Mirza Schaffy. Trinklieder und Sprüche für 1 tiefere Stimme

Song Cycle by Joseph Schulz-Weida (1830 - 1872)

Word count: 732

1. Trink nie gedankenlos [sung text not yet checked]

Trink nie gedankenlos,
Und nie gefühllos trinke --
Mach' dich nicht allzu groß,
Und nie zu tief versinke,
Wenn vor dir, goldnen Scheines,
Ein voller Humpen blinkt:
Der ist nicht wert des Weines,
Der ihn wie Wasser trinkt!

Es liegt im Wein die Kraft
Des Schaffens, der Zerstörung;
Zur Quelle wird sein Saft
Der Weisheit wie Betörung --
Doch, ob er diesem Reines
Und jenem Trübes bringt,
Der ist nicht wert des Weines,
Der ihn wie Wasser trinkt!

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2. Aus dem Feuerquell des Weines [sung text not yet checked]

Aus dem Feuerquell des Weines,
Aus dem Zaubergrund des Bechers
Sprudelt Gift und -- süße Labung,
Sprudelt Schönes und -- Gemeines:
Nach dem eignen Wert des Zechers,
Nach des Trinkenden Begabung!

In Gemeinheit tief versunken
Liegt der Tor, vom Rausch bemeistert;
Wenn er trinkt -- wird er betrunken,
Trinken wir -- sind wir begeistert!
Sprühen hohe Witzesfunken,
Reden wie mit Engelzungen,
Und von Glut sind wir durchdrungen,
Und von Schönheit sind wir trunken!

Denn es gleicht der Wein dem Regen,
Der im Schmutze selbst zu Schmutz wird,
Doch auf gutem Acker Segen
Bringt und jedermann zunutz wird!

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3. Im Winter trink' ich und singe Lieder [sung text not yet checked]

Im Winter trink ich und singe Lieder
Aus Freude, daß der Frühling nah ist --
Und kommt der Frühling, trink ich wieder
Aus Freude, daß er endlich da ist.

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4. Trinkt Wein! das ist mein alter Spruch [sung text not yet checked]

Trinkt Wein! Das ist mein alter Spruch
Und wird auch stets mein neuer sein,
Kauft euch der Flasche Weisheitsbuch,
Und sollt' es noch so teuer sein!

Als Gott der Herr die Welt erschuf,
Sprach er: Der Mensch sei König hier,
Es soll des Menschen Haupt voll Witz,
Es soll sein Trank voll Feuer sein!

Dies ist der Grund, daß Adam bald
Vom Paradies vertrieben ward;
Er floh den Wein, drum konnt' es ihm
Im Eden nicht geheuer sein!

Die ganze Menschheit ward vertilgt,
Nur Noah blieb mit seinem Haus,
Der Herr sprach: Weil du Wein gebaut,
Sollst du mein Knecht, mein treuer sein.

Die Wassertrinker seien jetzt
Ersäuft im Wasser allzumal,
Nur du, mein Knecht, sollst aufbewahrt
In hölzernem Gemäuer sein!

Mirza-Schaffy! Dir ward die Wahl
In diesem Falle nicht zur Qual;
Du hast den Wein erkürt, willst nie
Ein Wasserungeheuer sein!

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5. Jenem Tage zum Gedächtniss [sung text not yet checked]

Jenem Tage zum Gedächtnis
Sei ein langer Trunk gemacht,
Wo vom Bethaus in die Schenke
Ich den ersten Sprung gemacht!

War verdummt in blinder Demut,
War gealtert wie ein Greis --
Aber Wein, Gesang und Liebe
Hat mich wieder jung gemacht!

Trink, Mirza-Schaffy, berausche
Dich in Liebe, Sang und Wein!
Nur im Rausch sind deine Lieder
So voll Glut und Schwung gemacht!

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6. Woran erkennst du die schönsten Blumen [sung text not yet checked]

Woran erkennest du die schönsten Blumen? An ihrer Blüte!
Woran erkennest du die besten Weine? An ihrer Güte!
Woran erkennest du die besten Menschen? An dem Gemüte!
Woran erkennest du den Scheich und Mufti? An der Kapuze!
Die Antwort, Freund, ist richtig, -- geh und mache sie dir zunutze!

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7. Die Weise guter Zecher ist [sung text not yet checked]

Die Weise guter Zecher ist
[In]1 früh und später Stunde,
Daß alter Wein im Becher ist
Und neuer Witz im Munde --
Denn wo man eins davon entbehrt,
Da ist das andre auch nichts wert --
Das eine steht zum andern.

Je mehr wir uns vertieft im Wein,
Je höher steigt der Geist uns --
Der Bart der Weisheit trieft von Wein,
Die ganze Welt umkreist uns,
Versunken ganz in Trunkenheit
Und trunken in Versunkenheit,
In Wein, Gesang und Liebe!

Die Weisen beim Pokale stehn
Hoch über der Gemeinheit,
Wie Berge überm Tale stehn
In himmelhoher Reinheit --
Die Berge färbt des Himmels Licht,
Uns widerstrahlt das Angesicht
Im Glanz der vollen Becher!

Sagt, was die Welt im Tausch uns gibt
Für unser lustig Leben!
Die Wonne, die ein Rausch uns gibt,
Wer mag uns Bess'res geben?
Nur eins kenn' ich, das schöner ist:
Wenn du, Hafisa, bei mir bist
Mit Küssen und mit Scherzen!

Und weil so kurz das Leben ist,
Muß stets der Weisen Ziel sein:
Des Glücks, das uns gegeben ist,
Kann nimmermehr zuviel sein!
Drum Kind, laß alle Skrupel sein
Und steig herab in unsre Reihn,
Wie ins Gebirg' die Sonne!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , appears in Clair-obscur, first published 1954, copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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1 Bohn, Rubinstein: "Zu"; further changes may exist for Bohn's setting, not shown above.

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8. Wie die Nachtigallen an den Rosen nippen [sung text not yet checked]

Wie die Nachtigallen an den Rosen nippen,
-- Sie sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Netzen wir am Weine unsre Lippen,

-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Wie die Meereswellen an den Felsenklippen,
-- Wenn das sturmbewegte Meer in Wut ist --
Breche schäumend sich der Wein an unsern Lippen,

-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist! --
Wie ein Geisterkönig, ohne Fleisch und Rippen,
-- Weil sein Wesen eitel Duft und Glut ist, --
Zieh' er siegreich ein durchs Rosentor der Lippen,
-- Wir sind klug und wissen, daß es gut ist. --

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