19 Gedichte deutscher Dichter, Heft III

by Felix Josef Mottl (1856 - 1911)

Word count: 637

1. Die Nachtigallen [sung text not yet checked]

Möcht wissen, was sie schlagen
So schön bei der Nacht,
's ist in der Welt ja doch niemand,
Der mit ihnen wacht.

Und die Wolken, die reisen,
Und das Land ist so blaß,
Und die Nacht [wandert]1 leise
Durch den Wald übers Gras.

Nacht, Wolken, wohin sie gehen,
Ich weiß es recht gut,
Liegt ein Grund hinter den Höhen,
Wo meine Liebste jetzt ruht.

Zieht der Einsiedel sein Glöcklein,
Sie höret es nicht,
Es fallen ihre Löcklein
Übers ganze Gesicht.

Und daß sie niemand [erschrecket]2,
Der liebe Gott hat sie hier
Ganz mit Mondschein bedecket,
Da träumt sie von mir.

Authorship

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  • ENG English (Jakob Kellner) , "I would like to know what they sing", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John Glenn Paton) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les rossignols", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 some versions of Eichendorff (and Franz and Pfitzner): "wandelt"
2 Herzogenberg: "wecket"

Researcher for this text: Jakob Kellner

2. Winternacht [sung text not yet checked]

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee.
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.

Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix' herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.

Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe vor mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit, Glied um Glied.

Mit ersticktem Jammer tastet' sie
An der harten Decke her und hin,
Ich vergeß' das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn.

Authorship

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Winter night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "On n'entend pas un chant d'oiseau au monde", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. In den Sternen [sung text checked 1 time]

Einsam las ich oft da droben,
wenn das Sternheer stille kreiste,
und der eig'nen Lebensbahnen
dacht' ich dann im dunklen Geiste.

Vieles tat ich, aber Eines
tat ich, was ich nie verschmerze:
Dass ich deiner konnt' vergessen,
da mich lieb gehabt dein Herze.

Dass ich's nicht erkennen wollte,
von den Qualen, von den bösen
Geistern einer wilden Seele
kann die Liebe nur erlösen!

Und doch strahlte mir dein Auge
wie ein letzter Strahl der Gnade;
also las ich in den Sternen,
nun sind sternlos meine Pfade!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

4. Zum Abschied [sung text not yet checked]

Ich [geb']1 dem Schicksal dich zurück,
Von dem ich dich empfangen habe,
Geliebte! -- Doch du weißt es nicht,
Was ich mit deinem Bild begrabe.

Dafür gibt es kein Menschenwort!
Was aus der Brust mir ward genommen,
Es ist nicht Hoffnung ist nicht Trost,
Denn alles das kann wieder kommen.

Es ist ein Etwas wunderbar,
Das ewig schwindet aus dem Herzen --
Wenn uns die erste Täuschung trifft!
Ein Etwas, das wir nie verschmerzen,

Das Gott uns in die Wiege legt
Als [unsrer Jugend]2 Morgengabe.
Geliebte! -- O du weißt es nicht
Was ich mit deinem Bild begrabe!

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Karl Stielers Werke, Fünf Teile in einem Band, ausgewählt und herausgegeben von Karl Quenzel, Zweiter Teil. Hochlandslieder, Leipzig: Hesse & Becker Verlag, [1916], page 62

1 Lang: "gab"
2 Lang: "uns'res Lebens"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Du bist so still, so sanft, so sinnig [sung text not yet checked]

Du bist so [still]1, so sanft, so [sinnig]2,
Und schau' ich dir in's Angesicht,
Da leuchtet mir verständnißinnig
Der dunkeln Augen frommes Licht.

Nicht Worte giebst du dem Gefühle,
Du redest nicht, du lächelst nur;
So lächelt in des Abends Kühle
Der lichte Mond auf Wald und Flur.

In Traumesdämmerung allmählich
Zerrinnt die ganze Seele mir,
Und nur das Eine fühl' ich selig,
Daß ich vereinigt bin mit dir.

Authorship

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1 Wölfl: "hold"
2 Petri, Rosenhain, Wölfl: "innig"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Dein Bildniss [sung text not yet checked]

Halb Dämmerschein, halb Kerzenlicht
Sich um dein liebes Bildnis flicht;

Da fallen mir Gedanken ein,
Halb Kerzenlicht, halb Dämmerschein:

Halb Dämmerschein, o Küssenszeit!
Halb Kerzenlicht, o Brautgeleit!

Es kommt die Zeit, o zage nicht,
Daß uns der Wonne Kranz umflicht,

Wo heimlich traut uns hüllet ein -
Halb Kerzenlicht, halb Dämmerschein!

Authorship

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Researcher for this text: Bertram Kottmann

7. Du wähnst mich fromm! [sung text not yet checked]

Du wähnst mich fromm, du wähnst mich weise,
Und heißest arglos mich dir nah'n,
Du glaubst, in deines Lebens Gleise,
Lustwilde Wünsche abgetan. 

Und ahnest nicht, wenn still mein Auge
Sich in dein reines taucht,
Wie brünstig ich den Odem sauge,
Den mir dein Leib entgegen haucht. 

Wie bei der Rede sanftem Klügeln
Mein Fuß in Grimm den Boden stampft,
Wie seinen Flammendrang zu zügeln,
Mein Wesen sich zusammen krampft. 

Gib Acht, und banne das Begehren,
Das qualvoll mir im Herzen loht,
Denn deinen Frieden zu verheeren,
Naht schon die wilde süße Not.  

Authorship

Confirmed with Das Magazin für Litteratur des In- und Auslandes: Wochenscrift der Weltlitteratur, achtundfünfzigster Jahrgang, ed. by K. von Schlieben, Dresden: selbstverlag, 1890. Appears in issue no. 40, dated 4 Oktober 1890, page 629.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

8. Erwachen [sung text not yet checked]

Allnächtlich bin ich aufgewacht, 
Ich weiß es nicht weswegen; 
In wunderstiller Sternennacht, 
In Nacht voll Sturm und Regen. 

Und traurig senk' ich dann den Blick,
Den wilden hoffnungslosen --
Ich denk' an Unschuld und an Glück 
Und an zerpflückte Rosen! 

Authorship

Confirmed with Hochland-Lieder von Karl Stieler, Stuttgart, Meyer & Zeller's Verlag (Friedrich Vogel), 1879, page 155.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]