6 heitere Lieder für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung

Song Cycle by Karl Gottlieb Reissiger (1798 - 1859)

Word count: 690

1. Ich bin nun einmal so! [sung text checked 1 time]

Mich treibt mein leichter, froher Sinn
von einem Ort zum andern hin,
doch stets vergnügt und froh!
Zumal die Mädchen mir vor allen 
heut' so und morden so gefallen,
ich bein nun einmal so!

Heut' fängt mich schwarzer Augen Blick,
sie machen heut' mein grösstes Glück,
ich brenne lichterloh!
Doch morgen schon sie nichts mehr taugen,
mich fosseln Röschens blaue Augen;
ich bin nun einmal so!

Wenn ein Blondinchen zu mir kam,
so war ich ihr gewiss nicht gram
und hin zu ihr ich floh!
Doch unterwegs kam die Brünette,
da lag ich gleich an ihre Kette,
ich bin nun einmal so!

Mich reizt der Schwärm'rin Träumerei,
ich schwör'ihr schmachtend Lieb' und Treu',
und bin ihr Romeo!
Doch morgen tändl'ich mit der Losen, 
und so möcht' ich mit Allen kosen,
ich bin nun einmal so!

Authorship

Researcher for this text: Andrew Schneider [Guest Editor]

2. Der halbe Kuß [sung text checked 1 time]

Wenn's liebe Kind den Kuß verbeut,
Dann [müssen g'nügen]1!
Auch halbe geben Seligkeit,
Und machen ihr Vergnügen.

Am Rahmen sitzt das holde Kind,
Du lehnst dich hinten über,
Und bückst dich tief, als wärst du blind,
Je näher, desto lieber!

Dein Athem kos't den weichen Hals
Die Lippen auch ein bisschen,
Das wird geduldet allenfalls
Und ist ein halbes Küßchen!

Authorship

View original text (without footnotes)
Confirmed with Mitternachtblatt für gebildete Stände, 5 February 1829. Braunschweig & Leipzig: im Verlags-Comtoir, 1829. Vierter Jahrgang, nro. 21, page 84. Author credit reads "Aus Stahlpanzers (Anton Richters) Nachlaß".

1 Reissiger: "müssen halbe gnügen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull , Andrew Schneider [Guest Editor]

3. Die Nixe [sung text checked 1 time]

Ging der kleine Fischerknabe
traurig an dem Strand umher:
"Ach, wenn mir die schöne Nixe
einmal nur erschienen wär!
mit dem feuchten Perlensaume,
wie die Mutter immer spricht,
und dem grünen Krauz con Locken, 
und den Augen hell wie Licht."

Spricht's der Knabe, bückt sich über 
in dem Spiegel feucht und klar;
plötzlich greift ein weiches Händchen 
in sein blondes Lockenhaar.
"O ihr Heiligen des Himmels!" 
ruft er bebend, sinkt zurück;
da begegnet überraschend 
Müllers Aennchen seinem Blick.

Warte nur, du böser Junge, 
schilt sie freundlich zürnend ihn,
will dich künftig blicken lehren
nach der Wassernixe hin!

Authorship

Researcher for this text: Andrew Schneider [Guest Editor]

4. Kuß oder Tod [sung text checked 1 time]

  O sey nicht so spröde,
Du liebliches Kind!
Komm, sink an die Brust mir,
Und küss' mich geschwind!
Verschmähst du die Lippe,
Die Liebe dir bot:
Ach! Ach!
So gräm' ich mich todt.

  Wie foltert mich Sehnsucht,
Wie klopft mir das Herz,
Ein Kuß nur besänftigt
Den quälenden Schmerz.
Und färbet dein Mund sich
Für Andere roth:
Ach! Ach!
So gräm' ich mich todt.

  Sich küssen sei Sünde,
Sagt Mütterchen zwar;
Doch glaube mir, Liebchen!
Sie redet nicht wahr.
Befolgest du dennoch
Der Mutter [Verbot]1:
Ach! Ach!
So gräm' ich mich todt.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Kiss or death", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Wilhlem Gerhard, Gedichte, Leipzig: Verlag von Joh. Ambr. Barth., 1826, page 40

1 Reissiger: "Gebot"

Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Andrew Schneider [Guest Editor]

5. Das Zigeunermädchen [sung text checked 1 time]

Als ich auf der Wiese saß, 
  Kam der Fuchs gegangen, 
Legte sich die Läng' in's Gras, 
  Hatt' ein Huhn gefangen. 
    Füchslein, laß das Rupfen sein,
      Ha, ha, ha, ha! 
    Schau' mir erst in's Aug' hinein, 
      La, la, la, la!
    
Als ich hinterm Busche stand,
  Kam der Junker gangen,
Und ich sah an seiner Hand 
  Einen Demant prangen.
    Junker, laß das Jagen sein,
      Ha, ha, ha, ha!
    Schau' mir erst in's Aug' hinein,
      La, la, la, la!

Füchslein schaute mir in's Aug',
  Unterließ das Rupfen, 
Mußte bald nach Zauberbrauch 
  Auf drei Beinen hupfen;
    Legte mir mit Lammessinn,
      Ha, ha, ha, ha!
    Hühnlein vor die Füße hin.
      La, la, la, la!

Junker schaute mir in's Aug', 
  Unterließ das Jagen, 
Und ich thät, nach Zauberbrauch, 
  Lieb's und Schön's ihm sagen; 
    Als der Junker von mir ging,
      Ha, ha, ha, ha!
    Blitzt' an meiner Hand der Ring. 
      La, la, la, la!

Bin ich gleich was gelb und braun, 
  Weiß doch zu gefallen, 
Vom Gewild in Busch und Au'n, 
  Von den Männern allen, 
    Schaut mir kein's umsonst in's Aug', 
      Ha, ha, ha, ha! 
    So will's der Zigeunerbrauch. 
      La, la, la, la!

Authorship

Confirmed with Johann Friedrich Kind, Gedichte: viertes Bändchen; zweite, verbesserte und vollständige Auflage, Leipzig: Johann Friedrich Hartknoch, 1819, pages 165 - 166.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

6. Mädchenlob [sung text checked 1 time]

Die Mädel sind veränderlich, 
  Heut' so und morgen so. 
Kaum zeigt ein Rosenwölklein sich, 
  So sind sie hell und froh!
Doch morgen? -- Ei, wie geschwind
  Dreht sich der Wind.

Sobald ein rauhes Lüftchen weht,
  Grämt sich das Mädel tief;
Ein Zährlein ihr im [Äuglein]1 steht,
  Das Mündlein krümmt [sie]2 schief.
Doch morgen? -- Tralla la!
  Hopsa sa sa !

Das [Mädlein]3 sieht dich liebreich an,
  Du traust dem schlauen Blick,
Und schwindelst auf zur Sonnenbahn,
  Und träumst von deinem Glück.
Doch morgen? -- Kennt sie dich kaum;
  Nichtiger Traum!

Ihr Mädel dreht mir noch so süß
  Die Äuglein hin und her,
Und kämt ihr aus dem Paradies,
  So traut ich keiner mehr.
Ihr Falschen! -- Heut seid ihr heiß,
  Morgen wie Eis.

Authorship

View original text (without footnotes)
1 Reissiger: "Auge"
2 Reissiger: "sich"
3 Reissiger: "Mägdlein"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Andrew Schneider [Guest Editor]