Der Geiger - Fünf Lieder nach Texten von Hermann Hesse

Song Cycle by Richard Czelinski (1901 - 1969)

Word count: 436

1. Stradivari [sung text checked 1 time]

O wundervoller Meisterlaut,
Wie gibst du meinem Lustverlangen
Gleich einer schönen, zarten Braut
So scheu und zitternd dich gefangen!

O höchste, atemlose Lust,
Wenn deine Töne wachsend steigen,
Dich so zu halten Brust an Brust,
Du schlanke Königin der Geigen!

So süß, so warm aus tiefstem Grund,
So selig aus der Brust gesungen
Ist mir von keines Weibes Mund
Ein Liebeslaut ans Herz gedrungen.

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Confirmed with Hermann Hesse Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 47.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Con sordino [sung text checked 1 time]

Mir zittern die Saiten
Und stimmen die Weise an,
Die ich für dich vorzeiten,
Die ich für dich in einem Mai
Aus lauter Glück ersann.

Ich führe den Bogen
So scheu und leis gespannt,
Wie ich ihn [da]1 gezogen,
Da ich [in einer fernen]2 Nacht
Vor deinem Fenster stand.

Mein Herz ist beklommen
Von Liedern andrer Zeit --
Weiß Gott, wie das gekommen,
Daß mir aus deiner Liebe ward
So eitel Weh und Leid.

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Confirmed with Hermann Hesse Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 47-48.

1 J. Marx: "dort"
2 J. Marx: "in ferner"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Meiner Geige [sung text checked 1 time]

Du braunes Holz, behutsam leg'
Ich meine Hand an deine Wände,
Und prüfe Wirbel, Brett und Steg,
Ob ich kein neu Geheimnis fände.

Oft, wenn du glänzend von der Wand
Mich anblickst, scheint in dir zu rasten
Ein Ton, den noch mein Spiel nicht fand,
Den Menschenhände niemals faßten.

Oft auch beginnst du heimlich zart
In meinem Griffe zu erwarmen,
Als läg ein Freund seltsamer Art,
Ein Lieblingsfreund mir in den Armen.

Komm her! Sei noch einmal dem Drang
Der Schwermut so wie einst zu Willen,
Da du mir tröstend nächtelang
Die heiße Jugend halfest stillen!

Da war mein ängstlich fernes Ziel:
So, wie ich's heut' vermag, zu geigen . . .
O wäre mir und meinem Spiel
Noch jene keusche Jugend eigen!

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Confirmed with Hermann Hesse, Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 48-49.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Es geht kein Rauschen übers Feld [sung text checked 1 time]

Es geht kein Rauschen übers Feld,
Dem nicht mein Horchen nachgestellt
Sehnsüchtig, forschend, unverwandt,
Bis mir sein eigenster Laut bekannt.

Dann sucht mein Finger seinen Grund
Nachtastend auf und müht sich wund,
Den Dämmerlauten nachzugeigen,
Bis ihm der zarteste Ton zu eigen.

Es ist kein Weh in meiner Brust,
In meinem Traum kein Heimwehziel --
Es hat ans Tageslicht gemußt
Zu Schmuck und Zierrat meinem Spiel.

Auch Seufzer, Kuß und Liebeswort
Und was der Freund dem Freunde sagt,
Hab ich in meinen Dienst geplagt
Und weis ihm geigend seinen Ort.

Ich streiche ruhig auf und ab,
Und geb mein blutend Leben her
Und gebe, was noch keiner gab --
Mich aber freut mein Spiel nicht mehr.

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Confirmed with Hermann Hesse Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 49.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Ich habe nichts mehr zu sagen [sung text checked 1 time]

Ich habe nichts mehr zu sagen,
Ich habe alles gesagt.
Nun will ich klingend zum letzten Takt
Meine gute Geige zerschlagen.

Zerschlagen -- und wandern wieder
Ins Land, woher ich kam,
Wo ich in Jugendtagen vernahm
Den Traum vom Lied der Lieder.

Ihn träumen will ich wieder
Abseits und ganz allein --
Es muß voll tiefen Friedens sein,
Der Traum vom Lied der Lieder.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hermann Hesse Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, page 50.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]