Für Schule und Haus : Sechs Chorgesänge für 2 Soprane und Alt

Song Cycle by Salomon Jadassohn (1831 - 1902)

Word count: 619

1. Neuer Frühling [sung text not yet checked]

Neuer Frühling ist gekommen,
Neues Laub und Sonnenschein,
Jedes Ohr hat ihn vernommen,
Jedes Auge saugt ihn ein.
Und das ist ein Blühn und Sprießen,
Waldesduften, Quellenfließen,
Und die Brust wird wieder weit,
Frühling, Frühling, goldne Zeit!

Von [dem]1 Felsen in die Weite
Fliege hin, mein Frühlingssang,
Ueber Ströme und Gebreite,
Durch Gebirg und Blüthenhang!
Darf nicht wandern, muß ja bleiben,
Ob's mich ziehn auch will und treiben,
Doch so weit mein Himmel blaut
Singen, singen will ich laut!

Wie die Welt auch wechselnd gehe,
Wie das Schicksal auch mich treibt,
Komme Glück und komme Wehe,
[Fest doch weiß ich was mir bleibt:] 2
Fester Mut der freien Seele
Und die freudge Liederkehle,
Lebenslust und Lebensdrang,
Goldnes Leben im Gesang!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Otto Roquette, Liederbuch, Stuttgart und Tübingen: J.G. Cotta’scher Verlag, 1852, pages 215-216

1 Schaffgotsch: "den"
2 Schaffgotsch: "Wenn nur Eines mir verbleibt:"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Frühlingswind [sung text not yet checked]

Grüß Gott du lieber Frühlingswind!
Doch darfst bei mir nicht säumen!
Flieg' fort, flieg' fort in den Wald geschwind,
Da liegt noch Alles in Träumen.

Die Blätter in den Knospen weck',
Sie sollen säuselnd sprießen!
Und hilf den Veilchen im Dornenversteck,
Die Äuglein aufzuschließen!

Und sag' den Vöglein im ganzen Wald,
Der Winter sei zerronnen,
Daß jeder Busch und Wipfel schallt!
Und heiße rieseln die Bronnen!

Und wo ein trauerndes Herze sinnt,
Das sollst du in's Freie locken,
Und wo eine stille Thräne rinnt,
Da weil' und küsse sie trocken!

Bei mir, bei mir hat's keine Roth,
Den Frühling anzusagen;
Ich kann ja die Veilchen und Röslein roth
Kaum all' vom Winter tragen.

Du kennst ja doch mein lenzig Kind,
Und wird's nun Mai auf Erden --
Ja, sag' nur selber du Frühlingswind,
Was soll das all noch werden? 

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Abendlied [sung text not yet checked]

Der Tag neigt sich zu Ende,
Es kommt die stille Nacht; 
Nun ruht, ihr müden Hände,
Das Tagwerk ist vollbracht. 

Du aber, Seele, ringe
Dich von der Erde los, 
Und werde leicht und schwinge
Dich auf in Gottes Schoß. 

Hinauf mit Glaubensflügeln,
Die Liebe fliegt voran, 
Wo über dunkeln Hügeln
Der Himmel aufgetan.

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Researcher for this text: John Versmoren

4. Die Sonne sank  [sung text not yet checked]

Die Sonne sank, der Abend naht,
Und stiller wird's auf Straß' und Pfad,
Und süßer Friede Ruh' und Rast
Folgt auf des Tages Sorg' und Last. 

Es schweigt der Wald, es schweigt das Thal:
Die Vögel schlafen allzumal,
Sogar die Blume nicket ein,
Und schlummert bis zum Tag hinein. 

Schon rieselt nieder kühler Thau
Auf Halm und Blatt im Feld und Au,
Im Laube spielet frische Luft,
Und Blüth' und Blume [spendet] duft. 

Der Abendstern mit [güldnem]2 Schein
Blickt in die stille Welt hinein,
Als [rief']3 er jedem Herzen zu,
Sei still, sei still, und schlaf' auch du!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le soleil a baissé", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Eijken: "spanden"
2 Eijken: "gold'nen"
3 Eijken: "rüf"

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5. In der Heimath [sung text not yet checked]

Wo blühen die Blumen so schön,
wo singen die Vöglein so hell,
wo rauscht in felsigen Höh'n,
so munter der plätschernde Quell,
wo leuchtet so golden der Sonnenstrahl,
wie hier im Tal?

Wo stehen die Hütten gebaut,
so friedlich im sonnigen Grund,
wo klingen so holden und traud
die Worte der Liebe vom Mund,
wo grüßet so friedlich der Augenstrahl,
wie hier im Tal?

Hab' friedlich durchwandert die Welt,
und viel ist mir holdes geschehen.
Was Augen und Ohren gefällt,
ich hab es gehört und gesehen:
Drum grüß ich vor allem viel tausendmal
mein Heimattal.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Winters Flucht [sung text not yet checked]

Dem Winter ward der Tag zu lang,
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang;
Er horcht und hört's mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das macht ihm Leid.
Er sieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein.

Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und sprach:
"Wo ist mein silberweißes Kleid,
Mein Hut, mit Demantstaub bestreut?"
Er schämt sich wie ein Bettelmann
Und läuft, was er nun laufen kann.

Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil's noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Winter's fleeing", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]