Gesänge nach Gedichten von Friedrich Hölderlin

Song Cycle by Viktor Ullmann (1898 - 1944)

Word count: 262

English translation: Songs after poems by Friedrich Hölderlin
French (Français) translation: Lieder d'après Hölderlin

1. Wo bist du? [sung text checked 1 time]

Wo bist du? trunken dämmert die Seele mir
  [Von all deiner]1 Wonne; denn eben ist's,
    Daß ich gelauscht, wie goldner Töne
      Voll der entzückende Sonnenjüngling

Sein Abendlied auf himmlischer Leier spielt';
  Es tönten rings die Wälder und Hügel nach.
    Doch fern ist er zu frommen Völkern,
      Die ihn noch ehren, hinweggegangen.

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  • ENG English (John H. Campbell) , "Where are you? Drunkenly my soul awakens", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Où es-tu ?", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Coucher de soleil", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Friedrich Hölderlin, Sämtliche Gedichte und Hyperion, Frankfurt am Main: Insel Verlag, 1999, page 203.

1 Cornelius: "nach allen deinen"; Apostel, Greif, Hauer: "Von aller deiner"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Der Frühling [sung text not yet checked]

Wenn auf Gefilden neues Entzücken keimt
Und sich die Ansicht wieder verschönt und sich
An Bergen, wo die Bäume grünen,
Hellere Lüfte, Gewölke zeigen,

O! welche Freude haben die Menschen! froh
Gehn an Gestaden Einsame, Ruh' und Lust
Und Wonne der Gesundheit blühet,
Freundliches Lachen ist auch nicht ferne.

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  • ENG English (John Glenn Paton) , "Spring", copyright © 1994, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le printemps", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Michael Komma

3. Abendphantasie [sung text checked 1 time]

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren [jetzt]1 die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten fröhlich verrauscht des Markts
[Geschäftiger]2 Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühen die Rosen, und ruhig scheint
Die goldene Welt; o dorthin nehmt mich,
Purpurne Wolken! und möge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid'!
Doch, wie verscheucht von törichter Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wird's und einsam
[ Unter dem Himmel, wie immer, bin ich - ]3

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Evening fantasy", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Fantaisie du soir", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Fantaisie pour le soir", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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1 in some editions of Hölderlin: "izt"
2 Greif: "Geschäft'ger"
3 omitted by Ligeti.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]