Lauten-Lieder

by Ernst Duis (1896 - 1967)

Word count: 1449

1. Die goldene Wiege [sung text checked 1 time]

Am Heidberg geht ein leises Singen,
Ein leises Singen her und hin,
Da sitzt und wiegt die [goldne]1 Wiege
Die tote Zwergenkönigin.

Frau Königin, Euch will ich's klagen,
Will klagen Euch mein Herzeleid,
Mein Schatz hat treulos mich verraten,
Mein Herz, das weint vor Traurigkeit.

So gib es her, ich will es wiegen,
Bis daß es schläft für immer ein,
Soll in der goldnen Wiege schlafen
Bei meinem toten Kindelein.

Und wiegt Ihr es auch sieben Jahre
Und wiegt Ihr es auch immerzu,
Es hört und hört nicht auf zu weinen,
Es läßt und läßt mir keine Ruh'.

Ich weiß ein tiefes Wasser rauschen,
Es rauscht ein Lied, das keiner kennt,
Das soll mein Herz in Schlummer singen,
Erst dann hat seine Not ein End'.

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1 Duis: "goldene"

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2. Absage [sung text checked 1 time]

Dahinten in der Haide,
Wo der Birkenbaum steht,
Da wartet ein Mädchen,
Ihr Haar und das weht.
 
Du Hübsche, du Feine,
Was stehst du allein,
Und wenn du keinen Schatz hast,
Ich will es wohl sein.
 
Einen Schatz und den hab ich,
Und kommt er nicht her,
Einen Jäger, grünen Jäger
Will ich nun und nicht mehr.
 
Ei, warum keinen Jäger,
Kein jungjunges Blut,
Denn ein Jäger kennt's Lieben,
Und weiß, wie das tut.
 
Was soll mir ein Jäger,
Der soll es nicht sein,
Der geht bei Nacht jagen
Und läßt mich allein.

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3. Die Nonne [sung text checked 1 time]

Viel hundert weiße Liljen
Im Klostergarten stehn;
Die roten, roten Rosen
Sind noch einmal so schön.
 
Die roten, roten Rosen,
Die darf ich gar nicht ziehn;
Im Klostergarten dürfen
Bloß weiße Liljen blühn.
 
Drei rote Rosen fallen
Vor meine Füße hin;
Es fließen meine Tränen,
Daß ich eine Nonne bin.
 
Ach Reiter, junger Reiter,
Behalt die Rosen dein;
Mir blühen bloß die Liljen,
Doch nicht die Röselein.

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  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Nunna", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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4. Edelwild [sung text checked 1 time]

Ich bin ein freier Wildpretschütz
Und hab ein weit Revier,
So weit die braune Haide geht,
Gehört das Jagen mir.
 
So weit der blaue Himmel geht,
Gehört mir alle Pürsch,
Auf Fuchs und Has und Haselhuhn,
Auf Rehbock und auf Hirsch.
 
Jedoch mein liebstes Edelwild
Im ganzen Jagdrevier,
Das ist nicht Hirsch, das ist nicht Reh,
Das ist kein Jagdgetier.
 
Es ist ein frisches Mägdelein,
Auf das ich lieber pürsch,
Viel lieber als auf Has und Fuchs,
Auf Rehbock und auf Hirsch.
 
Und das es einem andern hört,
Macht keine Sorge mir,
Ich bin ein freier Wildpretschütz
Und hab ein weit Revier.

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5. Der Abschiedsstrauß [sung text checked 1 time]

Roter Klee, weißer Klee;
Mir tut has Herz vor Liebe weh.
Schöns Mägdelein,
Feins Liebchen mein,
Dieweil ich von dir geh.
 
Vergißmeinnicht, du edle Zier,
Ich reise fort und du bleibst hier;
Schöns Mägdelein,
Feins Liebchen mein,
Keine schönre gibt's nach dir.
 
Weiß Liljen die sind schön,
Nun muß ich in die Fremde gehn;
Schöns Mägdelein,
Feins Liebchen mein,
Und kann dich nicht mehr sehn.
 
Die Rosenblüten sind verweht,
Der Morgenstern am Himmel steht;
Schöns Mägdelein,
Feins Liebchen mein,
Wer weiß, wie's uns noch geht.

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6. Aus und vorbei [sung text checked 1 time]

O bittere Not
Und o Weh und o Weh,
Alle Blumen sind tot
Und begraben im Schnee.
Alle Blätter sind fort,
Sind verwelkt und verdorrt,
Wohin und wohin ich auch seh.
 
Mein Sommer der starb,
Denn o Weh und o Weh,
Mein Lieben verdarb,
Liegt begraben im Schnee,
Ist verwelkt und verdorrt,
Und der Wind treibt es fort,
Wohin und wohin ich auch seh.
 
Es kommet der Mai,
Doch o Weh und o Weh,
Meine Zeit ist vorbei,
Ist begraben im Schnee,
Ist verwelkt und verdorrt,
Ist verschwunden und fort,
Wohin und wohin ich auch seh.

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7. Auf der Straße [sung text checked 1 time]

Wo der Wind weht, [der]1 Wind weht,
Da bin ich zu Haus,
Da fahr ich die Straßen
Jahrein und jahraus.
 
Auf der Straße, [der]2 Straße
Ist alles voll Staub,
Da tragen die Bäume
Kein grasgrünes Laub.
 
Von dem Staube, [dem]3 Staube,
Da werd ich nicht satt;
Ich weiß, wo der Bauer
Die Wurst hängen hat.
 
In dem Busche, [dem]4 Busche,
In Gras und in Kraut
Da leben wir lustig
Als Bräutgam und Braut.
 
Denn ein Mädchen, ein Mädchen
Wie Milch und wie Blut,
Die fand ich an der Straße,
Und die ist mir gut.

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1 Glogger: "wo der"
2 Glogger "der auf"
3 Glogger "von dem"
4 Glogger "in dem"

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8. Das Vogelorakel [sung text checked 1 time]

Es singt ein Vogel Wunderlich
In der grünen Linde,
Ich geh die Straße auf und ab,
Ob ich eine finde.
Rosenrot ein Mägdelein,
Und das soll mein Liebchen sein,
Das ist keine Sünde.
 
Was der kleine Vogel singt,
Niemand soll es wissen;
Junge Mädchen, die sind schön,
Eine will ich küssen,
Rosenrot ein Mägdelein,
Und das soll mein Liebchen sein,
Niemand soll es wissen.
 
Es singt der Vogel Kunterbunt
In einem grünen Hagen,
Wo das schönste Mägdlein ist,
Kann er mir wohl sagen,
Rosenrot ein Mägdelein,
Und das soll mein Liebchen sein,
Das will ich ihn fragen.
 
Wunderlich und Kunterbunt
Schwingen ihr Gefieder;
Wo das schönste Mägdlein ist,
Lassen sie sich nieder,
Rosenrot ein Mägdelein,
Und das soll mein Liebchen sein,
Heut und immer wieder.

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9. Der säumige Landsknecht [sung text checked 1 time]

Der Trommler schlägt Parade,
Die Seidenfahnen wehn,
Nun heißt's auf Glück und Gnade
Marschieren zu gehn.
 
Das Korn reift in den Feldern,
Es schnappt der Hecht im Strom,
Der Wind streicht heiß durch Geldern
Hinauf gen Berg op Zoom.
 
Wer weiß, wer dort den Himmel,
Wer hier das Feld gewinnt.
Herab vom Fliegenschimmel
Grüßt Herr Carolos Quint.
 
Wir schlucken Staub im Wandern,
Und hängt der Säckel hohl.
Der Kaiser schluckt ganz Flandern,
Bekommt ihm ewig wohl.
 
Er weilt beim Länderschmause
Bis er die Welt erwürb.
Mir wohnt ein Lieb zu Hause,
Das weinte, wenn ich stürb.

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10. Der eifersüchtige Jäger [sung text checked 1 time]

Ein Jäger und das bin ich,
Mein Kleid und das ist grün.
Eh daß die Sonne scheinet,
Muß ich zu Holze ziehn.
 
Eh daß die Sonne scheinet,
Vor Tau und auch vor Tag;
Es schlafen alle Leute,
Mein Schatz und der ist wach.
 
Mein Schatz der steht am Fenster
In seinem Hemdelein;
Mit seinen weißen Händen
Da winkt der mir herein.
 
Hinein kann ich nicht kommen,
Ich gehe auf die Pürsch;
Zu Holze muß ich ziehen,
Da steht ein guter Hirsch.
 
Und mußt du ziehn zu Holze
Und lassen mich allein,
So soll ein andrer schlafen
Bei mir im Kämmerlein.
 
Und schläft bei dir ein andrer,
Ich habe Kraut und Lot;
Und küßt er dich des abends,
So ist er morgens tot.

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11. Blut um Blut [sung text checked 1 time]

Es sang und sang ein Vögelein
Sang von dem [Herzgeliebten]1 mein;
Ich mußte weinen, als es sang,
Dieweil es also traurig klang,
So rot wie Blut, so rot wie Blut,
So rot als wie das Blut.
 
Und als ich in den Wald hinein kam,
Drei Glockenschläge ich vernahm;
Da weinte ich zum andern Mal
Viel bittre Tränen ohne Zahl,
So rot wie Blut, so rot wie Blut,
So rot als wie das Blut.
 
Und als ich kam in den kühlen Grund,
Mein Liebster lag auf den Tod verwundt;
Da weinte ich wohl ohne End
Und rang meine schwanenweißen Händ,
So rot wie Blut, so rot wie Blut,
So rot als wie das Blut.
 
Das Tüchlein das ist schlehenweiß,
Es trank deinen bittren Todesschweiß,
Ich schwenk es nach des Mörders Haus
Und lösche ihm sein Leben aus,
So rot wie Blut, so rot wie Blut,
So rot als wie das Blut.
 
Das Tüchlein schwenk ich in der Hand,
Davon wird ihm das Herz verbrannt;
Das Tüchlein wehet auf und ab,
Ich grabe ihm das Totengrab,
So rot wie Blut, so rot wie Blut,
So rot als wie das Blut.
 
Und wo mein Schatz begraben liegt,
Eine weiße Taube zum Himmel fliegt;
Und wo der Mörder fand sein Grab,
Da fliegt ein Rabe auf und ab,
So rot wie Blut, so rot wie Blut,
So rot als wie das Blut.

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1 Duis: "Herzallerliebsten"

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12. Der Stromer [sung text checked 1 time]

Hier auf der Heide,
Da [fuhr]1 ich auf und ab,
Schritt lief ich im [Sommer]2
Wintertags Trab.
 
Heiß ist der Sommer,
Kalt ist der Winterwinterwind;
Warm ist das Lieben
Beim schönsten Kind.
 
Hinter der Hecke
Da ist ein guter, guter Platz;
Da will ich träumen
Von meinem Schatz.
 
Die, die ich meine,
Die lebt wohl längst, ja längst nicht mehr,
Die Rosenbüsche
Sind kahl und leer.
 
Hinter der Hecke
Da ist der Schnee, der Schnee so weich;
Blieb ich da liegen,
Mir ist es gleich.
 
Tragen zwei Engel
Mich auf zur Himmelshimmelshöh;
Mein feines Liebchen
Ich wiederseh.
 
Ein' Liljenstengel
Trägt sie in ihrer, ihrer Hand;
Ein' Liljenstengel
Mit goldnem Band.

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  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Kulkuri", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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1 Duis: "lief"
2 Duis: "Sommer und"

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13. Dragoner und Husaren [sung text checked 1 time]

Dragoner und Husaren,
Ist jeder seines Lohnes wert.
Reit jeder stolz auf stolzem Pferd.
Dragoner und Husaren.
 
Dragoner und Husaren,
Ist jeder seiner Mutter Sohn.
Hat jeder auch ein Mädchen schön,
Dragoner und Husaren.
 
Dragoner und Husaren,
Die Sonne geht im Osten auf;
O Blut, o Sonne, drauf und drauf,
Dragoner und Husaren.
 
Dragoner und Husaren,
Ist jeder eine Kugel wert.
Zerschollen fallen dumpf vom Pferd
Dragoner und Husaren.
 
Dragoner und Husaren,
Sankt Peter steht am Himmelstor:
Laßt mir die braven Reiter ein zuvor,
Dragoner und Husaren.
 
Dragoner und Husaren,
Läßt sich der Teufel mit uns ein,
Sollt ihr des Herrgotts Leibwach sein.
Dragoner und Husaren.

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