by Julius Wolff (1834 - 1910)

Ich kenne ein Mädchen, das schaute tief
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Ich kenne ein Mädchen, das schaute tief
In's Aug' einem lockigen Knaben,
Und ob sie wachte, und ob sie schlief,
Sie mochte in Armen ihn haben.
Sie sprach: Du nahmst mir dahin die Ruh,
Mein Haupt muß in Sorgen ich lehnen,
Denn alle mein Sinnen und Denken bist du
Und alle mein Träumen und Sehnen.

Ich kenn' auch den Knaben, er wuchs zum Mann,
Er spielet und singet zur Geigen,
Und ehe der lustige Sommer verrann,
Da wurde das Mägdlein sein eigen.
Sie sprach: Und wenn mich dein Arm umschlingt,
Und du drückst mich wieder und wieder,
So ist mir, als wenn seine Flügel schwingt
Ein Engel vom Himmel hernieder.

Wo über dem Bache die Weide hing,
Da ruhten sie auf dem Moose,
Da war es, wo er sie heiß umfing,
Eine blühende, glühende Rose.
Sie schmiegte sich an ihn mit zitterndem Leib
In der Liebe berauschenden Freuden,
Sie lachte, sie weinte, das selige Weib
Und wollt' ihm ihr Leben vergeuden. --

Verrathen die Liebe, gebrochen die Treu, --
Er ließ sie und gab sich aufs Wandern
Und pfeifet und fiedelt hinweg sich die Reu
Und küsset und koset mit Andern.
Verwelkt ist die Rose, entblättert, entlaubt,
Es riß sie der Sturm vom Gehege,
Zerknickt und zertreten, des Duftes beraubt,
So sah ich sie liegen am Wege.

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Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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  • ENG English (Sharon Krebs) , title unknown, copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2010-02-26
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