, o zweifle nicht!

Hörst du, beim Silberglanz der Sterne,
  Leis' im verschwiegnen Kämmerlein,
Gleich Aeolsharfen aus der Ferne,
  Das Bundeswort: Auf ewig dein!
Dann schlummre sanft; es ist mein Geist,
Der Freud' und Frieden dir verheißt.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802), published [1797] [ voice and piano ], Leipzig, Schmiedt & Rau
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Confirmed with Gedichte von Friedrich Matthisson Dritte vermehrte Auflage. Zürich, 1794 bey Orell, Gessner, Füssli & Comp., pages 133-134; and with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, pages 274-275.

First published in Musen-Almanach für 1794, herausgegeben von Joh. Heinr. Voß, Hamburg, bey C.E.Bohn, pages 86-87.

1 Matthisson (1811 edition), and Giuliani, Nägeli, Pilz, Schubert: "Wenn".
2 Schubert (2nd version): "Hauche"
3 Zelter: "liebende"
4 Giuliani, Zelter: "Ahnung"

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

. Adelaide [sung text checked 1 time]

Einsam wandelt dein Freund im Frühlingsgarten,
Mild vom lieblichen Zauberlicht umflossen,
Das durch wankende Blüthenzweige zittert,
Adelaide!

In der spiegelnden Fluth, im Schnee der Alpen,
In des sinkenden Tages [Goldgewölken]1,
Im Gefilde der Sterne stralt dein Bildniß,
Adelaide!

Abendlüftchen im zarten Laube flüstern,
Silberglöckchen des Mais im Grase säuseln,
Wellen rauschen und Nachtigallen flöten:
Adelaide!

Einst, o Wunder! entblüht, auf meinem Grabe,
Eine Blume der Asche meines Herzens;
Deutlich schimmert auf jedem Purpurblättchen:
Adelaide!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802), published [1797] [ voice and piano ], Leipzig, Schmiedt & Rau
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Confirmed with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, page 144, and with Friedrich von Matthisson, Gedichte, fifteenth edition, Orell, Füßli, & Co., 1851, pages 94-95.

First published in Musen-Almanach für 1790, herausgegeben von Joh. Heinr. Voß, Hamburg, bei C.E.Bohn, pages 65-66.

1 Beethoven, Gerson, and Schubert : "Goldgewölke"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull , Peter Rastl [Guest Editor]

. Minnelied [sung text checked 1 time]

  Der Holdseligen 
    Sonder Wank
  Sing' ich fröhlichen 
    Minnesang,
  Denn die Reine, 
  Die ich meine
Giebt mir lieblichen Habedank.
 
  Ach! bin inniglich 
    Minnewund!
  Gar zu minniglich 
    Dankt ihr Mund;
  Lacht so grüsslich, 
  Und so küsslich,
Daß mir's bebt in des Herzens Grund!
 
  Gleich der sonnigen 
    Veilchenau'
  Glänzt der Wonnigen 
  Augen Blau;
    Frisch und ründchen 
  Ist ihr Mündchen,
Wie die knospenden Ros' im Tau.
 
  Ihrer Wängelein 
    Lichtes Rot
  Hat kein Engelein, 
    So mir Gott !
  Eia! säß' ich 
  Unablässlig
Bei der Preißlichen bis zum Tod.

Authorship

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Set by by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802), published [1797] [ voice and piano ], Leipzig, Schmiedt & Rau; confirmed with a CD booklet

Confirmed with Deutsche Nationalliteratur, Band 49, Stuttgart [o.J.], pages 233-234.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

. An den Genius der Menschlichkeit [sung text checked 1 time]

Hinweg, wer kühn ins Heiligthum,
Unreines Herzens, drang!
Des Weins Erschaffer, ihm zum Ruhm
Ertönt der Hochgesang!
Es bebt der Saal in Götterglanz!
Heil, Heil dir! guter Geist,
Der uns, entwöhnt des niedern Tands,
Durch Sturm und Wolken reißt!

[ ... ]

O weh' ihm, wessen Hand ein Glied
Der Kette frech zerreißt,
Die sanft empor zur Gottheit zieht
Des Göttersohnes Geist!
Ein Thier des Feldes, wühlt er nur
Nach schnöder Sättigung;
Ihn labte nie dein Reiz, Natur,
Ihn nie des Liedes Schwung!

Heil, Heil! erhabner Genius
Der edlern Menschlichkeit,
Der Sinn' und Herzen zum Genuß
Urreiner Schöne weiht!
Dir schwören wir beim Feiertrank
Von neuem Biedermut;
Und laut ertönts im Hochgesang:
Seid menschlich, froh und gut!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802), stanzas 1,7-8 [ voice and piano ], Leipzig, Schmiedt & Rau; confirmed with a CD booklet

Confirmed with Gedichte von Johann Heinrich Voss, Zweiter Band, Königsberg, bei Friederich Nicolovius, 1795, pages 169-172.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor]

. Die Spinnerin [sung text not yet checked]

Ich saß und spann vor meiner Thür;
Da kam ein junger Mann gegangen.
Sein braunes Auge lachte mir,
Und röther glühten seine Wangen.
Ich sah vom Rocken, auf und sann,
Und saß verschämt, und spann und spann.
 
Gar freundlich bot er guten Tag
Und trat mit holder Scheu mir näher.
Mir ward so angst; der Faden brach;
Das Herz im Busen schlug mir höher.
Betroffen [knüpft']1 ich wieder an
Und saß verschämt, und spann und spann.
 
Liebkosend drückt' er mir die Hand,
Und schwur, daß keine Hand ihr gleiche,
Die schönste nicht im ganzen Land',
An Schwanenweis' und Ründ' und Weiche.
Wie sehr dies Lob mein Herz gewann;
Ich saß verschämt, und spann und spann.
 
Auf meinen Stuhl er lehnt' den Arm
Und rühmte sehr das feine Fädchen,
Sein naher Mund, so roth und warm,
Wie zärtlich haucht' er: [Süßes]2 Mädchen!
Wie blickte mich sein Auge an!
Ich saß verschämt, und spann und spann.
 
Indeß an meiner Wange her
Sein [schönes]3 Angesicht sich bückte,
Begegnet' ihm von Ohngefähr
Mein Haupt, das sanft im Spinnen nickte;
Da küßte mich der schöne Mann.
Ich saß verschämt, und spann und spann.
 
Mit großem Ernst verwies ichs ihm;
Doch ward er kühner stets und freier,
Umarmte mich mit Ungestüm,
Und küßte mich so roth wie Feuer.
[O sagt mir, Schwestern, sagt mir]4 an:
Wars möglich, daß ich weiter spann?

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Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Set by by Johann Rudolf Zumsteeg (1760 - 1802), published 1797 [ voice and piano ], Leipzig, Schmiedt & Rau
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1 Harder: "dreht'"
2 Harder: "liebes"
3 Harder: "holdes"
4 Harder: "Sagt Schwestern, saget selber"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]