6 Lieder für gemischten Chor

Song Cycle by Georg Wilhelm Rauchenecker (1844 - 1906)

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1. Die Rose [sung text checked 1 time]

Ich habe den Wind und die Wolke gefragt:
Warum doch blüht die Rose noch nicht?
Ich hab' es der Sonne mit Schmerzen geklagt:
Warum entziehst du der Rose dein Licht?

Ich bin in den Garten gegangen so oft:
Rose, so sieh doch, Alles ist grün!
Ich habe gewünscht und verlangt und gehofft:
Möchtest du, Rose, doch endlich erblühn!

Und laubiger wurde der Garten und dicht:
Rose, wo bist du? scholl es zu ihr.
Die Rose vernimmt's, was die Nachtigall spricht,
Schüchtern erblüht sie und blüht nun auch mir.

O sänge die Nachtigall immer ihr Lied,
Würde die Rose blühen noch heut.
Die Nachtigall schwieg und die Rose verschied,
Ach! und mein Sehnen ist wieder erneut.

Authorship

Researcher for this text: Harry Joelson

2. Wenn die Sonne hoch und heiter [sung text checked 1 time]

Wenn die Sonne [hoch]1 und heiter
Lächelt, wenn der Tag sich neigt,
Liebe bleibt die goldne Leiter,
Drauf das Herz zum Himmel steigt;

Ob der Jüngling sie empfinde,
Den es zur Geliebten zieht,
Ob die Mutter sie dem Kinde
Sing' als süßes Wiegenlied,

Ob der Freund dem Freund sie spende,
Den er fest im Arme hält,
Ob der hohe Greis sie wende
Auf den weiten Kreis der Welt,

Ob der Heimat sie der Streiter
Zolle, wenn er wund sich neigt:
Liebe bleibt die goldne Leiter,
Drauf das Herz zum Himmel steigt.

Authorship

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1 Sommer: "hell"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Harry Joelson

3. Stern, Blatt und Schwan [sung text checked 1 time]

Es fällt ein Stern herunter
Aus seiner funkelnden Höh;
Das ist der Stern der Liebe,
Den ich dort fallen seh.
 
Es fallen vom Apfelbaume,
Der [weißen]1 Blätter [so]2 viel,
Es kommen die neckenden [Lüfte]3,
Und treiben damit ihr Spiel.
 
Es singt der Schwan im [Weiher]4,
Und rudert auf und ab,
Und immer leiser singend,
Taucht er ins Flutengrab.
 
Es ist so still und dunkel!
Verweht ist Blatt und Blüt',
Der Stern ist knisternd zerstoben,
Verklungen das Schwanenlied.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Walter Meyer) , "A star is tumbling downward", copyright © 1996, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Charles Beltjens) , no title, appears in Intermezzo lyrique, no. 59, first published 1827
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Heinrich Heine, Buch der Lieder, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827, page 163.

1 Backer-Grøndahl, Cui, Gernsheim, Pfitzner: "Blüten und"
2 omitted by Backer-Grøndahl
3 Gernsheim: "Winde"
4 Gernsheim: "Wasser"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor] , Pierre Mathé [Guest Editor]

4. Fischerlied [sung text checked 1 time]

Das Fischergewerbe
[Giebt]1 rüstigen Muth!
Wir haben zum Erbe
Die Güter der Fluth.
Wir graben nicht Schätze,
Wir pflügen kein Feld;
Wir erndten im Netze,
Wir angeln uns Geld.

Wir heben die Reusen
Den Schilfbach entlang,
Und ruhn bei den Schleusen,
Zu sondern den Fang.
Goldweiden beschatten
Das moosige Dach;
Wir schlummern auf Matten
Im kühlen Gemach.

Mit rothen Korallen
Prangt Spiegel und Wand,
Den Estrich der Hallen
Deckt silberner Sand.
Das Gärtchen daneben
Grünt ländlich umzäunt
Von kreutzenden Stäben
Mit Baste vereint.

Im Antlitz der Buben
Lacht muthiger Sinn;
Sie meiden die Stuben
Bei Tagesbeginn;
Sie tauchen und schwimmen
Im eisigen See,
Und barfuß erklimmen
Sie Klippen voll Schnee.

Die Töchter [ergötzen]2
Sich Abends bei Licht,
[Wann]3 alles an Netzen
Und Maschenwerk flicht.
Oft wird mit Gelächter
Durchmustert das Dorf;
Die Mutter, als Wächter,
Schürt nickend den Torf.

Oft rudern wir ferne
Im wiegenden Kahn;
Dann blinken die Sterne
So freundlich uns an;
Der Mond [aus]4 den Höhen,
Der Mond [aus]4 dem Bach,
So schnell wir entflöhen,
Sie gleiten uns nach.

Wir trotzen dem Wetter,
Das finster uns droht,
[Wann]3 schöpfende Bretter
Kaum hemmen den Tod.
Wir trotzen auch Wogen
Auf krachendem Schiff,
In Tiefen gezogen,
Geschleudert ans Riff!

Der Herr, der in Stürmen
Der Mitternacht blitzt,
Vermag uns zu schirmen,
Und kennt, was uns nützt.
Gleich unter dem Flügel
Des Ewigen ruht
Der [Rasengruft Hügel]5,
Das Grab in der Fluth.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Visserslied", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , copyright ©
  • ENG English (Malcolm Wren) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "L'activité du pêcheur", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von J.G. von Salis. Neue Auflage. Zürich, bey Orell Füßli und Compagnie. 1808, pages 59-62; with Gedichte von J. G. von Salis. Gesammelt durch seinen Freund Friedrich Matthisson. Zürich, bey Orell, Gessner, Füssli und Compagnie. 1793, pages 71-74; and with Gedichte von J. G. von Salis. Neueste Auflage. Wien 1815. Bey B. Ph. Bauer, pages 54-56.

First published in Musen-Almanach für 1792. Herausgegeben von Joh. Heinr. Voß. Hamburg, bey C. E. Bohn, pages 96-99.

1 Lang: "bringt"
2 Salis (1792 and Wien 1815 edition), and Schubert: "ergetzen"
3 Salis (Wien 1815 edition), and Schubert: "Wenn"
4 Salis (1792 and 1793 editions), and Lang: "auf"
5 Salis (1792 edition): "Rasengrufthügel"

Note: Schubert (in his first setting, D. 351) terminates each stanza with the refrain "Tra la la la la la, tra la la la la".


Research team for this text: Richard Morris , Sharon Krebs [Guest Editor] , Peter Rastl [Guest Editor]

5. Stille [sung text checked 1 time]

In des Waldes jungem Haine
Steh' ich sinnend oft alleine
An dem kühlen Silberbach;
Und ich seh' die Wellen ziehen,
Leis' an mir vorüberfliehen,
Und ich seh' ihr träumend nach.

Ruhig, wie des Baches Welle,
Wie ihr Spiegel, rein und helle,
Lebt's im Busen, licht und wahr;
Wo vordem es heiß gestürmet,
Wogen aus dem Grund gethürmet,
Glänzt der Himmel mild und klar.

Du, mein Auge, blickest heiter
In die Welt, und immer weiter
Rankt empor der frische Muth;
Leise, nach des Baches Weise,
In der Unschuld süßem Gleise
Rieselt hin das kühle Blut.

O Natur, du hehre, milde,
Glich' ich deinem hohen Bilde
In des Lenzes Zauberschein!
In das heil'ge Waldesschweigen
Will zu dir empor ich steigen,
Und bei dir alleine sein!

Hier, wo sacht die Wellen rauschen,
Will ich mit dem Vogel lauschen
Deiner Stimme weichem Klang;
Hören in des Windes Wehen
Gottes leise Tritte gehen
Durch den grünen Schattengang.

Authorship

Researcher for this text: Harry Joelson

6. Im Gebirge [sung text checked 1 time]

Schon ist der Tag erschienen,
Die Berge werden klar,
Und ob den Gletschern segelt
Ein sonnentrunk'ner Aar.

Aus blauer Tiefe läutet
Der Sonntag milden Gruß,
Sein Engel schwebt vorüber
Mit sel'gem Friedenskuß.

An grasigen Sonnenhängen
Klettern die Heerden umher,
Die Alpenrosen duften
Vom Silberthau noch schwer.

Ich schaue hinaus in die Frühe
Vom höchsten Felsenhaupt,
Und schwing' in die himmlischen Lüfte
Den Hut von Zweigen umlaubt.

Die Berge, die Gletscher, die Seeen,
Die Wiesen, die Büsche, der Wald,
Sie stehen vor meiner Seele
In ewiger Lichtgestalt.

Authorship

Researcher for this text: Harry Joelson