Hölderlin-Lieder: Zweiter Zyklus

Song Cycle by Wilhelm Killmayer (1927 - 2017)

Word count: 1482

1. Der Frühling V [sung text checked 1 time]

Es kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter,
Der Morgen der erwacht ist aus den Dämmerungen,
Er lacht die Menschheit an, geschmückt und munter,
von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen.

Ein neues Leben will der Zukunft sich enthüllen,
Mit Blüten scheint, dem Zeichen froher Tage,
Das große Tal, die Erde sich zu füllen,
Entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage.

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  • ENG English (Linda Godry) , "The Spring", copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Note: the original poem is signed: "Mit Untertänigkeit Scardanelli, d: 3ten März 1648.". [Note added by Sharon Krebs, August 6, 2008]. In his madness Hölderlin seemed convinced sometimes that his name was Scardanelli. [Note added by Emily Ezust, August 6, 2008]

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2. Der Frühling VI [sung text checked 1 time]

Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben,
Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben
Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder
Und festlich machen sich Gesang und Lieder.

Das Leben findet sich aus Harmonie der Zeiten,
Daß immerdar den Sinn Natur und Geist geleiten,
Und die Vollkommenheit ist Eines in dem Geiste,
So findet vieles sich, und aus Natur das Meiste.

Authorship

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Beneath the poem is written "Mit Unterthänigkeit. Scardanelli.

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3. Der Frühling VII [sung text checked 1 time]

Die Sonne kehrt zu neuen Freuden wieder,
Der Tag erscheint mit Stralen, wie die Blüte,
Die Zierde der Natur erscheint sich dem Gemüte,
Als wie entstanden sind Gesang und Lieder.

Die neue Welt ist aus der Tale Grunde,
Und heiter ist des Frühlings Morgenstunde,
Aus Höhen glänzt der Tag, des Abends Leben
Ist der Betrachtung auch des innern Sinns gegeben.

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4. Der Sommer III [sung text checked 1 time]

Im Tale rinnt der Bach, die Berg' an hoher Seite,
Sie grünen weit umher an dieses Tales Breite,
Und Bäume mit dem Laube stehn gebreitet,
Daß fast verborgen dort der Bach hinunter gleitet.

So glänzt darob des schönen Sommers Sonne,
Daß fast zu eilen scheint des hellen Tages Wonne,
Der Abend mit der Frische kommt zu Ende,
Und trachtet, wie er das dem Menschen noch vollende.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Summer III", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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5. Der Sommer IV [sung text checked 1 time]

Wenn dann vorbei des Frühlings Blüte schwindet,
So ist der Sommer da, der um das Jahr sich windet.
Und wie der Bach das Tal hinuntergleitet,
So ist der Berge Pracht darum verbreitet.

Daß sich das Feld mit Pracht am meisten zeiget,
Ist, wie der Tag, der sich zum Abend neiget;
Wie so das Jahr enteilt, so sind des Sommers Stunden
Und Bilder der Natur dem Menschen oft verschwunden.

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6. Der Winter IV [sung text checked 1 time]

Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet
Der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen
Erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
Ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.

Der Erde Rund ist sichtbar von dem Himmel
Den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben
Wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel.
Und geistiger das weit gedehnte Leben.

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7. Freundschaft, Liebe [sung text checked 1 time]

Freundschaft, Liebe, Kirch und Heilge, Kreuze, Bilder,
Altar und Kanzel und Musik. Es tönet ihm die Predigt.
Die Kinderlehre scheint nach Tisch ein schlummernd müßig
Gespräch für Mann und Kind und Jungfraun, fromme Frauen;
Hernach geht er, der Herr, der Burgersmann und Künstler
Auf Feldern froh umher und heimatlichen Auen,
Die Jugend geht betrachtend auch.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Amitié, amour", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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8. Auf die Geburt eines Kindes [sung text checked 1 time]

Wie wird des Himmels Vater schauen
Mit Freude das erwachsne Kind,
Gehend auf blumenreichen Auen
Mit andern, welche lieb ihm sind.

Indessen freue dich des Lebens,
Aus einer guten Seele kommt
Die Schönheit herrlichen Bestrebens,
Göttlicher Grund dir mehr noch frommt.

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9. An meine Schwester [sung text checked 1 time]

Übernacht' ich im Dorf
Abluft
Straße hinunter
Haus Wiedersehn. Sonne der Heimat
Kahnfahrt,
Freunde Männer und Mutter,
Schlummer.

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10. Auf den Tod eines Kindes [sung text checked 1 time]

Die Schönheit ist den Kindern eigen,
Ist Gottes Ebenbild vielleicht;
Ihr Eigentum ist Ruh und Schweigen,
Das Engeln auch zum Lob gereicht.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "On the death of a child", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "La beauté", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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11. An Zimmern [sung text checked 1 time]

 Von einem Menschen sag ich, wenn der ist gut
   Und weise was bedarf er? Ist irgend eins
     Das einer Seele gnüget? ist ein Halm, ist
       Eine gereifeste Reb' auf Erden

 Gewachsen, die ihn nähre? Der Sinn ist deß
   Also. Ein Freund ist oft die Geliebte, viel
     Die Kunst. O Teurer, dir sag ich die Wahrheit.
       Dedalus Geist und des Walds ist deiner.

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À Zimmer", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Guy Laffaille [Guest Editor]

12. Die Linien des Lebens [sung text not yet checked]

Die Linien des Lebens sind verschieden,
Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.
Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen
Mit Harmonien und ewigen Lohn und Frieden.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Les línies de la vida", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , no title, copyright ©
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Les lignes de la vie", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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13. Nicht alle Tage [sung text checked 1 time]

Nicht alle Tage nennt die schönster der,
  Der sich zurücksehnt unter die Freuden wo
    Ihn Freunde liebten wo die Menschen
      Über dem Jüngling mit Gunst verweilten.

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14. Das Angenehme dieser Welt [sung text checked 1 time]

Das Angenehme dieser Welt hab' ich genossen,
[Die Jugendstunden sind]1, wie lang! wie lang! verflossen,
April und Mai und Julius sind ferne,
Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne!

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  • ENG English (John H. Campbell) , "I have enjoyed this agreeable world", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Hindemith: "Der Jugend Freuden"

Researcher for this text: Michael Komma

15. In lieblicher Bläue [sung text checked 1 time]

In lieblicher Bläue blühet 
mit dem metallenen Dache der Kirchturm. 
Den umschwebet Geschrei der Schwalben,
den umgiebt die rührendste Bläue. 
Die Sonne gehet hoch darüber und färbet das Blech, 
im Winde aber oben stille krähet die Fahne. 
Wenn einer unter der Glocke dann herabgeht, 
jene Treppen, ein stilles Leben ist es, 
weil, wenn abgesondert so sehr die Gestalt ist, 
die Bildsamkeit herauskommet dann des Menschen. 
Die Fenster, daraus die Glocken tönen,
sind wie Tore an Schönheit. 
Nehmlich, weil noch der Natur sind diese Tore, 
haben diese die Ähnlichkeit von Bäumen des Walds.
Reinheit aber ist auch Schönheit. 
Innen aus Verschiedenem entsteht ein ernster Geist. 
So sehr einfältig aber die Bilder, 
so sehr heilig sind die, daß man wirklich 
oft fürchtet, die zu beschreiben. 
Die Himmlischen aber, die immer gut sind,
alles zumal, wie Reiche, 
haben diese, Tugend und Freude.
Der Mensch darf das nachahmen. 
Darf, wenn lauter Mühe das Leben,
ein Mensch aufschauen und sagen: 
So will ich auch sein? Ja. 
So lange die Freundlichkeit noch 
am Herzen, die Reine, dauert, 
misset nicht unglücklich der Mensch 
sich mit der Gottheit. 
Ist unbekannt Gott?
Ist er offenbar wie der Himmel? 
Dieses glaub' ich eher.
Des Menschen Maaß ist's. 
Voll Verdienst, doch dichterisch, 
wohnet der Mensch auf dieser Erde. 
Doch reiner ist nicht der Schatten 
der Nacht mit den Sternen, 
wenn ich so sagen könnte, als der Mensch,
der heißet ein Bild der Gottheit.

[ ... ]

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "En un bleu adorable", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Note: this is a prose text consisting of three paragraphs. The line breaks are arbitrary.


Researcher for this text: Guy Laffaille [Guest Editor]

16. Der Mensch [sung text checked 1 time]

Wenn aus sich lebt der Mensch und wenn sein Rest sich zeiget,
So ist's, als wenn ein Tag sich Tagen unterscheidet,
Daß ausgezeichnet sich der Mensch zum Reste neiget,
Von der Natur getrennt und unbeneidet.

Als wie allein ist er im andern weiten Leben,
Wo rings der Frühlings grünt, der Sommer freundlich weilet
Bis daß das Jahr im Herbst hinunter eilet,
Und immerdar die Wolken uns umschweben.

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17. Wie Wolken [sung text checked 1 time]

 ...wie Wolken um die [Zeiten]1 legt...

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  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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1 Rihm "Zeit"

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18. Griechenland [sung text checked 1 time]

Wie Menschen sind, so ist das Leben prächtig,
Die Menschen sind der Natur ofters mächtig,
Das prächt'ge Land ist Menschen nicht verborgen
Mit Reiz erscheint der Abend und der Morgen.
Die offnen Felder sind als in der Erndte Tage
Mit Geistigkeit ist weit umher die alte Sage,
Und neues Leben kommt aus Menschheit wieder
So sinkt das Jahr mit einer Stille nieder.

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