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Neun Gesänge zu Goethe's Faust

Word count: 1121

Song Cycle by Justus Amadeus Lecerf (1789 - 1868)

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1. Zueignung [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): FRE FRE

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) [singable] (François Sabatier) , "Dédicace", dans le mètre de l'original et suivant les règles de la versification, first published 1893
  • FRE French (Français) (Gérard Labrunie) , "Dédicace"


Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.
 
Ihr bringt mit euch die Bilder froher Tage,
Und manche liebe Schatten steigen auf;
Gleich einer alten, halbverklungnen Sage
Kommt erste Lieb und Freundschaft mit herauf;
Der Schmerz wird neu, es wiederholt die Klage
Des Lebens labyrinthisch irren Lauf,
Und nennt die Guten, die, um schöne Stunden
Vom Glück getäuscht, vor mir hinweggeschwunden.
 
Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Verklungen, ach! der erste Widerklang.
Mein Lied ertönt der unbekannten Menge,
Ihr Beifall selbst macht meinem Herzen bang,
Und was sich sonst an meinem Lied erfreuet,
Wenn es noch lebt, irrt in der Welt zerstreuet.
 
Und mich ergreift ein längst entwöhntes Sehnen
Nach jenem stillen, ernsten Geisterreich,
Es schwebet nun in unbestimmten Tönen
Mein lispelnd Lied, der Äolsharfe gleich,
Ein Schauer faßt mich, Träne folgt den Tränen,
Das strenge Herz, es fühlt sich mild und weich;
Was ich besitze, seh ich wie im Weiten,
Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.


Submitted by Emily Ezust [Administrator]

2. Soldaten vorüberziehend [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): FRE ITA

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Soldaten
 Burgen mit hohen
 Mauern und Zinnen,
 Mädchen mit stolzen
 Höhnenden Sinnen
 Möcht' ich gewinnen!
 Kühn ist das Mühen,
 Herrlich der Lohn!

 Und die Trompete
 Lassen wir werben,
 Wie zu der Freude,
 So zum Verderben.
 [Das ist ein Stürmen!]1
 Das ist ein Leben!

 Mädchen und Burgen
 Müssen sich geben.
 Kühn ist das Mühen,
 Herrlich der Lohn!
 Und die Soldaten
 Ziehen davon.


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1 omitted by Radziwill.

Submitted by Emily Ezust [Administrator]

3. Bauerntanz im Freien [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): FRE ITA

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  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission


Ein junger Bauer
 Der Schäfer putzte sich zum Tanz
 Mit bunter Jacke, Band und Kranz,
 Schmuck war er angezogen,
 Schon um die Linde war es voll,
 Und alles tanzte schon wie toll.

Chor der Bauern
 Juchhe! Juchhe!
 Juchheisa! Heisa! He!

Bauer
 So ging der Fiedelbogen.

 Er drückte hastig sich heran,
 Da stieß er an ein Mädchen an
 Mit seinem Ellenbogen;
 Die frische Dirne kehrt' sich um
 Und sagte: nun das find' ich dumm!

Chor
 Juchhe! Juchhe!
 Juchheisa! Heisa! He!

Bauer
 Seid nicht so ungezogen!

 Doch hurtig in dem Kreise ging's,
 Sie tanzten rechts, sie tanzten links
 Und all Röcke flogen.
 Sie wurden rot, sie wurden warm
 Und ruhten atmend Arm in Arm.

Chor
 Juchhe! Juchhe!
 Juchheisa! Heisa! He!

Bauer
 Und Hüft' an Ellenbogen.

 Und tu' mir doch nicht so vertraut!
 Wie Mancher hat nicht seine Braut
 Belogen und betrogen!
 Er schmeichelte sie doch bei Seit'
 Und von der Linde scholl es weit!

Chor
 Juchhe! Juchhe!
 Juchheisa! Heisa! He!

Bauer
 Geschrei und Fiedelbogen!


Confirmed with Goethes Poetische Werke vol. V: Die grossen Dramen, ed. by Liselotte Lohrer, Stuttgart, J. G. Cotta'sche Buchhandlung, 1951, pages 189-190.


Submitted by Emily Ezust [Administrator]

4. Faust im Studierzimmer [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

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Faust
 Verlassen hab' ich Feld und Auen,
 Die eine tiefe Nacht bedeckt,
 Mit ahndungsvollem heil'gem Grauen
 In uns die bessre Seele weckt.
 Entschlafen sind nun wilde Triebe,
 Mit jedem ungestümen Thun;
 Es reget sich die Menschenliebe,
 Die Liebe Gottes regt sich nun.


Submitted by Emily Ezust [Administrator]

5. Lied der lustigen Gesellen in Auerbachs Keller [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): ENG FRE IRI ITA

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  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Gérard Labrunie) , no title, appears in Le Faust de Goethe [an adaptation]
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Cantina di Auerbach a Lipsia", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission


Es war eine Ratt' im Kellernest,
Lebte nur von Fett und Butter,
[Hatte]1 sich ein Ränzlein angemäst't,
Als wie der Doctor Luther.
Die Köchin hatt' ihr Gift gestellt;
Da ward's so eng' ihr in der Welt,
Als [hätte]2 sie Lieb' im Leibe.

Sie fuhr herum, sie fuhr heraus
Und soff aus allen Pfützen,
Zernagt', zerkratzt' das ganze Haus,
[Wollt']3 nichts ihr Wüten nützen;
Sie tät' gar manchen Ängstesprung,
Bald [hatte]1 das arme Tier genung
Als hätt' [es]4 Lieb' im Leibe.

Sie kam [für]5 Angst am hellen Tag
Der Küche zugelaufen,
Fiel an den Herd und zuckt' und lag,
Und tät erbärmlich schnaufen.
Da lachte die [Vergifterinn]6 noch:
Ha! sie pfeift auf dem letzten Loch,
Als [hätte]2 sie Lieb' im Leibe.


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1 Busoni, Kreutzer, Radziwill, Wagner: "Hatt' "
2 Busoni, Kreutzer, Radziwill, Wagner: "hätt' "
3 Radziwill: "Wollte"
4 Busoni, Kreutzer, Wagner: "sie"
5 Busoni, Kreutzer, Radziwill, Wagner: "vor"
6 Busoni, Kreutzer, Wagner: "Vergift'rin"

Submitted by Emily Ezust [Administrator]

6. Lied des Mephistopheles unter den lustigen Gesellen in Auerbachs Keller [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): DUT ENG FRE FRE ITA RUS

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "There once was a king", copyright ©
  • FRE French (Français) (Angelika Frenzel) , "Chanson de la puce", copyright © 2003, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Canzone della Pulce", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission


Es war einmal ein König,
Der hatt' einen [großen Floh,]1
Den liebt' er gar nicht wenig,
[Als]2 wie seinen eig'nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran;
["Da, miß dem Junker Kleider
Und miß ihm Hosen an!"]3

In Sammet und in Seide
War er [nun]4 angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt' auch ein Kreuz daran,
Und war [sogleich]5 Minister,
Und hatt einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.

Und Herrn und Frau'n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und [genagt,]6
Und durften [sie nicht knicken,]7
Und [weg sie]8 jucken nicht.
Wir [knicken]9 und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.10


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1 Walter: "Skorpion"
2 Walter: "Fast"
3 Walter: "Und maß dem Junker Kleider / Und ein paar Höschen an."
4 Walter: "bald"
5 Walter: "zugleich"
6 Walter: "zernagt"
7 Walter: "doch nicht zwicken"
8 Walter: "auch sich"
9 Walter: "drücken"
10 Here Röntgen has the chorus sing the following (the last two lines come from later in the same scene):
Wir knicken und ersticken
Doch gleich wenn einer sticht.
Uns ist ganz kannibalisch wohl,
Als wie fünfhundert Säuen!

Submitted by Emily Ezust [Administrator]

7. Gretchen [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): CAT DUT ENG ENG ENG FRE FRE IRI ITA POR

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De koning van Thule", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "There was a King of Thule", copyright ©
  • ENG English [singable] (Arthur Westbrook) , "The King of Thule"
  • IRI Irish (Gaelic) [singable] (Gabriel Rosenstock) , "Bhí rí ann fadó in Thule", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Il re in Tule", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Margarida Moreno) , "O rei em Thule", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission


Es war ein König in Thule
Gar treu bis an [das]1 Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
[Gönnt']2 alles [seinem]3 Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
[Auf hohem]4 Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensgluth,
Und warf den [heil'gen]5 Becher
Hinunter in die Fluth.

Er sah ihn stürzen, trinken,
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken;
Trank nie einen Tropfen mehr.


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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, pages 187-188; and with Faust. Ein Fragment. in Goethe's Schriften. Siebenter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790, pages 94-95.

First published in a different version in Volks- und andere Lieder, mit Begleitung des Forte piano, In Musik gesetzt von Siegmund Freyherrn von Seckendorff. Dritte Sammlung. Dessau, 1782, pages 6-9; see below.

1 Liszt: "sein"
2 Zelter: "Lies"
3 Fritze, Liszt: "seinen"
4 Zelter: "In hohen"
5 Goethe (Faust): "heiligen"

Submitted by Emily Ezust [Administrator] and Sharon Krebs [Guest Editor] and Peter Rastl [Guest Editor]

8. Gretchen am Spinnrad [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): CAT DUT ENG ENG ENG ENG FRE GRE ITA ITA NOR RUS SPA

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Greetje aan het spinnewiel", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Lynn Thompson) , "My peace is gone", copyright © 1997, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Fredric Kroll) , "Gretchen at the Spinning Wheel", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Walter A. Aue) , "My peace is gone", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Gérard Labrunie) , appears in Le Faust de Goethe [an adaptation]
  • GRE Greek (Ελληνικά) [singable] (Christakis Poumbouris) , "Το Ριτάκι στο ροδάνι", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "La mia pace è perduta", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Gretchen ved rokken", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Elisa Rapado) , "Margarita en la Rueca"


Gretchens Stube. Gretchen am Spinnrade allein.
 
Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab'
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Mein armer Sinn
Ist mir zerstückt.

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Nach ihm nur schau' ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh' ich
Aus dem Haus.

Sein hoher Gang,
Sein' edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,

Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach sein Kuß!

Meine Ruh' ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin.
[Ach]1 dürft ich fassen
Und halten ihn!

Und küssen ihn2
So wie ich wollt',
An seinen Küssen
Vergehen sollt'!


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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Zwölfter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1828, pages 177-178; with Faust. Eine Tragödie von Goethe, Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung, 1808, pages 223-225; and with Faust. Ein Fragment. in Goethe's Schriften. Siebenter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790, pages 133-135.

1 Zelter: "Als"
2 Goethe did not split the final eight lines into two stanzas prior to 1828.

Submitted by Emily Ezust [Administrator] and Peter Rastl [Guest Editor]

9. Gretchen vor dem Andachtsbild der Mater dolorosa [ sung text not yet checked against a primary source]

Language: German (Deutsch)

Translation(s): CAT DUT ENG FRE ITA ITA

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Greetje's smeekgebed", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Ah, lean down, you who are full of sorrow", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Ah abaisse, Toi emplie de douleur", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Io ti prego, Dolorosa", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission


Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein [Antlitz gnädig]1 meiner Noth!

Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmerzen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.

Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst du
Hinauf um sein' und deine Noth.

Wer fühlet,
Wie wühlet
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weißt nur du, nur du allein!

Wohin ich immer gehe,
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
Ich bin ach kaum alleine,
Ich wein', ich wein', ich weine,
Das Herz zerbricht in mir.

Die Scherben vor meinem Fenster
Bethaut' ich mit Thränen, ach!
Als ich am frühen Morgen
Dir diese Blumen brach.

Schien hell in meine Kammer
Die Sonne früh herauf,
Saß ich in allem Jammer
In meinem Bett' schon auf.

Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Noth!


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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Zwölfter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1828, pages 189-190; and with Faust. Ein Fragment. in Goethe's Schriften. Siebenter Band. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1790, pages 161-163.

1 Loewe: "gnädig Antlitz"

Submitted by Richard Morris and Peter Rastl [Guest Editor]

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     - Emily Ezust

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