Singuf. Rattenfängerlieder von Julius Wolff

Song Cycle by Hermann Brune (1856 - 1922)

Word count: 798

1. Zum Gruss  [sung text not yet checked]

Mit Hand und Herzen Gott zum Gruß,
Ihr lieben Leutchen alle!
Der Spielmann kommt mit leichtem Fuß,
Ob euch ein Lied gefalle.
Die Fiedel streich' ich jederzeit
Und blas' auch auf dem Rohre,
Zum Lautenschlag bin ich bereit
Vor wohlgeneigtem Ohre.

Ich will euch jetzo frisch gewagt
Etliche Stücklein singen,
Und wenn's, Vielwerthen, euch behagt,
Eins nach dem andern bringen.
Denn Lieder und Schanzunen viel
Und Aventiuren weiß ich,
Mein Tagwerk ist Sang, Saitenspiel,
Und Hunold Singuf heiß' ich.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "In greeting", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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2. Des Tages will ich denken [sung text not yet checked]

Des Tages will ich denken,
Da ich zuerst dich sah,
Tief in die Brust versenken,
Wie mir dabei geschah.

Als hätte zu ihrem Ruhme
Die Welt sich neu geschmückt
Mit einer Wunderblume,
Die noch kein Mensch gepflückt.

So war ich schier betroffen
Von deiner Schönheit Glanz,
Ich trug mein stolzes Hoffen
Wie einen Siegeskranz.

Die Eine oder Keine!
So rief's im Augenblick,
Und nun bist du die Meine,
Und mein sind Ruhm und Glück.

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3. Geküßt [sung text not yet checked]

Was wehrst du dich und sträubst dich groß?
Ich halte dich fest umwunden 
Und lasse dich nicht [eher]1 los,
Als bis ich dein Mäulchen gefunden.

In Fesseln meine Linke schlug
Die Händchen dir auf [dem]2 Rücken,
Mein Arm hat dabei Kraft genug,
Dich an die Brust zu drücken.

Die Rechte nun umspannt dein Kinn,
Du wirst's wohl dulden müssen.
So wahr ich Hunold Singuf bin,
Mädel, es kommt [zum]3 Küssen!

Siehst du, wie folgsam du dich schmiegst?!
Die Angst war zu betäuben!
Und wenn du nun einen Schnurrbart kriegst
So kommt das nur [vom]4 Sträuben.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Kissed", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Julius Wolff, Singuf. Rattenfängerlieder, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1887, pages 20-21.

1 omitted by Hofmann
2 Hofmann, Sommer: "den"
3 Hofmann: "zu"
4 Hofmann: "von"

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Ratten und Mäuse [sung text not yet checked]

Nommt aus den Löchelchen, 
Mäuschen, heraus! 
Krümel und Knöchelchen 
Kriegt ihr zum Schmaus.
Wie ich euch liebe,
Näscher und Diebe,
Niedliche Grauchen,
Männchen und Frauchen! 
Naget euch, waget euch 
Hurtig heraus! 
Jaget euch, traget euch
Zucker ins Haus! 

Ratten, ihr huschigen,
Höret ihr nicht?
Kommt aus den buschigen
Winkeln ans Licht! 
Schnuppert und schlecket,
Was ihr entdecket,
Speck oder Butter,
Leckeres Futter.
Dränget euch, zwänget euch
Durch das Stacket, 
Länget euch, hänget euch
Schwelgend ans Fett!

Schlüpfet und hüpfet, ihr graulichen Schaaren, 
Kommt aus Gerüsten und Höhlen gefahren,
Rucket und zucket hervor und heraus, 
Alles, was Schwänze hat, Ratz oder Maus!

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6. Je länger je lieber sitz' ich beim Wein [sung text not yet checked]

Je länger je lieber sitz' ich beim Wein
Scherzend mit guten Gesellen,
Je länger je lieber schenk' ich mir ein 
Stürzend die goldigen Wellen.
Was wir uns füllen, das trinken wir aus, 
Seßhaft und brüderlich halten wir Haus 
So je länger je lieber.

Je länger je lieber schling' ich den Arm
Lachend um's herzige Liebchen,
Je länger je lieber drück' ich es warm
Kosend im traulichen Stäbchen.
Einer im Anderen selig versenkt
Rasten wir raunend, was Jeder sich denkt,
Und je länger je lieber.

Je länger je lieber schweif' ich herum,
Überall fröhlich zu grasen, 
Je länger je lieber, stets willekumm,
Treib' ich mein Singen und Blasen.
Wie mich das Leben auch zwicket und zwackt,
Halt' ich's doch an den vier Zipfeln gepackt
Ach! je länger je lieber.

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7. Beim Fass [sung text not yet checked]

Schlagt derb auf's Faß! schlagt derb auf's Faß! 
Der Spund soll aus den Dauben,
Er gönnt uns nicht das edle Naß,
So muß er denn dran glauben.
Schlagt zu! wenn auch ein Reifen springt,
Der Keller dröhnt, es hallt und klingt,
Es hallt und klingt mit ha! und mit ho! 
Mit hei nanino! 

Stoßt ein den Hahn! stoßt ein den Hahn! 
Und fröhlich angestochen! 
Wie bald ist so ein Tag verthan,
Der doch mal angebrochen.
Jetzt scheint die liebe Sonne noch,
Bald lacht der Mond durch's Kellerloch,
Durch's Kellerloch mit ha! und mit ho! 
Mit hei nanino! 

Die Krüge her! die Krüge her! 
Mit Deckeln blank verzinnet,
Und Keiner komm' uns in die Quer,
Wo solch ein Bächlein rinnet! 
Nun sanget an mit Saus und Braus,
Wir treiben hier den Teufel aus,
Den Teufel aus mit ha! und mit ho! 
Mit hei nanino!

Lieb Brüderlein! lieb Brüderlein! 
Was machst du mir für Augen?
Wohl werth ist solch ein Fässelein,
Daß Sieben daran saugen.
Und wer noch steht auf einem Bein,
Wenn's leer ist, der soll König sein,
Soll König sein mit ha! und mit ho! 
Mit hei nanino!

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8. Trinkmette [sung text not yet checked]

Hat Einer zum Trinken nun triftigen Grund, 
Der sag' es und öffne den durstigen Mund
Und meld' es mit Ergo bibamus!
    Ergo bibamus!
So rufet den Wirth und den Küfer herein,
Damit wir am lange gelagerten Wein 
Erquicken uns neque sitiamus!
    Neque sitiamus!

Her haltet zur Kanne den räumigen Krug,
Auf daß wir ihn füllen zum gründlichen Zug
Fein säuberlich neque sitiamus!
    Neque sitiamus!
Hoch lebe das Liebchen, das Jeder sich denkt! 
Und habt ihr den Krug überm Haupte geschwenkt, 
Setzt nieder ihn, vas repleamus!
    Vas repleamus!

So segelt nur weiter mit Sinn und Verstand,
Habt immer am Henkel die hebende Hand,
Es lohnet sich vas repleamus!
    Vas repleamus!
Die Fässer im Keller, wem lassen sie Ruh? 
Das Loch in der Kehle, wer näht es uns zu? 
O Brüderlein, ergo bibamus!
    Ergo bibamus!

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