Zwölf Deutsche Lieder mit Begleitung des Forte-Piano - 3. Sammlung

by Johann Xaver Sterkel (1750 - 1817)

Word count: 1460

1. Gewalt der Tonkunst [sung text not yet checked]

Wenn tauber Schmerz die Seele nagt,
  Und öder Nebel sie umfängt,
Und bangend sie nach Troste fragt,
  Und stets in sich zurück sich drängt:
Musik mit einem Himmelsschall
Hebt sie empor vom Nebelthal.

Wenn unser Herz in Freude schwimmt,
  Und sich in Freude bald verliehrt;
Musik das Herz voll Taumel nimmt,
  Und sanft in sich zurück es führt.
Verschmelzt es sanft in Lieb' und Pein
Und läßt's vor Gott im Himmel seyn.

Im Himmel labt der Töne Trank
  Den Durst der Pilger dieser Zeit;
Im Himmel kränzet Lobgesang
  Mit Kränzen der Unsterblichkeit;
Die Sterne dort im Jubelgang
Frohlocken Einen Lobgesang.

O Himmelsgab' ! O Labetrank !
  Dem matten Waller dieser Zeit,
Geschenk, das aus der Höhe sank,
  Zu lindern unser Erdenleid,
Sey, wenn mein Schifflein sich verirrt,
Mir, was der Stern dem Schiffer wird.

Authorship

Based on

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The power of music", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Johann Gottfried von Herder’s sämmtliche Werke. Zur schönen Literatur und Kunst, Siebenter Theil, Stimmen der Völker in Liedern, Gesammelt, geordnet, zum Theil übersetzt durch Johann Gottfried von Herder, Neu herausgegeben durch Johann von Müller, Erste Abtheilung, Stuttgart und Tübingen: in der J.G. Cotta'schen Buchhandlung, 1828, pages 105-106.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Der Nachruhm [sung text not yet checked]

Mich reizet nicht des Ruhmes Schall,
Der aus Posaunen tönt,
Den jeder leise Wiederhall
Im stillen Thal verhöhnt. 
Ein Ruhm, der wie der Sturmwind braust,
Ist selbst ein Sturm, der bald versaust. 

Mich reizet mehr der Silberton,
Der unbelauschet klingt,
Und meiner Muse schönsten Lohn,
Den Dank des Herzens singt,
Die Thräne, die dem Aug' entfließt
Und mich mit Bruderliebe grüßt.

Nicht Allen gönnte die Natur
Das allgepries'ne Glück,
Zu bilden aus des Schöpfers Spur
Ein ew'ges Meisterstück,
Das, ein vollkommnes seiner Art,
Der Nachwelt stetes Muster ward; 

An dem, im Anblick noch entzückt,   
Der späte Schüler steht
Und in des Meisters Seele blickt
Und stumm von dannen geht;
Indeß sein Herz den seltnen Geist
Mit lautem Puls glückselig preist.

Wir schwimmen in dem Strom der Zeit
Auf Welle Welle fort,
Das Meer der Allvergessenheit
Ist unser letzter Ort;
Genug, wenn Welle Welle trieb
Und ohne Namen Wirkung blieb. 

Wenn dann auch in der Zeiten Bau
Mich bald ihr Schutt begräbt,
Und meine Kraft auf Gottes Au
In andern Blumen lebt,
Und mein Gedanke mit zum Geist
Vollendender Gedanken fleußt. 

Schön ist's, von Allen anerkannt,
Sich allgelobt zu sehn;
Doch schöner noch, auch ungenannt,
Wohlthätig fest zu stehn.
Verdienst ist meines Stolzes Neid
Und bei Verdienst Unsichbarkeit. 

So nennet Gottes Creatur
Nur schweigend seinen Ruhm;
Sie blüht in wirkender Natur,
Ihr selbst ein Eigenthum.
Der Schöpfer zeigt sich nicht, und kühn
Verkennt der Thor und läugnet ihn. 

Authorship

Confirmed with Joh. Gottfr. v. Herder's Gedichte, Stuttgart und Tübingen: in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1836. Appears in Erstes Buch. Erste Abtheilung. Bilder und Träume, pages 35 - 36.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

3. Das Lied vom Schmetterlinge [sung text not yet checked]

  Liebes, leichtes, luft'ges Ding, 
Schmetterling,
Das da über Blumen schwebet,
Nur von Tau und Blüten lebet,
Blüte selbst, ein fliegend Blatt,
Das mit welchem Rosenfinger!
Wer bepurpurt hat.

  War's ein Sylphe, der dein Kleid
So bestreut?
Dich aus Morgenduft gewebet,
Nur auf Tage dich belebet?
Seelchen, und dein kleines Herz
Pocht da unter meinem Finger,
Fühlet Todesschmerz.

  Fleuch dahin, o Seelchen, sei 
Froh und frei,
Mir ein Bild, was ich sein werde,
Wenn die Raupe dieser Erde
Auch wie du ein Zephyr ist,
Und in Duft und Tau und Honig
Jede Blüte küßt.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Herders Volkslieder, ed. Carl Redlich, Berlin: Weidmannsche Buchhandlung, 1885, page 348.


Research team for this text: John H. Campbell , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Die Biene [sung text not yet checked]

Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schäferlustbarkeiten
Auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Göttern
Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klüger.
Der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mädchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus, und stach.

Authorship

Confirmed with Gotthold Ephraim Lessing, Sämtliche Gedichte, Stuttgart, Philipp Reclam jun., 1987.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. An Minna [sung text checked 1 time]

Die Sonne sinkt,
der Abend winkt,
komm, Minna, komm mit mir!
Durchwandle nicht beim Mondenschein
nur immer deine Flur allein;
denn sieh nur da:
Die Sternlein ja
begleiten ihn auch hier.

Es ist so schön,
vereint zu geh'n
am kühlen Bach und Hain;
doch unser Garten, unser Feld,
das wir am Tage erst bestellt:
Die Freuden, die -
o fühle sie! -
hast du nicht so allein.

Du eilest nur
auf deiner Flur,
siehst manches Blümlein nicht,
siehst nicht des Abendsternes Pracht,
eilst bald davon und scheust die Nacht,
wenn Mond und Stern
nun ziehen fern
samt ihrem holden Licht.

Drum schließe dich
nur fest an mich!
Beu', Traute, mir die Hand!
Vereint dann wallen furchtlos wir
durch uns'res Waldes Lustrevier.
O wohl dann mir!
Dank, Liebe, dir,
dass ich einst Minna fand!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

6. Hänschens Empfindung bei den vier Jahreszeiten [sung text checked 1 time]

O des wunderschönen Lenzen
freu' ich herzlich mich,
denn er ruft zu Spiel und Tänzen,
malt die Flur mit bunten Kränzen
hold und wonniglich.

Doch im Sommer durch die blauen
Wiesentale geh'n
und die segenschweren, grauen
Ährenfelder überschauen,
o, auch das ist schön.

Und im Herbste Trauben pflücken
für lieb' Ännelein,
ihr mit Obst das Körbchen schmücken
und sie warm an Busen drücken,
was kann schöner sein?

Doch im Winter soll die Freude
erst vollkommen sein!
Stirbt gleich Hain und Flur und Heide,
schön ist's doch an Liebchens Seite,
dann ist Ännchen mein.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

7. Abendlied [sung text not yet checked]

Und wenn sich einst die Seele schließt,
Wie diese Abendblume:
Wenn alles um sie Dämm’rung ist,
Von Lebens Licht und Ruhme:
Und ihre letzten Blick’ umher,
Ihr kalte Schatten scheinen;
O Jüngling, wirst du auch so schwer,
Wie diese Blume weinen.

(War deiner holden Jugend Saft
In öde Luft verhauchet,
Verblüht die Blüte, Lebenskraft
Auf immer mißgebrauchet;
Und deine letzten Blick’ umher
Dich alle reu [?] entfärben:
O Jüngling, bleibt dir etwas mehr
Als trostverschmachtet sterben.)

Macht seine große Allmacht je
Geschehnes ungeschehn!
Und stillt sie auch das stille Weh,
sich selbst beschämt zu sehn!
Und wächst und wächst nicht jeder Tat
Der Keim so tief verborgen!
Wer gibt, wer schafft mir neuen Rat
Nach einer Jugend Morgen!

(Und holder Schlaf, den schlafest du,
Gibt neuen Jugend Morgen,
Bist Labetrunk und Schattenruh,
Bist Labsal aller Sorgen,
Bist Todes Bruder! O wie schön
Sich sein und nicht sein Grenzen:
Wie frisch wir meine Abendträn
Am frühen Morgen glänzen.)

Und nach den Tod es wird uns sein
Als nach des Rausches Schlummer.
Verraucht, verschlummert Lebens Pein
Und Schmerz und Reu’ und Kummer,
o Tod, o Schlaf der dich erfand
Erfand der Menschheit Segen
Breit aus auf mich dein Schlafgewand.
Zur Ruhe mich zu legen.

Denn was war unsre Lebenszeit
Auch unsre Zeit der Freuden,
Ein Strudel voll Mühseligkeit
Ein Wirbel süßer Leiden,
Ein ew’ger Taumel! Holder Schlaf
Zu neuen Freudenmahle
Für alles, was auch heut mich traf
Gib mir die Labeschale.

Authorship

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Researcher for this text: Joachim Fischer

8. Der Gewinn des Lebens [sung text not yet checked]

Am kühlen Bach, am luft'gen Baum
Träum' ich nun meines Lebens Traum,
Und mag nicht wissen, ob die Welt,
Wie ich mir träume, sei bestellt;
Denn ach, ist Der wol mehr beglückt,
Der, daß sie nicht so sei, erblickt?

Ich ging einmal der Weisheit nach
Und hörte, was die Weisheit sprach.
Sie sprach so viel- und mancherlei,
Was einst die Welt gewesen sei
Und jetzt nicht ist und, sehr verirrt,
Wol nimmer, nimmer werden wird.

Ich grämte mich und ging im Gram,
Als mir der Ruhm entgegen kam.
«Dir,» sprach er, «Sohn, Dir ist beschert,
Zu räumen weg, was Dich, beschwert.»
Ich räumte, wollte vor mich sehn;
Allein die Felsen blieben stehn.

Ermattet, ohne Gram und Zorn,
Sucht' ich nun Rosen unterm Dorn.
Die Rosen, ach! entfärbten sich,
Und ihre Dornen stachen mich;
Zwei Knöspchen unter allen hier,
Lieb' und die Freundschaft, blieben mir.

Am kühlen Bach, am luft'gen Baum
Träum' ich nun meines Lebens Traum.
Die beiden Knöspchen pfleg' ich mir
Und weihe sie, o Sonne, Dir!
Komm, kühler Bach, erquicke sie!
Komm, süßes Lüftchen, stärke sie!

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

9. Auf einen Geburtstag [sung text not yet checked]

Hirtin, schön, wie Hespers Blicke,
Lieblich, wie der West,
Zürne nicht,
Dass ich an deinem Fest
Keine jungen Veilchen schicke. 

Wo du durch die grünen Fluren
Hinter Lämmern gehst,
Und am Bach
Sie zu tränken stille stehst,
Blühn sie ja auf deinen Spuren.

Authorship

Confirmed with Vermischte Gedichte von Johann Nikolas Götz, erster Theil, Mannheim: in der Schwanischen Hofbuchhandlung, 1785. page 81.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

10. Die Klugheit [sung text not yet checked]

Ja Damon, ich verstehe dich! 
Du suchst mir einen Kuß zu rauben? 
Gut! einen will ich dir erlauben! 
Doch sey auch klug! verstehst du mich? 

Der Strauß am Busen reizet dich? 
Ich seh, du wünschest ihn zu rauben? 
Wohl, ich will Dir auch dieß erlauben: 
Doch sey auch klug! verstehst du mich? 

Du sehnest nach den Schatten dich, 
Und siehst dich um nach jenen Lauben? 
Komm, führ mich hin, ich will Dirs glauben: 
Doch sey auch klug! verstehst Du mich? 

Authorship

Confirmed with C. Weisse, Scherzhafte Lieder, Dritte, vermehrte und verbesserte Auflage, Leipzig, bey M. G. Weidemanns Erben und Reich, 1763, page 138.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Der Frühling [sung text not yet checked]

Siehe, mein Röschen, der Frühling ist da;
Freuden die Fülle sind ferne, sind nah;
Blumen entspringen;
Vögelein singen,
Daß die Gebürg' und die Thäler erklingen.

Laß uns besuchen den seligen Plan,
Wo wir uns beide das erste Mal sahn:
Blumen entsprangen;
Vögelein sangen,
Daß die Gebürg' und die Thäler erklangen.

Aber ich wandelte traurig einher,
Fühlte die Freuden des Maien nicht mehr,
Blickte danieder;
Blumen und Lieder
Waren dem liebenden Jüngling zuwider.

Bis du mein einsames Klagen gehört,
Und mir die Thränen in Lachen verkehrt.
Jetzo erfreuen
Wieder von neuen
Mich die gesegneten Tage des Maien.

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

12. Gesang und Gegengesang [sung text not yet checked]

Gereizt von Lenz und Jugendlust,
Warf ich mich an Thamirens Brust,
Und sang, was ich nicht sprechen können:
"Thamire, lindre meine Pein!
Du lehrtest mich von Liebe brennen, 
O!  Lehre mich auch glücklich sein!" 

Das Blut der reinen Unschuld drang 
Ihr in die Wangen;  und sie sang: 
"Das Feuer jugendliche Triebe
Wird durch die Weigrung angefacht;
Der warme Freund verliert die Liebe,
Wenn ihn die Freundin glücklich macht."

Authorship

Confirmed with Moses Mendelssohn's gesammelte Schriften in sieben Bänden, sechster Band, Leipzig: F. A. Brockhaus, 1845. Appears in Gedichte, page 404.


Researcher for this text: Melanie Trumbull