by Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898)

Das heilige Feuer
Language: German (Deutsch) 
Auf das Feuer mit dem goldnen Strahle
heftet sich in tiefer Mitternacht
schlummerlos das Auge der Vestale,
die der Göttin ewig Licht bewacht.

Wenn sie schlummerte, wenn sie entschliefe,
wenn erstürbe die versäumte Glut,
eingesargt in Gruft und Grabestiefe
würde sie, wo Staub und Moder ruht.

Eine Flamme zittert mir im Busen,
lodert warm zu jeder Zeit und Frist,
die, entzündet durch den Hauch der Musen,
ihnen ein beständig Opfer ist.

Und ich hüte sie mit heilger Scheue,
daß sie brenne rein und ungekränkt:
Denn ich weiß, es wird der ungetreue
Wächter lebend in die Gruft versenkt.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Caroline Diehl

This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 16
Word count: 97